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Politik EU

EU stützt Lagerhaltung trotz Trendwende am Schweinemarkt

© Mühlhausen/landpixel
von , am
26.02.2015

Obwohl sich die Schweinepreise derzeit wieder etwas erholen, hat die EU gestern grünes Licht zur privaten Lagerhaltung von Schweinefleisch gegeben. Viele deutsche Produzenten sehen die Maßnahme kritisch.

Private Lagerhaltung: Die EU zahlt 254 Euro pro Tonne für 90 Tage Einlagerung von Schinken. © Ezoom/Fotolia.com
Die EU unterschützt demnächst Produzenten von Schweinefleisch mit Beihilfen für die private Lagerhaltung. Einem entsprechenden Vorschlag der Europäischen Kommission haben Experten der EU-Mitgliedstaaten heute zugestimmt. EU-Agrarkommissar Phil Hogan sagte dazu: "Ich glaube, dass Beihilfen für die private Lagerhaltung das effizienteste Instrument sind, um auf die schwierige Marktsituation zu reagieren. Diese Maßnahme wird eine beträchtliche Produktmenge vom Markt nehmen und diesen und die finanzielle Situation der Landwirte stabilisieren. Sie sollte zur Erholung des Marktes beitragen, indem sie die vorsichtige Erholung der Preise weiter belebt."
 
Marktexperte: Marktmechanismen werden erheblich gestört
 
Dlv-Marktexperte Olaf Zinke sieht die Beihilfen für die private Lagerhaltung kritisch. Denn die aufgekaufte Ware müsse nach einer bestimmten Zeit wieder auf den Markt, was in diesem Moment die Marktmechanismen empfindlich stören könnte. Zinke geht davon aus, dass der Schweinemarkt auch in diesem Jahr gut versorgt sein werde. "Wenn die aufgekaufte Ware wieder auf den Markt kommt, könnte das dämpfend auf einen Preisanstieg wirken oder sogar die Preise senken", erläutert Zinke gegenüber agrarheute.com.

Beihilfen für Schweinefleischprodukte

Unter den heutigen Beschlüssen zahlt die Kommission feste Beihilfen für die private Lagerung bestimmter Schweinefleischprodukte für einen Zeitraum von 90 bis 150 Tagen. Beispielsweise bewegen sich die Zuschüsse für die Lagerung von Schinken zwischen 254 Euro pro Tonne für 90 Tage und 278 Euro pro Tonne für 150 Tage. Die technischen Details wird die Kommission in einer Durchführungsverordnung festschreiben, die in den kommenden Tagen beschlossen wird und dann in Kraft tritt.

Schweineerzeuger lehnen Maßnahme ab

Die deutschen Schweinehalter wundern sich über diesen Sinneswandel. Der EU-Kommissar hatte bis vor kurzem eine derartige Maßnahme ausgeschlossen. Laut Interessensverband ISN gebe es am Markt derzeit eine positive Trendwende.
 
"Der Inlandsabsatz und der Absatz im EU-Binnenmarkt laufen wieder weitgehend stabil. Es ist völlig unverständlich, warum Hogan dem Druck u.a. aus Dänemark nachgibt und gerade jetzt die Kühlhausbetreiber mit staatlichen Subventionen zur Einlagerung von Schweinefleisch, also zur PLH, bewegen will.", schreibt ISN.
 
Der Verband lehnt derartige Marktstützungeingriffe ab. Mit einer subventionierten Einlagerung von Schweinefleisch würden die Probleme auf den Märkten nur verschoben. Der Markt ließe sich damit nicht nachhaltig entlasten, denn die Läger müssen auch wieder geräumt werden. Die Fleischmengen drückten einfach nur später auf den Markt. Zudem gehe eine Beihilfe möglicherweise in die Kalkulation des Verkaufspreises ein. Die Erzeugerpreise erholen sich erfahrungsgemäß so nur sehr schwer.
 
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