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Wirtschaft

EU verschärft Kontrollen für Importe aus Japan

aiz.info
am
29.03.2011

Brüssel/Tokio - Die EU hat Ende vergangener Woche die Kontrollen für eingeführte Lebens- und Futtermittel aus Japan verschärft.

Der ständige Ausschuss für die Lebensmittelkette und die Tiergesundheit stimmte einem entsprechenden Verordnungsvorschlag der EU-Kommission zu. Demnach müssen alle Erzeugnisse aus den am stärksten vom Reaktorunglück im japanischen Atomkraftwerk Fukushima betroffenen zwölf Präfekturen vor ihrer Ausfuhr in Japan auf eine mögliche Verstrahlung getestet werden. Die dortigen Behörden müssen sie dann mit einer offiziellen Erklärung versehen, dass sie die EU-Höchstwerte für Cäsium und radioaktives Jod nicht überschreiten. In der EU sollen zudem rund 10 Prozent der Importe erneut getestet werden.
 
Wie die Europäische Kommission laut Dow Jones News mitteilte, müssen Importeure die Einfuhren von Lebens- und Futtermitteln zwei Tage vor ihrer Ankunft in der EU anmelden. Erzeugnisse, die vor dem 11. März geerntet oder verarbeitet wurden, sind von der Regelung nicht betroffen. Sie müssen aber eindeutig als solche ausgewiesen werden. Die Lebens- und Futtermitteleinfuhren der EU aus Japan sind der Kommission zufolge allerdings sehr gering. Dabei handelt es sich vor allem um Fischereiprodukte und Weichtiere. Die Importe von Gemüse und Obst aus Japan in die EU beliefen sich im vergangenen Jahr den Angaben zufolge auf lediglich 9.000 Tonnen.
 

Japan warnt vor Überreaktion

Auch Taiwan hat die Einfuhr von Lebensmitteln aus fünf japanischen Präfekturen um das Atomkraftwerk Fukushima 1 untersagt. Das Importverbot gelte sofort, sagte ein Sprecher der taiwanesischen Gesundheitsbehörden am Freitag. "Wir beobachten die Situation weiter und könnten das Einfuhrverbot bei einer Verschlechterung der Lage ausweiten", wurde betont. In Taiwan waren in den vergangenen Tagen radioaktiv belastete Bohnen und Muscheln entdeckt worden. Zuvor hatten unter anderem die USA, Russland, Australien und Singapur Importverbote und Beschränkungen verhängt.
 
Japan sorgt sich nunmehr ernstlich um seine landwirtschaftlichen Exporte. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo laut dpa am Sonntag unter Berufung auf Diplomatenkreise berichtete, will Japan die Mitglieder der Welthandelsorganisation WTO bei einem informellen Treffen am Dienstag vor Überreaktionen warnen und an die Einhaltung der eigenen Bestimmungen erinnern, wonach es verboten sei, ohne wissenschaftliche Beweise Handelsrestriktionen zu verhängen. Japan selbst hat strikte Lieferstopps für mehrere Gemüsearten und Milch aus der betroffenen Region erlassen, bei denen Werte über der erlaubten Grenze gemessen worden waren.
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