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Wirtschaft

FEFAC: Getreidezölle sollen ausgesetzt bleiben

AgE
am
14.06.2011

Brüssel - Die europäischen Mischfutterhersteller fordern, die wichtigsten Importzölle für Getreide im neuen Wirtschaftsjahr auf Null zu belassen.

Die Mischfutterpreise haben erstmals seit Monaten spürbar nachgegeben. © Mühlhausen/landpixel
Die aktuellen außergewöhnlichen Marktumstände rechtfertigten das, erklärte der Präsident des Dachverbandes FEFAC, Patrick Van den Avenne, in Brügge anlässlich der Jahreshauptversammlung der Mitgliedsunternehmen. Alle jüngeren Expertendiskussionen auf EU-Ebene hätten einen starken Zusammenhang zwischen der Rentabilität der Schweinefleischerzeugung und den Futtermittelkosten hergestellt.
 
Die Verantwortlichen der EU müssten jetzt einsehen, dass die Schweinehalter nicht bis November 2011 auf eventuelle zusätzliche Marktmaßnahmen warten könnten, um über Futtergetreide zu wettbewerbsfähigen Preisen zu verfügen. Insbesondere geht es Vanden Avenne um die Fortführung der Zollerleichterungen für Futterweizen und -gerste mindestens bis zum Abschluss der Ernte in der EU. Andernfalls müssten zahlreiche Viehhalter und insbesondere schweinehaltende Betriebe dichtmachen, da sie die höheren Futtermittelkosten nicht an die Verbraucher weitergeben könnten. 

Gesamtproduktion auf 150 Mio t gestiegen

Ferner wurden auf der Vollversammlung die abschließenden Zahlen für die EU-Mischfutterproduktion 2010 präsentiert. Danach wurden insgesamt 150,0 Millionen Tonnen Mischfutter erzeugt; das waren 2,1 Millionen Tonnen oder 1,4 Prozent mehr als 2009. Der Rekord von 2008 wurde allerdings um 3,4 Millionen Tonnen unterschritten. Mit 50,9 Millionen Tonnen stellte erstmals Geflügelfutter den größten Posten. Die Produktion legte im Jahresvergleich um 3,0 Prozent zu.

Rückgang der Schweinefuttererzeugung

Auf dem zweiten Platz folgte Schweinefutter, dessen Aufkommen um 0,1 Prozent auf 49,7 Millionen Tonnen zurückging. Für Rinder wurden 39,0 Millionen Tonnen Futter gemixt, 1,0 Prozent mehr als 2009. Das Futterangebot für sonstige Tiere wurde um 3,6 Prozent auf 9,0 Millionen Tonnen aufgestockt, während die Herstellung von Milchaustauscher um 0,7 Prozent auf 1,5 Millionen Tonnen zurückging. In Deutschland belief sich die Gesamtproduktion auf 21,7 Millionen Tonnen, also 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon entfielen 9,3 Millionen Tonnen auf Schweinefutter, 6,0 Millionen Tonnen auf Rinderfutter und 5,5 Millionen Tonnen auf Geflügelfutter.

Entwicklung setzt sich 2011 fort

Als Schlüsselfaktoren für die Ausweitung der EU-Mischfuttererzeugung insgesamt macht FEFAC den Wirtschaftsaufschwung nach der Krise aus: Der Pro-Kopf-Fleischverbrauch in der Gemeinschaft sei gegenüber 2009 um 1 kg gestiegen, liege aber weiter um 3,5 kg unter dem Wert von 2008. Andererseits hätten die hohen Rohstoffkosten zu einer stagnierenden Nachfrage nach vorgefertigtem Mischfutter geführt, obwohl die Schweinefleischproduktion um zwei Prozent ausgeweitet worden sei. Für 2011 erwartet FEFAC eine stabile Mischfutterproduktion. Während die Erzeugung von Rinderfutter um zwei Prozent und die Nachfrage nach Geflügelfutter um 0,5 Prozent steigen dürfte, wird eine Verringerung des Schweinefutteraufkommens um weitere 1,5 Prozent vorhergesagt.

Trockenheit verknappt Grünfutter

Als wichtige Einflussfaktoren identifiziert der Branchenverband eine geringere Verfügbarkeit von Grünfutter und Getreide aufgrund der in Teilen Europas vorherrschenden Trockenheit sowie die andauernde Krise auf dem Schweinemarkt, die durch anziehende Getreidepreise verschärft werden dürfte. Ferner hoffen die Mischfutterhersteller auf die baldige praktische Anwendung der sogenannten technischen Lösung bei Spurenfunden von durch die EU nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in Importfuttermitteln aus Übersee. Bekanntlich soll künftig ein Schwellenwert von 0,1 Prozent plus Fehlertoleranz greifen; solange die Messungen unterhalb dieses Wertes bleiben, darf Ware importiert werden. Bislang sorgte eine absolute Nulltoleranz für Rechtsunsicherheit bei den Importeuren.
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