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Wirtschaft

EU: Landwirte verdienen knapp sieben Prozent mehr

aiz
am
17.04.2012

Brüssel - Mehr Produktion, höhere Erzeugerpreise: So lässt sich ein Bericht der EU-Kommission zur Entwicklung des Agrarsektors im Jahr 2011 zusammenfassen.

Das Landwirtschaftsjahr 2011 stand in der EU im Zeichen eines Anstiegs der realen Faktor-Einkommen um 3,7 Prozent (%). In Verbindung mit der Verringerung des agrarischen Arbeitseinsatzes um 2,7 % ergab sich eine Zunahme des realen landwirtschaftlichen Einkommens je Jahresarbeitseinheit um 6,5 % (vorläufige Zahl). Die tatsächliche Bandbreite zwischen den einzelnen Ländern ist jedoch groß. Sie liegt zwischen -22,5 % in Belgien und +43,7 % in Rumänien.
 
Dies geht aus einem Bericht der EU-Kommission über die Entwicklung des Agrarsektors im Jahr 2011 hervor. Der Einkommensanstieg in der Union ist auf einen leichten Zuwachs sowohl des Produktionsvolumens sowie auf ein deutlicheres Plus bei den Erzeugerpreisen zurückzuführen.

Pflanzliche Erzeugung: Preise und Margen steigen

Im Jahr 2011 stieg der reale Wert der pflanzlichen Erzeugung in der EU um 7,5 %, was aus höheren Preise (+5,7%) und größeren Mengen (+1,7%) resultiert. Der Preisanstieg war bei allen Kulturpflanzen deutlich spürbar, insbesondere bei
  • Getreide (+18,3%),
  • Ölsaaten (+15,1%),
  • Futterpflanzen (+12,8%) und
  • Eiweißpflanzen (+11,6%),
Ausnahmen sind frisches Gemüse (-9,7%), Olivenöl (-1,4%) und Blumen (-1,2%).
 
Bei den meisten Erzeugnissen wurden größere Mengen verzeichnet, insbesondere bei Zuckerrüben (+11%), Wein, Kartoffeln und Obst; geringere Ernten wurden dagegen bei Eiweißpflanzen (-16,3%), Oliven (-4,8%) sowie Zierpflanzen und Blumen (-2,1%) registriert.

Tierische Produkte: Erzeugerpreise steigen deutlich

Der Wertanstieg der tierischen Erzeugung um 7,7 Prozent ist das Ergebnis höherer Erzeugerpreise (+6,6%) und steigender Mengen (+1%).
 
Die Erlöse nahmen bei
  • Milch (+9,2%),
  • Geflügel (+8,5%),
  • Rindern (+8%),
  • Schafen und Ziegen (+5,2%) sowie
  • Schweinen (+4,4%) zu,
ein Rückgang wurde bei Eiern (-4,7%) verzeichnet.

Betriebsmittel sind teurer

Für Betriebsmittel musste um 9,2% mehr ausgegeben werden Bei den Kosten für landwirtschaftliche Vorleistungen (real) war eine Zunahme um 9,2% bei einer geringfügig gestiegenen Menge (+0,5%) zu verzeichnen.
 
Der Anstieg bei den Preisen für Produktionsmittel erklärt sich insbesondere durch höhere Aufwendungen für
  • Futtermittel (+16,9%),
  • Düngemittel (+14,7%) sowie
  • Energie und Schmiermittel (+11,9%).

EU-Ausfuhren steigen um 16 Prozent

Der Wert der EU-Agrarausfuhren dürfte jüngsten Schätzungen zufolge im Jahr 2011 auf etwa 105 Milliarden Euro angestiegen sein (Zunahme von 16 Prozent gegenüber 2010), davon entfallen 64% auf verarbeitete Endprodukte. Besonders ausgeprägt war dieser Anstieg bei Spirituosen sowie Wein und Getreidezubereitungen.
 
Die Ausfuhr von Weizen, der etwa die Hälfte der der exportierten Agrarrohstoffe ausmacht, erhöhte sich um elf Prozent auf gut vier Milliarden Euro. Die USA blieben weiterhin Hauptabnehmer für landwirtschaftliche Erzeugnisse aus der EU mit einem Wert von 14,6 Milliarden Euro (+8%). Die Ausfuhren nach Russland nahmen auch 2011 wieder zu (+14%) und beliefen sich auf mehr als 10,5 Milliarden Euro. Die Schweiz bleibt mit einem Wert von rund 6,5 Milliarden Euro (+7%) der drittgrößte Markt für EU-Agrarausfuhren.

Wichtigster Handelspartner: Brasilien

Der Gesamtwert der EU-Agrarimporte dürfte im Jahr 2011 um 16 Prozent auf schätzungsweise 98 Milliarden Euro  zugelegt haben. Wie bei den Ausfuhren entfiel der größte Anteil auf verarbeitete Endprodukte (51%). Die wichtigsten EU-Einfuhren waren tropische Erzeugnisse: Die Importe von Obst und Gewürzen sowie Kaffee, Tee und Mate erreichten zusammen einen Wert von mehr als 18 Milliarden Euro. Die Einfuhren von Ölkuchen machten über sieben Milliarden Euro aus, und in der Kategorie "Andere tierische oder pflanzliche Öle" wurden Erzeugnisse um rund acht Milliarden Euro eingeführt. Auf die fünf obigen Produktgruppen entfallen zusammen beinahe 35% aller EU-Agrareinfuhren.
 
Im Jahr 2011 lagen die EU-Einfuhren aus Brasilien, dem mit 14% aller Agrarimporte wichtigsten EU-Handelspartner, über dem Vorjahresniveau (beinahe 14 Milliarden Euro), während die Lieferungen aus den USA auf 8,2 Milliarden Euro stiegen (+12%). Die EU-Einfuhren aus Argentinien, dem drittwichtigsten Zulieferer der EU, erfuhren eine Zunahme auf 6,3 Milliarden Euro.    
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