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Filmtipp "Alcarràs – Die letzte Ernte": Ein Film mit echten Landwirten

Pfirsichernte Spanien

Der Film „Alcarràs – Die letzte Ernte“ der spanischen Regisseurin Carla Simón ist ein heiterer Film, der aber auch nachdenklich stimmt. Er handelt davon, dass landwirtschaftliche Familienbetriebe und dörfliche Strukturen weniger werden. Bei der diesjährigen Berlinale gewann Alcarràs den Goldenen Bären und ist seit 11. August bei uns im Kinos zu sehen.

am Samstag, 03.09.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Familie Solés betreibt eine Pfirsichplantage in Katalonien. Eigentlich bestellen sie Land, das nicht ihnen gehört. Bekommen haben sie es aus Dank, von Freunden, denen Großvater Solés im Krieg Unterschlupf gewährte. Ein offizielles Papier hat es dazu nie gegeben.  

Das ist ungünstig, denn ein Enkel des Freundes kommt auf die Idee, aus der Plantage einen Solarpark zu machen. Vom grünen Strom verspricht er sich hohe Einnahmen.

Der Handschlag von damals gilt nicht mehr. Die Solés dürfen nur noch bis zur letzten Ernte bleiben, dann müssen sie Grund und Boden räumen.

Wenn der Satz „Wir müssen ernten“ fällt, kommt die Familie in Fahrt

Die Eltern, drei Geschwister und deren Familien unter einem Dach: Die Solés sind so, wie sich viele eine spanische Großfamilie vorstellen: chaotisch, unorganisiert, lebensfroh, temperamentvoll und voller Liebe. Sie sprechen durcheinander, arbeiten planlos und träumen unterschiedliche Träume. Zur Solarenergie hat jeder eine andere Einstellung.

Doch das Durcheinander bestimmt nicht immer den Alltag der Familie Solés. Sobald die Ernte ansteht und sich alle gemeinsam auf zur Pfirsichplantage machen, wird aus den vielen Individuen eine harmonische Familie.  

Wenn der Satz „Wir müssen ernten“ fällt, fühlen sich alle verpflichtet. Jeder kennt seine Aufgabe und weiß, was zu tun ist.

Es ist Tradition, dass die Großmutter während der Ernte Geschichten von früher erzählt. Die Erwachsenen zeigen den Kindern, welche Früchte reif genug sind, um sie zu ernten.

 

Darsteller sind keine Schauspieler, sondern echte Landwirte

Die Regisseurin Carla Simón legt viel Wert auf Authentizität. Deshalb hat sie keine Schauspieler gecastet, sondern Landwirte gefragt, ob sie im Film mitspielen möchten. So wirkt es kein bisschen gekünstelt, wie die Männer mit dem Traktor umgehen, Schnecken im Heu grillen, Zweige formen oder Pfirsiche ernten. Man sieht den Landwirten die Routine, den Spaß an der Arbeit und die Wertschätzung für ihre geernteten Pfirsiche an.

Carla Simón kostet den Moment aus, um die letzte Ernte noch einmal mit viel Atmosphäre zu feiern. Und dann ist die Zeit gekommen – die Bäume müssen den blauschwarz glitzernden Solarpaneele weichen.

Alcarràs ist ein Muss für Landwirte – und alle anderen auch

In Alcarràs fängt Carla Simón immer wieder große menschliche Momente ein, die im Gedächtnis bleiben. Für den Film erhielt Simón zu Recht den Goldenen Bären. Ein großartiger Film, für Landwirte, Kinofans und Normalos. Wir finden: unbedingt im Kino anschauen!

Mit Material von rbb Kultur

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