Login
Wirtschaft

EU schränkt Spekulation mit Agrarrohstoffen ein

pd/ez
am
16.01.2014

In der Nacht zum Mittwoch haben sich Europarat, EU-Parlament und die Kommission auf die Neufassung der Finanzinstrumente-Richtlinie MiFID geeinigt. Das betrifft auch den Handel mit Agrarrohstoffen.

Weizen Börse
Die Finanzinstrumente-Richtlinie MiFID (Market in Financial Instruments Directive) ist unter anderem dazu da, den Handel mit Agrarrohstoffen an EU-Finanzmärkten zu regulieren. Mit der Neufassung werden jetzt die rechtlichen Voraussetzungen für eine verbindliche Einführung von Positionslimits in der EU geschaffen. Positionslimits sind Obergrenzen für Finanzinvestoren an Warenterminmärkten.
 
Ziel ist es, exzessive Spekulationen mit Rohstoffen zu verringern. Physische Preisabsicherungsgeschäfte der Agrarwirtschaft sind jedoch von den Positionslimits ausgenommen.

Die neuen Maßnahmen

Mit Hilfe einer regelmäßigen und zeitnahen Berichterstattung soll die Transparenz an den Terminmärkten erheblich verbessert werden. Unter anderem wird damit - so erhofft man sich - das Ausmaß der Aktivitäten spekulativer Anleger an den Terminmärkten für Agrarrohstoffe deutlich. Mit Hilfe dieser Informationen können Aufsichtsbehörden Regulierungsinstrumente leichter anwenden. Außerdem sollen dadurch wissenschaftliche Fragen zum Zusammenwirken von Termin- und Kassamärkten geklärt werden.
 
Um die Gefahren des Hochfrequenzhandels zu begrenzen, sind kurzfristige Handelsunterbrechungen möglich. Finanzprodukte, die eine Gefahr für Finanz- oder Gütermärkte darstellen, können künftig präventiv verboten werden.

Überwiegend positive Resonanz

Landwirtschaftsminister Hans-Peter Friedirch sieht die Einigung als einen "entscheidenden Schritt im Kampf gegen exzessive Nahrungsmittelspekulation." Er verspricht sich davon Agrarterminmärkte, "die für die Verbraucher die Preise stabilisieren und für die Produzenten ein verlässliches Instrument zur Preisabsicherung und Preisfindung sind".
 
Auch EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier begrüßt die Einigung - wenn auch mit Einschränkungen: "Obwohl ich bedauere, dass das von der Kommission vorgeschlagene strenge Transparenzregime für Anleihen und Derivate nicht vollumfänglich erreicht wurde, so ist die neue MiFID-Richtlinie doch ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Transparenz".
 
Die Hilfsorganisation Oxfam freut sich über den MiFID-Kompromiss, warnt aber vor Schlupflöchern. "Die Obergrenzen werden nicht auf europäischer Ebene, sondern von den nationalen Aufsichtsbehörden festgelegt und könnten zu weich ausfallen, sodass eine Eindämmung der exzessiven Spekulation mit Nahrungsmitteln nur bedingt erreicht wird", bemängelt David Hachfeld, Handelsexperte von Oxfam Deutschland.

MiFID soll 2015 umgesetzt werden

Innerhalb von 18 Monaten sollen jetzt die nötigen Durchführungsbestimmungen erarbeitet werden, sodass die MiFID im Jahr 2015 umgesetzt werden kann. Landwirtschaftsminister Friedrich geht davon aus, dass Rat und Europäisches Parlament dem Kompromiss in Kürze zustimmen werden.

Marktreport: Günstiger Mais verdrängt Weizen im Tierfutter

Auch interessant