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Politik international

FAO fordert Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft

von , am
12.07.2011

Rom - Die FAO hält einen Paradigmenwechsel in der Agrarproduktion für unumgänglich, damit diese weiter wachsen kann.

Die FAO will eine Mehrproduktion auf gleicher Fläche, wo aber die Ressourcen erhalten bleiben. © FAO/Eddie Gerald
Die Agrarbranche müsse lernen zu sparen, denn ein einfaches "Weiter so" sei keine Option, betont die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in einem vergangenen Monat erschienenen Leitfaden für Entscheidungsträger. Als erstes strategisches Ziel wird die "Intensivierung des nachhaltigen Pflanzenbaus" (SCPI) ausgegeben. Darunter versteht die FAO eine Mehrproduktion auf gleicher Fläche, bei der die Ressourcen erhalten bleiben und negative Umwelteinflüsse reduziert werden. Gleichzeitig erteilt die Weltorganisation dem "derzeitigen Paradigma eines intensiven Ackerbaus" eine Absage. Dies werde den Aufgaben dieses Jahrhunderts nicht gerecht.

Zurück zu den Wurzeln

Um zu wachsen, müsse die Landwirtschaft lernen die natürlichen Ressourcen zu erhalten, denn die bisherige Bewirtschaftungsweise habe der Umwelt Schaden zugefügt, betont die FAO. Als Beispiele hierfür nennt sie Waldrodung, den Ausstoß von Treibhausgasen und Nitratverschmutzung von Gewässern. Im Einzelnen zielt SCPI darauf ab, eine größere Arten- und Sortenvielfalt anzubauen, und zwar verbunden mit einer stärkeren Flächenrotation und einer breiteren Fruchtfolge. Darüber hinaus will die FAO auf dem Acker geeignete Hochertragssorten und Saatgut mit hoher Qualität bevorzugt sehen. Zudem soll die Behandlung von Schädlingen, Krankheiten und Beikräutern ganzheitlich sein. Gleichzeitig müsse das Wassermanagement effizienter werden. Schließlich erfordere die Umsetzung der SCPI, die Bodengesundheit zu erhalten, um die Pflanzenernährung zu verbessern. Die Landwirtschaft müsse buchstäblich wieder zurück zu ihren Wurzeln und die Bedeutung der Böden wiedererkennen, fordert die FAO.

Bodengesundheit verbessern

Die Politik sollte die Landwirte zu einer konservierenden Anbauweise ermutigen, denn davon würden die Böden profitieren, empfiehlt die FAO. Daneben sei Agroforstwirtschaft, also der Anbau mehrjähriger Hölzer und einjähriger Nutzpflanzen, förderlich. Die derzeit bestehenden Anreize zur mechanischen Bodenbearbeitung und für die "verschwenderische Nutzung von Düngemitteln" hätten hingegen negative Effekte und gehörten abgeschafft. Im Gegenzug sollten neue Anreize für die Tiefendüngung von Harnstoff und eine standortbezogene Ausbringung geschaffen werden. Dies führe zu einem intakten Bodensystem und das sei wiederum ein Baustein für ein gesundes Agrar- und Ökosystem, unterstreicht die FAO. Sie weist in ihrer Studie darauf hin, dass ein derartiges System die "erste Verteidigungslinie" gegen Pflanzenkrankheiten sei und somit helfen könne, den Herbizideinsatz zu reduzieren.
 
Landwirtschaft muss sich lohnen
 
Obwohl die FAO keine allgemeingültige Empfehlung gibt, stellt sie doch einige Möglichkeiten zur Unterstützung von SCPI dar. Um vor allem bäuerliche Kleinbetriebe zu ermutigen, die neuen Leitlinien anzuwenden, ist laut FAO eine fundamentale Änderung der Politik nötig. Dabei macht sie deutlich, dass Landwirtschaft sich lohnen müsse. Vor allem die Preise von Düngemitteln und Saatgut seien oftmals für kleine Betriebe kaum erschwinglich. Dieses Problem werde in den Entwicklungsländern häufig durch eine Abhängigkeit vom Handel verschärft. Gleichzeitig müssten Bauern angemessene Preise für ihre Produkte bekommen, fordert die FAO.
 
Darüber hinaus sollte die Politik Anreize für den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen entwickeln, beispielsweise Zahlungen für Umweltleistungen. Zudem seien die Transaktionskosten für die Beschaffung eines Kredits in vielen Ländern und besonders für kleine Betriebe zu hoch. Diese sollten gesenkt werden, da das Geld dringend für Investitionen benötigt werde, verlangt die FAO. Ferner fehlten in vielen Ländern Gesetze, die die Landwirte davor schützten, gefälschtes Saatgut zu kaufen. Schließlich müssten Investitionen für Forschung in Entwicklungsländern und für den Technologietransfer dorthin getätigt werden.
 
Subventionen überprüfen
 
In ihrem Bericht fordert die FAO auch die Überprüfung der bestehenden Subventionen, da sich viele Fördergelder negativ auf die natürlichen Ressourcen und die Biodiversität auswirkten. Diese Zahlungen müssten vermieden werden, da sie neben dem negativen Einfluss auf die Umwelt teilweise ineffizient seien und demnach auf zweierlei Art eine Geldverschwendung darstellten. Weltweit belaufe sich die Summe auf 500 Milliarden Dollar (344,5 Milliarden Euro) bis 1,5 Billionen Dollar (1 Billion Euro) pro Jahr. Einige Länder seien bei der Überprüfung und Kürzung der Hilfen bereits mit positivem Beispiel vorangegangen. Dabei verweist die FAO auf Neuseeland mit seinem Subventionsabbau in den achtziger Jahren. In Brasilien sei die Viehhaltung im Amazonasgebiet reduziert worden und die Philippinen hätten die Düngersubventionen abgeschafft.
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