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Ernährung und Gesundheit

FAO-Nahrungsmittelindex auf neuem Höchststand

aiz
am
04.03.2011

Rom - Weltweit haben die Nahrungsmittelpreise im Februar 2011 zum achten Mal in Folge zugelegt. Der FAO-Nahrungsmittelindex erreichte den höchsten Wert seit seinem Start Anfang der 90er Jahre.

Im Vergleich zum Vormonat kletterte der FAO-Nahrungsmittelindex um 2,2 Prozent auf 236 Punkte. Alle beobachteten Lebensmittelpreise - außer Zucker - stiegen deutlich an, gab die in Rom ansässige UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) laut APA bekannt.
Die FAO erwartet für dieses Jahr eine weitere Verknappung des weltweiten Getreideangebots aufgrund steigender Nachfrage und eines Rückgangs der weltweiten Produktion im Jahr 2010. "Unerwartete Ölpreis-Steigerungen könnten die prekäre Situation auf den Nahrungsmittelmärkten noch weiter verschärfen", so David Hallam, Direktor der Handel- und Marktabteilung bei der FAO.

Getreidepreisindex auf höchsten Stand seit Juli 2008

Der Getreidepreisindex der FAO, der Weizen, Reis und Mais abdeckt, legte im Februar im Vergleich zum Vormonat um 3,7 Prozent auf 254 Punkte zu und damit auf den höchsten Wert seit Juli 2008. Für 2011 erwartet die UN-Organisation einen Anstieg der globalen Weizenproduktion um drei Prozent. Der Milchpreisindex stieg um vier Prozent auf 230 Punkte und der Fleischindex erhöhte sich um zwei Prozent auf 169 Punkte. Einzig der Zuckerindex blieb nahezu unverändert und verlor zwei Punkte auf einen Wert von 418.

Attac: Spekulation mit Agrarrohstoffen begrenzen

Das globalisierungskritische Netzwerk "Attac" fordert angesichts der global steigenden Nahrungsmittelpreise wirksame Maßnahmen gegen Spekulation bei agrarischen Rohstoffen und Lebensmitteln. "Finanzmarktregulierung, Agrarpolitik und Handelspolitik - das sind die drei Bereiche an denen angesetzt werden muss, um eine kostendeckende Produktion für Bauern und leistbare Lebensmittel für Konsumenten zu ermöglichen", erklärte Alexandra Strickner von Attac Österreich.
In der Agrarpolitik sei in einem ersten Schritt der umfassende Ausbau öffentlicher Lager unumgänglich, um schwankende Preise aufgrund Angebotsengpässen einzudämmen. In Ländern des Südens müssten die Produktionskapazitäten lokaler und bäuerlicher Produzenten, die für den lokalen Markt produzieren, gestärkt werden. Dafür brauche es Handelsregeln, die Kapazitäten zur Selbstversorgung nicht durch Dumping-Importe zerstören. Importzölle seien dafür ein wichtiges Instrument, so Strickner.

Agrarrohstoffhandel nur 'echten' Marktteilnehmern erlauben

"Da Spekulation auf Finanzmärkten ein entscheidender Preistreiber ist, müssen hier finanzpolitische Gegenmaßnahmen gesetzt werden. Erst die Deregulierung der Finanz- und Agrarmärkte hat die massiven Preisexplosionen ermöglicht. Attac fordert, den unkontrollierten außerbörslichen Handel ( "over the counter ") mit Derivaten generell zu verbieten. An den Börsen selbst müssen sowohl Derivate selbst als auch deren Händler einer Zulassungspflicht unterworfen werden. Lizenzen für den Handel mit agrarischen Rohstoffen sollen nur an jene Akteure vergeben werden, die mit dem physischen Grundgeschäft unmittelbar beteiligt sind. Der Eigenhandel der Banken mit Rohstoffderivaten ist zu untersagen ", forderte Strickner.Um zu verhindern, dass es für Finanzinvestoren lohnend ist, selbst als Händler aufzutreten und ihre Profite zu maximieren, ist aus Sicht von Attac langfristig eine demokratische Preisregulierung mit Preiskorridoren und Interventionsmöglichkeiten - etwa im Rahmen der UNO, aber auch auf nationaler und EU-Ebene - anzustreben.
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