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Brandschutz

Feuerlöscher auf dem Hof: Es muss nicht immer der Pulverlöscher sein

Feuerwehrmann mit Feuerlöschern auf einem Feld
am Dienstag, 23.06.2020 - 05:00

Maschinen, Feld, Stall, Büro, PV-Anlage: Wenn ein Brand ausbricht, gilt es schnell zu handeln, aber auch richtig. Das rät der Experte im agrarheute-Interview.

Bricht auf dem Hof oder Feld ein Feuer aus, muss zunächst Ruhe bewahrt und ein Notruf abgesetzt werden. Sobald man selbst in Sicherheit ist und auch bleibt, kann man versuchen, einen Entstehungsbrand zu löschen. Bei der Wahl des Löschmittels ist die Brandklasse entscheidend. Hier wird unterschieden zwischen:

  • A: Feststoffe, z.B. Holz, Stroh, Kunststoff, Textilien
  • B: Flüssigkeiten, z.B. Benzin oder Ethanol
  • C: Gase, z.B. Wasserstoff, Methan
  • D: Metalle, z.B. Aluminium, Magnesium
  • F: Speiseöle und Speisefette

Zudem gibt die VdS Schadenverhütung GmbH, eine Tochter des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V., Empfehlungen für die Anzahl von Feuerlöschern je nach Raumgröße und Brandgefährdung (siehe Tabelle). Sie hält für die überwiegenden Anwendungsfälle in der Landwirtschaft Schaum- oder frostsichere Wasserlöscher für die geeignete Wahl. Doch hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Optionen mit ihren Vor- und Nachteilen.

Benedikt Mattern, Brandamtsrat und Fachbereichsleiter Brandschutz an der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried, erklärt im Interview, welche Feuerlöscher für welche Brände geeignet sind.

ABC-Löscher: Breites Wirkungsspektrum, aber auch Einsatzgrenzen

Benedikt Mattern ist Brandamtsrat und Fachbereichsleiter Brandschutz an der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried.

agrarheute: Am häufigsten sind Landwirte bzw. die Maschinen mit 6-kg-ABC-Löschern ausgestattet. Ist man damit auf der sicheren Seite?

Mattern: Mit einem ABC-Löscher haben Landwirte ein sehr breites Wirkungsspektrum und sind für die meisten Entstehungsbrände – vor allem im Außenbereich - gewappnet. ABC-Löscher sind Pulverlöscher und die Buchstaben stehen für die Brandklassen, also Feststoffe, Flüssigkeiten und Gase. Die Menge, nämlich 6 kg, setzt einem Löschversuch aber Grenzen. Und das Pulver kann auch Schaden anrichten, besonders im Innenbereich, z.B. bei einem Brand im Büro. Wenn Sie einen brennenden Mülleimer mit Pulver löschen, ist das Feuer ziemlich sicher sehr schnell aus, der Rest vom Raum muss allerdings allein aufgrund der Verschmutzung durch das Löschpulver gründlich renoviert werden. Ferner können empfindliche elektrische Geräte, z.B. ein Computer, irreparablen Schaden nehmen.

Um einen Eindruck vom Einsatz mit so einem Feuerlöscher und den Einsatzgrenzen zu bekommen, bieten übrigens private Firmen Feuerlöscher-Trainings an. Hier könnten sich zum Beispiel mehrere Landwirte zusammentun und ein Training buchen. Die Kosten hierfür halten sich gewöhnlich im Rahmen.

Feuer löschen: Pulver, Wasser oder CO2

Feuerlöscher nur bis 1.000 V elektrische Spannung

agrarheute: Welche Alternativen gibt es zum Pulverlöscher?

Mattern: Bei der Wahl des Feuerlöschers sollte man sich mit seiner Versicherung in Verbindung setzen und über deren Vorgaben informieren. Im Büro handelt es sich in den meisten Fällen um Feststoff-Brände, also Brandklasse A. Hier würde ich einen Wasserlöscher empfehlen.

Auch bei einem Maschinenbrand wird die Feuerwehr wahrscheinlich zunächst auf das Löschmittel Wasser – hier allerdings in großer Menge – setzen und erst wenn die Rauchentwicklung nicht mehr so stark ist an Brandnestern, z.B. an den Reifen oder am Motor, mit Schaum nachlöschen.

Bei elektrischen Anlagen ist Pulver ebenfalls weniger geeignet, da es sehr stark staubt und zudem schädigende Schmelzbeläge auf Anlagenteilen bilden kann. Hier setzt man meist auf CO2-Löscher, die den Brand ohne Rückstände ersticken. In der Landwirtschaft sind CO2-Löscher beispielsweise in Räumen mit Photovoltaik-Wechselrichtern ratsam, sofern diese ausreichend belüftet sind.

agrarheute: Bei Photovoltaik-Anlagen spielt die Elektrizität auch eine Rolle. Was gilt es hier zu beachten?

Mattern: Man muss neben der Brandklasse darauf achten, dass das Löschmittel für bestimmte Spannungen geeignet ist. CO2-Löscher sind hier wie gesagt ratsamer als Pulverlöscher – sofern die Vorgaben das zulassen. Für gewöhnlich steht auf dem Etikett von Feuerlöschern, dass man sie bis 1.000 V Wechselspannung bei einem Mindestabstand von 1 m einsetzen kann. Dieser Abstand von 1 m schließt die Eigengefährdung durch Elektrizität aus, aber man muss sich natürlich auch vor Feuer und Rauch schützen – dann kann größerer Abstand nötig sein.

Stallbrand: Wann und wie Tiere in Sicherheit gebracht werden können

Die nötigen Löschmitteleinheiten hängen von Raumgröße und Gefährdungspotenzial ab

agrarheute: Gibt es auch für Brände in Ställen Besonderheiten zu beachten?

Mattern: Bei einem Stallbrand ist ein Landwirt in der Regel wirklich in einer existentiellen Not. Die Meldekette ist: Ruhe bewahren, Notruf absetzen, in Sicherheit bringen und dann erst der Löschversuch. Vor einem Löschversuch steht hier also auch, die Tiere in Sicherheit zu bringen, sofern dadurch keine Menschen gefährdet werden. Auch die Feuerwehrleute werden natürlich versuchen, die Tiere zu retten und sind dabei auf Informationen vom Landwirt angewiesen: Anzahl und Art der Tiere, Haltungsform, alternative Unterkunft, etc. Für die Einsatzkräfte ist es entscheidend, ob Zuchtbullen oder Kälbchen gerettet werden sollen oder ob 1.000 Schweine auf die nächste Autobahn rennen könnten.

Zusätzlich zur Ausstattung mit Feuerlöschern kann es bei Ställen also hilfreich sein, wenn der Landwirt eine Art Notfallplan hat, wo die Tiere beim Ausbruch eines Feuers untergebracht werden könnten. Und auch für die örtlich zuständigen Feuerwehren ist der Brand in einem landwirtschaftlichen Betrieb alles andere als normal, gerade wenn es sich um einen größeren Stall handelt. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das Angebot einer Einsatzübung auf dem Hof als Vorbereitung auf den Ernstfall – der hoffentlich nie eintritt – auf offene Ohren bei den Feuerwehrkommandanten bzw. Wehrleitern stoßen würde.

Löschvermögen von Feuerlöschern in Löschmitteleinheiten

agrarheute: Kommen wir nochmal zum Maschinenbrand. Wie Sie schon gesagt haben, würde auch die Feuerwehr hier zunächst mit Wasser löschen. Es gibt neben dem klassischen Feuerlöscher mobile Löschanlagen, die an den Traktor montiert werden. Was halten Sie davon?

Mattern: Hier kann der Landwirt bzw. eher der Lohnunternehmer viel Wasser mit auf das Feld nehmen und ist mit der Löschmittelmenge gut aufgestellt. Aber man darf sich dadurch nicht in Sicherheit wähnen. An erster Stelle muss auch beim Einsatz solcher Anlagen die Befolgung der Meldekette stehen, also auch Sicherheitsabstand wahren. Das Löschwasser muss dann in geeigneter Menge und mit ausreichend Distanz zum Brand geworfen werden. Entsprechend müssen die Pumpe und der Schlauch passen. Man kann es also als Alternative zu einem tragbaren Feuerlöscher sehen, keinesfalls aber als Ersatz für die Feuerwehr.

agrarheute: Fassen wir zusammen: Je nach Brand stehen dem Landwirt also die Löschmittel Wasser, Schaum, Pulver und CO2 zur Verfügung – entscheidend ist die Brandklasse?

Mattern: Genau, für alles gibt es Löscher. Wichtig sind aber auch die Vorgaben des Arbeitsschutzes oder der Versicherungen. Die Löscher müssen bestimmte Brandklassen abdecken und ausreichend sogenannte Löschmitteleinheiten vorhalten. Diese lassen sich mithilfe der Informationen auf dem Etikett des Löschers feststellen. Steht dort zum Beispiel eine Löschleistung „27 A 144 B C“, dann bezeichnet die Zahl die Größe des abgelöschten Normbrandes und der Buchstabe die Brandklasse. Aus einer Tabelle des VdS lässt sich herauslesen, dass diese Kombination 9 Löschmitteleinheiten hätte und man 2 solche Löscher für ein 50 m² großes Holzlager bräuchte. Kurzum: Die Löschmitteleinheiten für die Brandklassen müssen abgedeckt sein – die Art und Anzahl der Feuerlöscher kann der Landwirt dabei meist selbst festlegen.