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Wirtschaft

Exportverbote: Fragliche Wirkung auf Lebensmittelpreise

ez/pd
am
15.03.2013

Halle/Saale - Exportverbote sind zum Schutz vor Lebensmittelpreisinflation fraglich. Zu diesem Schluss kommt das IAMO-Institut. Es empfiehlt, Handelsbeschränkungen auf multilateraler Ebene zu regeln.

Die Agrarökonomen Dr. Linde Götz, Ivan Djuric und Professor Thomas Glauben haben untersucht, welche Auswirkungen das Exportverbot in Serbien auf die inländischen Preisentwicklungen für Weizen, Mehl und Brot hatte und ob bestimmte Akteure von diesen politischen Marktinterventionen profitiert haben. Die Studie fand im Rahmen des neuesten Policy Briefs des Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) statt.
 
Das Ergebnis: Exportkontrollen haben eine höchst fragliche Wirklung als Instrument zum Schutz vor Nahrungsmittelpreisinflation. Denn in Serbien sind die Brotpreise nach dem Exportverbot sogar um 50 Prozent gestiegen.

Serbien 2007/08: Weizenpreis steigt nach Exportverbot über Weltmarktniveau

Als kleines Weizen exportierendes Land in Südosteuropa beliefert Serbien hauptsächlich die regionalen Weizenmärkte in den angrenzenden Ländern. Überraschenderweise sind jedoch während des Exportverbots in Serbien (2007/08) die Weizen-, Mehl- und Brotpreise angestiegen, berichten die Wissenschaftler. Der mehrfache Aufkauf von Weizen durch die Regierung, um die Weizenvorräte aufzufüllen, sowie die Beschränkung des Imports von Weizen mittels einer Importsteuer haben den inländischen Weizenpreis sogar über das Niveau des Weltmarktpreises ansteigen lassen.
 
Aufgrund steigender Preisentwicklungen auf den Weltagrarmärkten hatten in den Jahren 2008 bis 2010 weltweit neun Länder den Export von Weizen beschränkt. Neben den großen Exportländern wie Argentinien, Kasachstan, Russland und der Ukraine sprach sich auch Serbien, ein EU Beitrittskandidat, für ein Weizenexportverbot aus.

Zwischenhändler statt Verbraucher profitieren

Die IAMO-Wissenschaftler folgern, dass das Exportverbot keine dämpfende Wirkung auf die serbischen Mehl- und Brotpreise hatte. Im Gegenteil, der Preis für Brot habe sich auf dem inländischen Markt sogar um über 50 Prozent erhöht.
 
Diese Preisentwicklungen lassen sich nicht mit steigenden Produktionskosten, also den Kosten von Weizen, Arbeit und Energie, erklären. Die große Mühlen- und Backindustrie war von den hohen aktuellen Marktpreisen (Kassapreisen) von Weizen gar nicht betroffen, da diese über eigene Getreidelager verfügen und Weizen nur während der Ernte zu niedrigeren Preisen aufkaufen. Die Mühlen und Bäckereien haben die hohen Kassapreise jedoch geschickt genutzt, um Preissteigerungen bei Mehl und Brot zu begründen und durchzusetzen.
 
Von den Exportbeschränkungen in Serbien haben demnach nicht die Verbraucher, sondern die Akteure auf den Zwischenstufen der Wertschöpfungskette profitiert.
IAMO: Exportbeschränkungen besser über WTO regeln

"Insgesamt hat unsere Analyse gezeigt, dass die Exportkontrollen als Instrument zum Schutz vor Nahrungsmittelpreisinflation insbesondere bei Brot höchst fraglich sind. Infolge der weitreichenden globalen Konsequenzen von Exportbeschränkungen und zugleich geringer Effektivität sollte deren Einsatz auf multilateraler Ebene im Rahmen der World Trade Organization (WTO) geregelt werden", so IAMO-Wissenschaftlerin Linde Götz.

Angestrebte Ziele von Handelsbeschränkungen

Exportbeschränkungen sind staatliche Instrumente zum Schutz vor hohen Weltmarktpreisen, die das Angebot auf dem inländischen Markt erhöhen und das inländische Preisniveau, beziehungsweise die Nahrungsmittelpreisinflation dämpfen sollen. Ziel von Exportkontrollen ist es, die inländischen Agrarpreise von den Preisänderungen auf den internationalen Märkten abzukoppeln, um die Konsumenten vor hohen Nahrungsmittelausgaben zu schützen.
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