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Wirtschaft

Europa: Kein fruchtbarer Boden für Grüne Gentechnik

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Katharina Krenn, agrarheute
am
12.03.2012

In vielen Teilen Europas geht der Trend zu „Genfood - nein danke!“ Während Deutschland Anbauverbote für gentechnisch veränderte Pflanzen erlässt, steigt weltweit der Anbau und Handel von GVO-Produkten.

Im Rahmen einer Tagung am Innnovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie (IZB) diskutierten Vertreter der Biotech-Branche aus Deutschland und den USA über die Zukunft der Pflanzenbiotechnologie. "Die Bundesrepublik war einmal Gründerland der Grünen Gentechnikforschung, heute gibt es nur noch Grundlagenforschung ohne Perspektive", bedauert Dr. Andreas Schier, Professor für Phytomedizin und angewandte Biotechnologie.
 
Die Grüne Gentechnik findet in Deutschland wenig Akzeptanz. Ein kommerzieller Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen (GVO) findet momentan nicht statt. Auch der Import und Einsatz von GVO-Produkten ist hoch umstritten. Deutschland hat außerdem Anbauverbote von der EU zugelassenen gentechnisch veränderten Pflanzen erlassen. Darüber hinaus ist aufgrund verstärkter Protesten die GVO-Freilandforschung stark zurückgegangen.
 
Aus Sicht der Agro-Gentechnik-Branche hat Deutschland als Forschungs- und Produktionsstandort an Attraktivität verloren. Viele große Unternehmen wie Bayer oder BASF haben bereits ihren Standort ins Ausland, insbesondere die USA, verlagert.

Die USA setzt auf Genfood

In den Vereinigten Staaten sind die Freilandforschung, sowie der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen akzeptierte Praxis. "Genprodukte sind in den USA Alltag", erklärt Prof. Dr. Schier. Die meisten US-Verbraucher konsumieren Genfood ohne Bedenken.
 
Der Gentechnikanteil bei Mais, Soja und Baumwolle liegt in den USA bei über 90 Prozent. Die USA zählt zu den führenden Ländern beim GVO-Anbau. 69 Millionen Hektar bewirtschaften US-Landwirte mit gentechnisch veränderten Pflanzen.

GVO: Sackgasse oder die Zukunft?

"Im Hinblick auf die Energiewende und das steigende Bevölkerungswachstum gehören den GV-Pflanzen die Zukunft", sagt Dr. Matthias Liebergesell, Biotechnologie-Experte beim US-amerikanischen Chemieunternehmen duPont.
 
In 2011 stieg die weltweite Anbaufläche von Genpflanzen um acht Prozent auf 160 Millionen Hektar. Den größten Zuwachs verzeichneten die Entwicklungs- und Schwellenländer. Europa dagegen werde mehr und mehr zu einer Insel inmitten eines florierenden Gentechnik-Agrargeschäft und bleibe langfristig nicht wettbewerbsfähig.
 
Peter Röhrig, Gentechnikexperte beim Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) bezeichnet die Grüne Gentechnik als "Sackgassentechnologie". Sie sei keine Grundlage für die Sicherung der Welternährung, denn es habe sich gezeigt, dass GVO-Anbau den Ertrag nicht steigert. In einigen Fällen sei sogar das Gegenteil der Fall: GV-Soja erbrachte in Südamerika geringere Erträge gegenüber konventionellen Pflanzen, da diese weniger gut an die lokalen Bedingungen angepasst sind.
 

Keine Renationalsierung von GV-Zulassungen

Laut Dr. Liebergesell sei Europa kein attraktiver GVO-Exportmarkt mehr, denn die Zulassungsverfahren der EU von Gentechnik-Produkten seien langwierig und wenig einheitlich.
 
Deutschland und neun weitere EU-Länder haben Anbauverbote von gentechnisch veränderten Pflanzen, wie den GV-Mais MON810, aufgrund von möglichen Umweltrisiken erlassen. Der Genmais MON810 wurde zuvor von der EU als sicher eingestuft und zugelassen. Anbauverbote auf nationaler Ebene können nur mit entsprechender Begründung erlassen werden.
 
Der dänische Vorschlag einer Renationalisierung von Zulassungsentscheidungen bei GVO bekam letzten Freitag keine Mehrheit in Brüssel. Deutschland, Frankreich und Belgien betrachten ihn als Verstoß gegen den EU-Binnenmarkt und die Welthandelsverträge.
 
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