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Schulbildung

Falsche Informationen zur Landwirtschaft in Schulbüchern - Was tun?

Kinder im Unterricht
am Mittwoch, 28.04.2021 - 15:45 (4 Kommentare)

Schulbücher und Unterrichtsblätter sollen Bildung vermitteln. Gerade im Bereich Landwirtschaft tun sie aber mit falschen oder verzerrten Informationen oft das Gegenteil. Eltern fühlen sich oft hilflos. Doch es gibt Möglichkeiten, zu reagieren.

"Hallo Mädels, was sagt Ihr zu diesem Text?", schreibt am 17. April ein Mitglied unserer agrarfrauen-Community auf Facebook. Dazu stellt sie ein Foto einer Schulbuchseite zum Thema Milch. Der Artikel heißt "Was Du über Milch wissen solltest", stammt aus dem Buch "3 x 90 Minuten – Hauswirtschaft" vom Verlag an der Ruhr und wurde in einer 7. Realschulklasse im Unterricht verwendet.

Der Inhalt liest sich unter anderem so: "Schließlich sind wir die einzigen Lebewesen, die noch im hohen Alter Milch trinken [...] Dass dies gesundheitliche Folgen hat, haben Wissenschaftler längst bewiesen."

Und dann folgt eine Aufzählung, die direkt bei Peta abgeschrieben sein könnte und es vielleicht auch ist: Übersäuerung, Kalziumentzug, Östrogenüberversorgung, Allergien, Akne, Neurodermitis, Asthma, Krebs ... im Grunde ist Milch laut diesem Text für jede Zivilisationskrankheit verantwortlich. Und natürlich nehmen wir sie den Kälbern weg, die nur wenige Stunden nach der Geburt Milch trinken dürfen und dann nicht mehr.

Solche Statements sind aus Tierrechtlerkreisen bekannt. Dass sie aber in Schulen als Lehrmaterial auftauchen, lässt viele Eltern aus der Landwirtschaft ratlos und wütend zurück. 

Fertige Unterrichtsmaterialien für eilige Lehrer

Das Buch, aus dem der oben zitierte Text stammt, gehört zu einer Reihe, die Lehrern vorbereitete Unterrichtsmaterialien und fertige Kopiervorlagen bieten. Diese sollen – so der Verlag – dem Nutzer Arbeit und Zeit ersparen und helfen, den Unterricht abwechslungsreich und motivierend zu gestalten. Und genau da liegt die Crux: wenn Lehrer nämlich solche Unterrichtsmittel übernehmen, ohne sie inhaltlich zu überprüfen.

Gegen diese Vorgehensweise kann und sollte man Widerspruch einlegen. Wir geben Ihnen ein paar Tipps, wohin Sie sich wenden können.

Immer erst mit der Lehrkraft reden!

Erster Ansprechpartner sollte immer die betreffende Lehrkraft sein. Mit dem Lehrer oder der Lehrerin lässt sich möglicherweise schnell und unkompliziert klären, warum diese Materialien eingesetzt wurden und was künftig verändert werden kann. Solange die Nutzung von Fehlinformationen im Unterricht nicht ideologische Gründe hat, haben Sie gute Chancen, in einem freundlichen Gespräch etwas zu erreichen.

Tipp: Bringen Sie zum Gespräch Texte, Fotos und Videos vor, die zeigen, dass die Informationen in den Lehrmaterialien unrichtig sind.

Tipp: Suchen Sie sich Unterstützung bei anderen Eltern. Führen Sie das Gespräch in Ruhe. Bitten Sie um schriftliche Bestätigung, dass die betreffenden Materialien nicht mehr in der bisherigen Art und Weise verwendet werden. 

Tipp: Wenn Sie beim Lehrer nicht weiterkommen, bitten Sie die Schulleitung und die Elternvertretung um ein Gespräch. Auch hier gilt: bei allem Ärger – ruhig bleiben!

Hier finden Sie behördliche Unterstützung

Falls Sie in der Schule selbst kein Gehör finden, können Sie sich – möglichst mit Unterstützung anderer Eltern und/oder Ihres Verbandes – an die vorgesetzte Schulbehörde wenden. Für die einzelnen Bundesländern helfen Ihnen folgende Links

Tipp: Bereiten Sie Material vor, das die Fehlinformationen im jeweiligen Schulbuch/Unterrichtsmaterial belegt. Fragen Sie, ob das Buch vom Landesbildungsministerium oder der Schulaufsichtsbehörde empfohlen wurde und wenn ja, warum. In vielen Fällen stammen fragwürdige Unterrichtsmaterialien nämlich von NGOs, die die Lehrer direkt kontaktieren. Hier lohnt es, auf die einseitige Beeinflussung der Kinder hinzuweisen, die in den meisten Schulgesetzen der Länder untersagt ist.

Hilfe bei den Verbänden und in sozialen Medien suchen

Holen Sie sich Unterstützung bei Ihrem Bauern- oder Landfrauenverband. Das kann sowohl die Ortsgruppe sein als auch der Kreis- oder Landesverband. An wen Sie sich am besten wenden sollten, hängt auch davon ab, wie weit verbreitet das entsprechende Schulbuch oder das Unterrichtsblatt ist. Manche Materialien werden nur an einzelnen Schulen genutzt, andere bundesweit in hoher Auflage.

Um festzustellen, was in Ihrem Fall zutrifft, können die sozialen Medien hilfreich sein. Eine gute Anlaufstelle sind Landwirtschaftsgruppen auf Facebook wie die agrarfrauen-Gruppe. So erfahren Sie auch, ob es vielleicht bereits Proteste gegen die Falschinformationen gibt.

Tipp: Machen Sie von den betreffenden Buchseiten Fotos oder Scans, damit Sie das Material bei einer Beschwerde mitsenden können. Wichtig ist auch der korrekte Buchname, der Verlag und das Erscheinungsjahr. Gerade letzteres kann entscheidend sein, wenn Inhalte erst kürzlich geändert wurden.

Den Verlag anschreiben und um Korrektur bitten

Eine weitere Anlaufstelle ist der herausgebende Verlag selbst. Die jeweiligen Ansprechpartner finden Sie im Internet. Auch hier ist wichtig, dass Sie Belege parat haben, was im betreffenden Buch falsch ist und wie die Wirklichkeit aussieht. Einige unserer Leser berichten, dass sie in solchen Fällen Gehör gefunden haben und in der Folgeauflage die Fehler oder Falschdarstellungen eliminiert wurden.

Tipp: Es kann bei Verlagskontakten sehr hilfreich sein, auch andere Eltern zu mobilisieren, damit die sich ebenfalls mit ihrer Beschwerde an den Schulbuchverlag wenden. Vermeiden Sie aber lieber konzertierte Aktionen. Die werden schnell als Lobbyaktion missverstanden.

Verbesserte Nauauflagen haben nachhaltige Wirkung

Auch der information.medien.agrar e.V. (i.m.a) bietet Unterstützung in Fällen von fehlerhaftem oder diskriminierendem Schulmaterial.

Wenn Fehler an den i.m.a gemeldet werden, bemühen sich die Mitarbeiter um klärende Gespräche beim jeweiligen Herausgeber des Buches. Sie bieten den Schulbuchverlagen und deren Autoren Unterstützung bei der Recherche und der Fehlerkorrektur an. So sollen Falschdarstellungen in Neuauflagen verschwinden. Auf seiner Website bittet der i.m.a, falsche Darstellungen zum Thema Landwirtschaft in Schulbüchern oder anderen Lernmaterialien zu melden und dabei den Titel des Buches, den Verlag und am besten auch die ISBN-Nummer, die sich im Impressum der Drucksache findet, anzugeben.

Tipp: Die Einflussnahme des i.m.a ist eher auf eine mittelfristige Veränderung gerichtet. Um bereits im Umlauf befindliche Materialien möglichst schnell aus dem Verkehr ziehen zu lassen, wenden Sie sich zunächst an die Schule oder die Behörden. Um aber eine nachhaltige Verbesserung der Bildungsinhalte über Landwirtschaft zu erreichen, ist der Ansatz über korrigierte Neuauflagen sehr wichtig.

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