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Ernährung und Gesundheit

FAO warnt vor weiter steigenden Nahrungspreisen

Dr. Olaf Zinke, agrarmanager
am
05.09.2012

Mit einem eindringlichen Appell hat die FAO dazu aufgefordert, die Nutzung von Getreide zur Herstellung von Biokraftstoffen für einige Zeit auszusetzen. Zweit weitere internationale Organisationen schlossen sich dem an.

Mit dieser Maßnahme will sie einen weiteren Anstieg der Agrar- und Nahrungsmittelpreise sowie Panik-Reaktion des Markes vermeiden.
 
Gleichzeitig fordern die internationalen Organisationen dazu auf, in einer gemeinsamen Anstrengung die Gefahr einer weltweiten Nahrungskrise wie vor fünf Jahren zu bannen. Damals hatte die hohen Preise einerseits Panikkäufe und anderseits Exportstopps zur Sicherung der eigenen Versorgung ausgelöst und damit die Verknappung des Angebotes und den weltweiten Preisanstieg noch angeheizt.

Aussetzung des Ethanolmandats

Bereits im letzten Monat hatte der Generaldirektor der FAO, Jose Graziano da Silva, für eine zeitweise Aussetzung des US-Mandates zur Herstellung von Bioethanol aus Mais plädiert. Zwar sind auch nach Einschätzung der FAO und anderer Organisationen Wetterextreme der Auslöser für den aktuellen und die bisherigen Preissprünge.
Dennoch deckt auch in Jahren mit guten Ernten die globale Produktion gerade so den Bedarf an Nahrungsmitteln, Futter und Bioenergie. Bei der derzeitigen engen Versorgungslage ist es deshalb notwendig, die Verwendung von Getreide zur Herstellung von Bioenergie zu überprüfen und an die Angebotssituation anzupassen.
 
Nach dieser Eischätzung sind der gewachsene Einsatz von Getreide außerhalb des Nahrungsmittelsektors sowie die Agrarspekulation die Haupttreiber für den rasanten Anstieg der Nahrungsmittelpreise und die hohe Preisvolatilität.

Unterschiedliche Meinungen in den USA

In den USA wird derzeit der sogenannte Erneuerbare Energie Standard (RFS) überprüft. Dabei geht es vor allem um die Verarbeitung von Mais zu Bioethanol. Derzeit werden nach US-Angaben fast 40 Prozent der Maisernte zu Bioethanol verarbeitet. Mittlerweile setzten sich auch US-Politiker - vor allem aus den Bundestaaten mit intensiver Tierproduktion - für eine Abschaffung oder Aussetzung des Ethanolmandates ein. Zahlreiche Analysten und Ökonomen warnen jedoch vor davor zu glauben, dass die Beseitigung des Ethanolmandates die Situation grundlegend verbessert. Vielmehr würde der US-Markt auch ohne die Beimischungspflicht eine ähnlich große Menge Ethanol aufnehmen.
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