Login
Politik EU

EU-Saatgutgesetze: Bergbauern fürchten um biologische Vielfalt

von , am
24.05.2011

Wien - Die Menschenrechts-Organisation „FIAN Österreich“ und die Bergbauernvereinigung „ÖBV-Via Campesina Austria“ fordern mehr Respekt vor den Rechten von Bauern zur Regulierung des Saatguthandels.

Bei der Futtergerste sollte der Stickstoffgehalt im Korn über 2 Prozent liegen. © Mühlhausen/landpixel
Die Organisationen erhoben die Forderung gegenüber der EU anlässlich des "Internationalen Tages der biologischen Vielfalt“ am vergangenen Sonntag. Dass internationale Saatgut- und Agrarchemie-Konzerne die „Eigentümerschaft” an Saatgut erlangten, sei eine enorme Bedrohung für alte, schützenswerte Sorten und letztlich den Lebensunterhalt von zahllosen Kleinbauern weltweit. Gerade mal ein Dutzend Konzerne würden mittlerweile mehr als 60 Prozent des globalen Saatgutmarkts kontrollieren und unter sich aufteilen. Die Patentierung von Saatgut durch diese Firmen hat laut FIAN-Agrarökonomin Gertrude Klaffenböck einen besonders dramatischen Einfluss auf den Zugang zu den Ressourcen gerade von Kleinbauern. Diese würden in einen Abhängigkeitszirkel der Saatgutindustrie gedrängt und dazu gezwungen, immer teurere Betriebsmittel zu kaufen.
 
So zögen etwa die 2007 von der EU-Kommission im Rahmen ihres Programms „Better Regulation” beschlossenen Regelungen für die Vereinfachung des Saatguthandels „katastrophale Auswirkungen“ nach sich, stellte Klaffenböck fest. Die neuen Richtlinien ließen die Vielfalt im Saatguthandel und damit die Biodiversität völlig außer Acht. Irmi Salzer von ÖBV-Via Campesina fürchtet auch um den Saatguttausch in der Alpenrepublik: „Durch die Umsetzung der neuen EU-Richtlinie in der österreichischen Saatgutverordnung besteht die große Gefahr, dass der Austausch von Saatgut hierzulande gesetzlich eingeschränkt wird“, hob Salzer hervor. Die letzten noch verbliebenen Handlungsfreiräume von Züchtern alter Sorten und Kleingärtnern drohten damit zurückgedrängt zu werden. Die Rechte der Bauern seien durch restriktive Saatgutgesetze bereits stark eingeschränkt und dürften keinesfalls weiter beschnitten werden.
Auch interessant