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Wirtschaft

EU-Kommission will Warentermingeschäfte regulieren

Externer Autor ,
am
21.09.2010

Brüssel - Außerbörsliche Warentermingeschäfte mit Agrarrohstoffen sollen transparenter und einer strengeren Kontrolle unterworfen werden.

Entsprechende Vorschläge hat EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier in Brüssel vorgestellt. Mit einem Maßnahmenpaket, das auf den äußerst breiten Markt sogenannter Over-the-Counter-Derivate (OTC-Derivate) abzielt, will Barnier dafür sorgen, dass sich Finanzkrisen wie 2008 nicht mehr so leicht wiederholen können. Die Ereignisse führten zum Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers und rissen in der Folge die Weltwirtschaft in die Rezession. 

"Auf Finanzmärkten darf es nicht zugehen wie im Wilden Westen", erklärte der Franzose vor Journalisten. OTC-Derivate hätten große Auswirkungen auf die Realwirtschaft und beeinflussten die Hypothekenzinssätze ebenso wie die Lebensmittelpreise. Künftig sollten die Behörden wissen, wer was tue und wer wem was schulde. Geplant sind vor allem neue Berichtspflichten sowie verbindliche Risikomanagementtechniken zur Senkung des Verlustrisikos für die Gegenpartei.

Ausnahmen möglich

Allerdings sollen diese Auflagen vorrangig für Finanzdienstleister gelten. Unternehmen einschließlich landwirtschaftlicher Betriebe, die lediglich Hedge-Geschäfte zur Absicherung des eigenen Preisrisikos betreiben, sind davon ausgenommen - solange sie nicht mit einer zu großen Anzahl von Kontrakten handeln. Die jeweils zutreffenden Schwellenwerte müssen von der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde, die voraussichtlich 2011 ihre Arbeit aufnimmt, erst noch bestimmt werden. Nach Angaben der Kommission könnten die Grenzwerte für einzelne Rohstoffe wie Öl oder Weizen unterschiedlich hoch ausfallen.

Auch im Agrarbereich bekannt

Wie man in der Generaldirektion Landwirtschaft auf Anfrage erläuterte, sind zwar Warenterminkontrakte - also an der Börse gehandelte Papiere - die traditionelle Form von Derivaten für Agrarprodukte. Dennoch hätten die außerbörslich gehandelten OTC-Derivate im Laufe der Zeit an Bedeutung gewonnen, um die Nachfrage nach maßgeschneiderten Kontrakten zu bedienen. In Abwesenheit einer Berichtspflicht gebe es keine verlässlichen Statistiken über die relative Bedeutung solcher Papiere im Agrarbereich. Unvollständige US-Daten legten nahe, dass die OTC-Aktivität dort nach wie vor geringer sei als der Handel an Terminbörsen.

Kosten können insgesamt steigen  

Von den Neuregelungen verspricht sich die Kommission auch hier zunächst einmal mehr Information. Auf die Käufer solcher Produkte dürften aufgrund der vorgesehenen Änderungen zusätzliche Kosten zukommen. Das hält man in Brüssel angesichts des gemeinsamen Interesses an mehr Transparenz für vertretbar. Und falls deswegen Nutzer von OTC-Derivaten wieder auf traditionelle Kontrakte umstiegen, wäre man in der Kommission auch nicht böse. Landwirte, die sich über Hedging-Geschäfte absichern, sollten sich in Zukunft noch besser über das Für und Wider der verschiedenen Möglichkeiten informieren, empfahl ein Experte.

Reißleine bei Kursverfall

Auf EU-Ebene stärker reguliert werden sollen ferner Leerverkäufe. Als Leerverkauf bezeichnet man den Verkauf eines Wertpapiers, das sich nicht im Eigentum des Verkäufers befindet und das dieser zu einem späteren Zeitpunkt erwerben will, um es liefern zu können. Im Falle zu großer Preisschwankungen sollen solche Geschäfte künftig befristet beschränkt oder untersagt werden können. "Tritt bei einem Finanzinstrument innerhalb eines einzigen Tages ein signifikanter Kursverfall ein, so sind die nationalen Regulierungsbehörden dazu befugt, Leerverkäufe in diesem Instrument bis zum Ende des nächsten Handelstages zu beschränken", erläuterte die Kommission. Dadurch könnten die Behörden geeignete Maßnahmen treffen, um in gegenseitiger Abstimmung einen Kursverfall abzuschwächen oder zu stoppen. Von Seiten der Generaldirektion Landwirtschaft wird ein solcher "Sicherungsschalter" begrüßt.

Limits für Preisschwankungen

Vor dem Hintergrund verstärkter Preisschwankungen auf den Rohstoffmärkten kann man sich dort vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt noch weiter zu gehen und Ausschläge sowohl nach oben als auch nach unten zu begrenzen. Dem sollen weitere Vorschläge, die für 2011 vorgesehen sind, Rechnung tragen. (AgE)

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