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Politik EU

Europa verliert zuviel fruchtbaren Boden

von , am
15.02.2012

Brüssel - In Europa geht zuviel fruchtbarer Boden verloren. Zwei Berichte, die am Montag von der EU-Kommission präsentiert wurden, belegen das.

Der Landwirt möchte seine Heimat weiter bewahren. © Mühlhausen/landpixel
Demnach gingen zwischen 1990 und 2006 durch Flächenversiegelung, also das Abdecken von fruchtbarem Boden durch undurchlässiges Material, täglich mindestens 275 Hekar (ha) dauerhaft verloren. Alle zehn Jahre verliert Europa damit fruchtbaren Boden in der Größe Zyperns. Außerden sind schätzungsweise 1,3 Millionen Quadratkilometer von Bodenerosion durch Wasser betroffen, was dem 2,5-Fachen der Fläche Frankreichs entspricht.

Negativer Trend

"Diese Berichte belegen, wie wichtig es ist, unsere Böden zu schützen, wenn wir die Verfügbarkeit von hochwertigen Nahrungsmitteln und sauberem Grundwasser sichern, gesunde Erholungsgebiete erhalten und die Treibhausgasemissionen verringern wollen. Wir müssen die Ressourcen aus unseren Böden nachhaltiger nutzen, was am besten durch ein gemeinsames europäisches Konzept zu bewerkstelligen wäre. Die Kommission hat Rechtsvorschläge vorgelegt, und ich hoffe, dass unsere neuen Berichte den Rat und das Parlament veranlassen werden, zu handeln", erklärte der zuständige Umweltkommissar Janez Potocnik.
 
Erosion, Bodenversiegelung und Versauerung haben in den vergangenen zehn Jahren zugenommen. Ein Trend, der sich den Berichten zufolge fortsetzen wird, sofern Problemen wie der zunehmenden Flächennutzung und der ineffizienten Verwendung natürlicher Ressourcen nicht entgegengetreten wird und keine Bemühungen zur Erhaltung der organischen Stoffe im Boden unternommen werden.

Systematik fehlt noch

Angemerkt wird auch, dass es fünf Jahre nach Annahme der thematischen Strategie noch keine systematische Überwachung und entsprechenden Schutz der Bodenqualität in Europa gibt. Dabei hat die Kommission zur Vorbereitung von Maßnahmen auf EU-Ebene Initiativen zur Förderung des Bodenbewusstseins, Forschungs- und Überwachungsprojekte (zum Beispiel Eurostat-Erhebung über Bodenbedeckungs-, Flächennutzungs- und Agrarumweltindikatoren) unterstützt. Außerdem wurde das gemeinsame Ziel in andere gemeinsame Politikbereiche, einschließlich Landwirtschaft und Entwicklung des Ländlichen Raumes, einbezogen.

Initiative boden:ständig: Weniger Erosion, mehr Gewässerschutz

Bodenrahmenrichtlinie bereits 2006 vorgeschlagen

Neben den laufenden Schritten sollen auch
  • Forschungstätigkeiten und Bodenüberwachung unterstützt,
  • Leitlinien für Bodenversiegelung fertiggestellt und
  • Aspekte im Zusammenhang mit den Böden stärker in die bevorstehende Überprüfung der Richtlinie über Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) einbezogen werden.
Außerdem will die Kommission die Berücksichtigung von Emissionen aus Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) im Rahmen der Klimaschutzverpflichtungen für 2020 vorschlagen und auf internationaler Ebene bodenbezogene Initiativen fördern.
 
Die Kommission hat bereits 2006 eine Bodenrahmenrichtlinie vorgeschlagen. Sie soll die
  • Bodenproduktivität insbesondere mit Blick auf die Nahrungsmittelerzeugung sichern,
  • Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt mindern,
  • Möglichkeiten für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel schaffen und
  • Geschäftsmöglichkeiten im Bereich Bodensanierung eröffnen.
Diese Vorschläge werden im EU-Parlament und von den Mitgliedstaaten im Rat beraten.
 
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