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Wirtschaft

Finanzsituation der USA kann deutschen Agrarexport bremsen

AgE
am
05.07.2011

Münster/Bonn - Eine Abwertung des US-Dollars als Folge der steigenden Staatsverschuldung könnte die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Händler auf dem US-Markt schwächen.

Die deutschen Agrarexporteure müssen sich voraussichtlich auf eine Abwertung des US-Dollar in den nächsten Jahren und einem entsprechend härteren Stand im internationalen Geschäft einstellen. Wie der Konjunkturpolitikexperte Ferdinand Fichtner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) anlässlich des Business-Barbecues von German Meat und German Sweets  feststellte, sollten sich die Außenhändler darauf gefasst machen, dass im Vergleich zu den US-Anbietern ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit im Falle zunehmender Inflationsraten in den Vereinigten Staaten sinken werde.
 
Der Experte erwartet, dass die US-Notenbank in den nächsten Jahren deutlich erhöhte Inflationsraten zulassen wird, um die im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise aufgelaufenen Staatsschulden zu reduzieren. Als Folge könnte sich der Dollar-Wechselkurs zur Gemeinschaftswährung dauerhaft über der Marke von 1,50 Euro stabilisieren. "Der bequemste Weg aus hohen Schulden ist immer, Geld zu drucken und die Inflation anzukurbeln", sagte Fichtner. Im Gegensatz zu Griechenland könnten die USA über die Geldentwertung die Schulden in den Griff bekommen. Das Ergebnis sei eine weitere Abwertung des Dollar.
 
Staatsverschuldung der USA massiv gestiegen
 
Dem DIW-Abteilungsleiter zufolge ist die Staatsverschuldung der USA in den letzten Jahren massiv gestiegen. Die Schuldenstandsquote liege bei fast 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, so Fichtner. Das Problem liege darin, dass die Konjunkturpakete nur ein vorübergehendes Wachstum gebracht hätten, aber noch keinen selbsttragenden Aufschwung. Egbert Klokkers, Vorsitzender des German-Meat-Beirats, wies darauf hin, dass die deutsche Fleischbranche wegen der eher geringen Exporte in die USA weniger von einer Abwertung des Dollar betroffen sein dürfte als andere Branchen. Deutlich schwerer würde das Szenario aber die Süßwarenbranche treffen: "Die USA sind unser wichtigster Handelspartner außerhalb der Europäischen Union. Eine deutliche Abwertung würde zumindest kurzfristig zu einem Einbruch im USA-Geschäft führen", so der Vorsitzende von German Sweets, Willi Meier .
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