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Wirtschaft

Eurokrise bremst die Ernährungsindustrie

AgE
am
17.07.2012

Berlin - Die andauernde Eurokrise sowie die Konsumzurückhaltung der europäischen Verbraucher haben der deutschen Ernährungsindustrie zuletzt ein schwaches Ergebnis beschert.

Wie die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) vergangene Woche berichtete, hat die Branche im April 2012 einen Umsatz von 13,5 Milliarden Euro (Mrd. Euro) erwirtschaftet; das waren 1,4 Prozent (%) weniger als im Vorjahresmonat, preisbereinigt sank der Wert sogar um 4,6 %. Laut Branchenverband fiel der Umsatzrückgang im Inland und im Euroraum besonders deutlich aus, was durch das  Drittlandsgeschäft nicht ausgeglichen werden konnte.

Stimmung der Lebensmittelhersteller hat sich verschlechtert

Der Gesamterlös aus dem Lebensmittelexport verfehlte mit 3,6 Mrd Euro das Niveau vom April 2011 um 6,7 %. Die insgesamt negativen Erwartungen der Unternehmen an die Nachfrageentwicklung führten laut BVE zu einer Stagnation der Lebensmittelherstellung; bereinigt um die Saison- und Kalendereffekte nahm die Produktion im April um 4,9 % gegenüber dem Vorjahresmonat ab.
 
Grundsätzlich habe sich die Stimmung der Lebensmittelhersteller verschlechtert; dies zeige auch die erneute Abschwächung des Ifo-Geschäftsklimaindex für die Branche im Juni 2012, erläuterte die Bundesvereinigung. Allerdings sei die Zuversicht für das Exportgeschäft ungebrochen, wobei man auf die wirtschaftliche Stabilisierung in der Eurozone hoffe.
 
Die Branchenkonjunktur kann nach Auffassung des Verbandes aber auch durch stabile Verbraucherpreise und einen soliden Inlandskonsum gestützt werden. Dazu hat nach ihrer Einschätzung der im Mai 2012 erfolgte Rückgang der Lebensmittelpreise um 2,5 % im Vergleich zum Vorjahr beigetragen.

Deutsche Wirtschaft legt Wachstumsphase ein

Wie die Tagesschau am 28. Juni berichtete, rechnet das Münchner ifo Institut in diesem Sommer mit einem abgeschwächten Wirtschaftswachstum. "Alles in allem dürfte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten und dritten Quartal nur um jeweils 0,1 Prozent zunehmen",  heißt es in der neuen Ifo-Konjunkturprognose.
Der Leiter der ifo-Konjunkturabteilung, Kai Carstensen, fasste die Lage folgendermaßen zusammen: "Die deutsche Wirtschaft legt eine Wachstumspause ein."
 
Griechenland und Spanien in die "Rehaklinik" 
 
Wie die Tagesachau weiter schreibt, sprach sich der Chef des ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, im Kampf gegen die Schuldenkrise für einen vorübergehenden Euro-Austritt von Staaten wie Griechenland und Spanien aus. Er könne sich eine "Rehaklinik" für diese Länder vorstellen. Die Staaten könnten austreten, durch Abwertung der eigenen Währung wieder gesunden und wieder eintreten, wenn sie wettbewerbsfähig seien. Sinn bezeichnete es als einen "Riesenfehler, den Austritt zu einer Katastrophe zu stilisieren".
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