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Wirtschaft

Euronext kündigt Premiumweizen-Kontrakt an

aiz
am
16.02.2015

Die EU überflügelt momentan die USA als weltweiten Weizenexporteur Nummer 1. Nun kündigte die Euronext einen neuen Premiumweizen-Kontrakt und zusätzliche Erfüllungsorte an. Auch der Hamburger Hafen ist im Gespräch.

© kk artworks/fotolia
Der Fokus des Weizenweltmarktes richtet sich zunehmend auf Europa. Offensichtlich setzt zwischen den beiden Börsegruppen NYSE-Group (Euronext) und der CME-Group (CBoT) ein Wettbewerb um die Gunst der Teilnehmer an den europäischen Weizenmärkten ein. Laut Exklusivberichten der Nachrichtenagentur Reuters plant der zweite globale Rohstoffbörsenriese CME-Group mit einem europäischen Weizenterminkontrakt auf den Markt zu kommen. Euronext kündigte einen neuen Premiumweizen-Kontrakt und zusätzliche Erfüllungsorte an.

Premiumweizen-Kontrakt mit Protein-Garantie

Überraschend kündigte die Euronext vergangene Woche einen neuen sogenannten "Premiumweizen-Kontrakt" an. Dieser ist mit einer Protein- (11%) und Fallzahlgarantie (220 sec.) sowie einem Mindest-Hektolitergewicht von 76 kg ausgestattet. Weitere Kriterien sind 15 % Feuchtigkeit, 4 % Bruchkorn und 2 % Besatz. Liefermonate sind September, Dezember, März und Mai. Der Handel soll im März mit dem Liefertermin September 2015, also der kommenden Ernte, starten.

Hamburger Hafen soll aufgenommen werden

Die Euronext weitet laut ihrer Aussendung auch den Kreis der Erfüllungsorte aus - neben den beiden Silos von Senalia und Socomac in Rouen sowie einem in Dünkirchen stehen nun künftig auch Lager in Nantes und Bordeaux für die physische Erfüllung des Kontrakts offen. Die Euronext, so ein Sprecher, schließe eine noch weitergehende Erweiterung der Andienungsorte nicht aus und brachte dabei den Hafen Hamburg als "für einen Qualitätsweizenkontrakt sicher naheliegende Wahl" ins Spiel.

Euronext bildet keine Brotweizenpreise ab

Seit Langem monieren europäische Marktteilnehmer, die mit Termingeschäften ihre physischen Preise absichern wollen, dass die Euronext-Weizenkontrakte mangels Fallzahl- und Proteingarantie keine realistischen Brotweizenpreise abbildeten, sondern - bei schlechten Erntequalitäten wie 2014 - eigentlich nur Futterweizenpreise. Die auf die französischen Exporthäfen konzentrierten Erfüllungsorte würden wegen der langen Transportwege und damit verbundenen hohen Frachtkostendifferenzen zusätzlich ein "zurückrechnen" der Euronext-Kurse auf Kassamarktpreise erschweren, so die Kritik vor allem aus den mitteleuropäischen Produktionsgebieten.
 
"Für zentraleuropäische Weizenmärkte, wo Mahlweizenqualitäten etwa in Österreich bei 12,50% Protein, 220 sec. Fallzahl und 78 kg Hektolitergewicht gar erst beginnen, klingt die Bezeichnung "Premiumweizen-Kontrakt" für einen Proteinmindestwert von 11% nahezu wie ein Hohn.", schreibt das österreichische Informationszentrum aiz.

Branche gegenüber CME-Weizenkontrakt skeptisch

Die Branche blickt dem neuen europäischen CME-Weizenkontrakt mit einiger Skepsis entgegen: Denn laut ersten Vorinformationen von Reuters soll dieser ab April für den ersten Liefertermin September 2015 mit einer Proteingarantie von 10,50 % sowie mit mindestens 170 oder 180 sec. Fallzahl, 74 kg Hektolitergewicht und 15 % Feuchtigkeit definiert sein. Damit liegt die Spezifikation sogar noch unter der des neuen Euronext-Kontraktes. Wenigstens, so Marktteilnehmer, solle der im elektronischen Handel an der CBoT angebotene Futures zumindest in Euro und nicht in US-Dollar verrechnet werden.
 
Die täglichen Handelszeiten könnten kurz vor denen an der Euronext starten und unmittelbar nach der Pariser Konkurrenz schließen. Als Erfüllungsorte zur Ermittlung der Preisparität stünden vier Silos mit zusammen 400.000 Tonnen Fassungsvermögen in Rouen zur Verfügung, heißt es. Im Gegensatz zum ausschließlich auf die Exportsilos abgestellten Euronext-Kontrakt dürfte die CME aber auch weitere Andienungsorte im französischen Binnenland mit entsprechenden Preisabschlägen zulassen wollen.
 
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