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Dokumentarfilm

Filmtipp: Der Bobo und der Bauer

Florian Klenk und Christian Bachler
am Freitag, 16.09.2022 - 12:25 (2 Kommentare)

Ein Wiener Journalist schimpft über einen Landwirt. Bergbauer Christian Bachler regt sich darüber auf. Aus dem Streit entsteht eine Freundschaft, die den Landwirt rettet. Aus der Dokumentation ist ein Kinofilm geworden, der jetzt in den bayerischen Kinos zu sehen ist.

Die Dokumentation „Der Bauer und der Bobo“ ist ein wichtiger und dabei amüsant erzählter Dokumentarfilm über eine ungewöhnliche Männerfreundschaft, der exemplarisch die Chancen und Schwierigkeiten moderner, nachhaltiger Landwirtschaft von kleinbäuerlichen Betrieben aufzeigt. 

Ab dem 29. September 2022 zeigt ihn der Filmverleih "24 Bilder" endlich auch in den deutschen Kinos.

Doku zeigt Herausforderungen von Kleinbauern

Der Streit beginnt mit einem Fernsehinterview. Florian Klenk, Chefredakteur der österreichischen Wochenzeitung Der Falter, lässt sich im TV über einen Landwirt aus. Klenk hatte Zustimmung bekundet, dass ein Bauer zu Schadenersatz verurteilt wurde, nachdem seine Kühe eine Touristin zu Tode getrampelt hatten, schreibt der Falter.

Der hat ja keine Ahnung, findet Bergbauer Christian Bachler und stellt seine Meinung auch online zur Debatte. Sein Angebot: Klenk solle einmal auf seinen Betrieb in der Obersteiermark kommen und ein Praktikum machen. Dann könne der Journalist selber erleben, wie hart die Arbeit eines Landwirts ist und mit welchen Problemen und Existenzängsten ein Landwirt heutzutage zu kämpfen habe.

Stadt trifft Land

Der Chefredakteur nimmt das Angebot an. Die Kamera begleitet die beiden sehr unterschiedlichen Männer: Bachler, bodenständig, in Hemd und Weste, trotz junger Jahre schon Sorgenfalten im Gesicht, und Klenk, smart, mit Siebentagebart und schickem Hemd. Im Gegenzug besucht Bachler die Falter-Redaktion in Wien und absolviert dort ebenfalls ein Praktikum. 

Aus dem Streit entsteht erst gegenseitiges Verständnis, dann eine Partnerschaft, aus der Freundschaft wird. Am Ende rettet die Geschichte Bachler sogar den Hof. Denn der Landwirt hat finanzielle Schwierigkeiten, kann dem wachsenden wirtschaftlichen Druck nichts mehr entgegensetzen. Als seinem Betrieb die Zwangsversteigerung droht, nutzt Klenk seinen Einfluss und die Reichweite seines Magazins: Er organisiert eine Crowdfunding-Kampagne, mit der genug Geld gesammelt wird, um Bachlers Hof zu retten.

Bachler dagegen verspricht, in Zukunft die Wünsche und Anregungen der Leute, die gespendet haben, ernst zu nehmen. Er will seinen Betrieb ab sofort stärker an den Wünschen der Verbraucher ausrichten. 

„Der Bauer und der Bobo“ wurde dieses Jahr auf dem NaturVision Filmfestival in Ludwigsburg mit dem Deutschen Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

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