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Politik EU

EU will Aquakultur fördern

von , am
30.04.2013

Die drohende Überfischung der Meere bereitet Kopfzerbrechen. Nun will die Europäische Kommission Fischzucht in Aquakulturen fördern, um dem gestiegenen Verbrauch Rechnung zu tragen.

Ein regelmäßiges Monitoring soll die Überfischung im Schaalsee verhindern. © Eckinger
Fisch ist gesund und kommt in europäischen Haushalten oft auf den Tisch. Die Nachfrage steigt und der Druck auf die natürlichen Bestände vieler Fischarten wächst dramatisch. Längst ist eine Lücke zwischen Erzeugung und Verbrauch entstanden, die stetig größer wird. Auch in Zukunft rechnet man mit einem Wachstum des weltweiten Fischverbrauchs um zehn bis 20 % allein im kommenden Jahrzehnt, so eine UN Studie.

Aquakultur als Alternative

Aquakultur stellt hier, neben einem einträglichen Wirtschaftssektor mit enormem Wachstumspotential, eine zukunftsträchtige Möglichkeit dar, Meeresressourcen zu schonen. In vielen anderen Ländern wird intensive Forschung betrieben und die Branche boomt, insbesondere in Asien. In der EU jedoch stagniert der Aquakultursektor. Ein Grund hierfür sind die schwierigen Bedingungen, denen sich Investoren stellen müssen: "Heute kann es bis zu drei Jahre dauern, um eine Zulassung für einen neuen Aquakulturbetrieb zu erhalten, was Investoren natürlich abschreckt", kritisierte die EU-Kommissarin für maritime Angelegenheiten und Fischerei Maria Damanaki.

EU-Leitlinien zur Förderung

Am Montag wurden nun von der Europäischen Kommission strategische Leitlinien herausgegeben, die bisherige Hürden und Defizite abbauen sollen. Ziele sind in erster Linie ein Abbau der teilweise ineffizienten, schleppenden Bürokratie und Unsicherheiten für Anlagenbetreiber, um langfristig mehr Wachstum und Beschäftigung zu erreichen. Die Kommission konzentriert sich hierbei nicht nur auf den Küstenbereich und die Aufzucht im Meer. Auch die Binnengebiete mit Fischfarmen an Teichen und natürlichen Gewässern sollen davon profitieren.

Geeignete Raumplanung

Eine notwendige Maßnahme ist in diesem Zusammenhang auch die Erleichterung des Zugangs zu Raum und Gewässern, die für den Bau von Fischzuchtanlagen geeignet sind. Bisher sei dies nicht ausreichend, wie Damanaki feststellte: "Wir haben nicht genug Raum, um mehr zu produzieren". Auch die Verwaltung von Küstenzonen müsse hier umgestaltet werden.

Label "Made in the EU"

Zuchtlachs darf nun mehr Pestizid enthalten. © Eckinger
Um Aquakulturbetriebe und ihre Produkte wettbewerbsfähiger zu machen sowie fairere Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, ist das Prädikat "Made in the EU" bei Fischereierzeugnissen ein entscheidender Marktvorteil. Dieser muss hier durch die Einführung eines europaweiten Labels genutzt werden.
Im Rahmen dessen sollen die Verbraucher auch über Qualität und Anforderungen bezüglich Umweltschutz, Tierwohl und Verbraucherschutz informiert werden.
All jene vorgestellten Maßnahmen sollen eine Industrie fördern, "die wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltig ist und den Verbrauchern gesunde und hochwertige Meereserzeugnisse bietet", so die Kommission. 

Kritik durch Umweltorganisationen

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Viele Umweltorganisationen halten Aquakultur für ökologisch durchaus bedenklich.
 
Nicht nur ein oft hoher Gebrauch von Medikamenten, um der Ausbreitung von Krankheiten in den engen Farmen entgegen zu wirken, sondern auch das Problem des Futters wird häufig diskutiert. Füttert man Zuchttiere mit Wildfang wie bisher, mache dies die Situation nicht besser. Für ein Kilogramm Fisch benötigt man um die vier Kilogramm Wildfang. Hierzu werden vor allem kleinere Fischarten gefangen, wodurch sich die Überfischungsproblematik schlichtweg verschiebt.
 
Gerade im Meer herrscht auch noch das Problem der Masse an Fischexkrementen, die massiv das Algenwachstum fördern. Bei bestimmten Zuchtarten, wie dem Lachs, besteht zusätzlich noch die Gefahr, dass entkommende Fische ihre wilden Artgenossen verdrängen. EU-Fischereikommissarin Damanaki jedoch tritt dieser Kritik entschieden entgegen: "Unsere Umweltregeln für die Aquakultur sind die strengsten der ganzen Welt." Die Hälfte der europäischen Aquakulturprodukte seien ohnehin Schalentiere und hätten keine Auswirkungen auf die Umwelt.

Keine neuen rechtlichen Verpflichtungen

Die am Montag dargelegten Vorschläge stehen im Zusammenhang mit der GFP-Reform, der vorgeschlagenen Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik. Sie stellen keine neuen rechtlichen Verpflichtungen dar.
 
Es handelt sich hier um eine Reihe freiwilliger Maßnahmen, die von der Europäischen Kommission, Investoren oder Interessenträgern sowie den EU-Staaten umgesetzt werden können, um die Aquakultur in Zukunft zu stärken.
 
Jeder EU-Mitgliedsstaat soll nun einen eigenen mehrjährigen Strategieplan entwerfen, der die Förderung der Branche im eigenen Land voranbringen soll. Die Europäische Kommission wird bei der Koordinierung und Orientierung, unter anderem bezüglich der EU-Rechtsvorschriften, behilflich sein.
 
Maria Damanaki erklärte: "Ich möchte gemeinsam mit den Mitgliedstaaten Bürokratie abbauen und die Wettbewerbsfähigkeit dieses Sektors aufbauend auf unserem derzeitigen hohen Maß an Verbraucher- und Umweltschutz stärken."
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