Login
Politik international

EU-Kommission will globalen Hunger gezielter bekämpfen

von , am
03.04.2010

Brüssel - Der Kampf gegen Hunger und Armut auf der Welt muss bei den Kleinbauern in Entwicklungsländern ansetzen. So heißt es in einer neuen EU-Strategie, die von EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs präsentiert worden ist.

© Josef-Muellek/Fotolia

So soll die Erzeugung in kleinbäuerlichen Betrieben verbessert werden. Der lokale Markt, umweltgerechte Produktionsweisen und die Rolle der Frauen sollen dabei besonders berücksichtigt werden. Die Fördermittel für eine nachfragebestimmte Agrarforschung will die Kommission verdoppeln. Zudem möchte sich die Behörde für eine nachhaltige Landwirtschaftspolitik in Afrika einsetzen, die Kleinbauern zugute kommt. Zwischen 2010 und 2012 sieht die Kommission fast drei Milliarden Euro für die Verbesserung der globalen Ernährungssicherheit vor.

"Dieses Thema ist weiterhin ein zentrales Anliegen der EU. Daher haben wir die Ernährungssicherheit, die nachhaltige Landwirtschaft und die ländliche Entwicklung in den Mittelpunkt unserer Politik gegenüber unseren Entwicklungspartnern gestellt. Es ist nicht hinnehmbar, dass im Jahr 2010 immer noch eine Milliarde Menschen an Hunger und Mangelernährung leiden. Daher stelle ich heute unsere Strategie vor, wie die EU den Entwicklungsländern strukturell besser bei der Bewältigung der doppelten Geißel von Hunger und Armut helfen kann", so Piebalgs.

Saatgut und Werkzeuge zur Verfügung stellen

"Selbst im Falle einer Krise gibt es möglicherweise bessere Unterstützungsinstrumente als die direkte Nahrungsmittelhilfe. So können wir beispielsweise Saatgut und Werkzeuge zur Verfügung stellen und auf diese Weise von der Krise betroffenen Landwirten bei einem Neuanfang helfen. Wir können Soforthilfen in bar auszahlen, damit die Krisenopfer sich selbst Nahrungsmittel kaufen können, was zugleich den Erzeugern vor Ort zugute kommt. Wir möchten eine maßgeschneiderte Antwort auf spezifische Bedürfnisse geben und wollen dazu unser Instrumentarium zur Bekämpfung von Hunger in Notsituationen ausweiten", betonte die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgieva.

Konzepte sollen auch in Haiti umgesetzt werden

Bei einem gemeinsamen Frühstück mit Mitgliedern des Europäischen Parlaments und anderen Interessenvertretern in New York im Vorfeld der internationalen Geberkonferenz für Haiti konnten Piebalgs und Georgieva erörtern, wie die Konzepte über Nahrungsmittelhilfe und Ernährungssicherheit an einem der bedürftigsten Orte der Welt umgesetzt werden können, nämlich in Haiti. Weltweit haben Hunger und Mangelernährung in den vergangenen Jahren zugenommen, was zu unendlich viel Leid und unzähligen Verlusten an Menschenleben führt und die menschliche Entwicklung, die soziale und politische Stabilität sowie Fortschritte bei der Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele bedroht. Der Anstieg der Nahrungsmittelpreise im Zeitraum 2007 bis 2008 sowie die Finanzkrise haben sich laut EU-Kommission ebenfalls sehr nachteilig auf die Entwicklungsländer ausgewirkt.

Vier Säulen der Ernährungssicherheit stärken

Der neue EU-Politikrahmen soll dazu beitragen, dass die Entwicklungsländer die vier Säulen der Ernährungssicherheit sowohl in akuten Notsituationen als auch auf lange Sicht stärken können. Diese Säulen sind die Ausweitung des Lebensmittelangebots, die Verbesserung des Zugangs dazu, die Verbesserung der Nahrungsmittelqualität und die Gewährleistung des Verzehrs ernährungsphysiologisch ausgewogener Produkte. Die EU wird sich auch darum bemühen, die weltweiten Organisationsstrukturen im Bereich der Ernährungssicherheit wirksamer zu gestalten. (aiz)

Auch interessant