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Kommentar

Fipronil im Ei: Wahlkampfgeklingel ist keine Lösung

Dieser Artikel ist zuerst in der LAND & Forst erschienen.

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LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan © Philipp von Ditfurth
von , am
18.08.2017

Über Fipronil berichteten zahlreiche Redaktionen recht unaufgeregt. So viel hat die Politik noch nicht dazugelernt, findet LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan.

Es stimmt, unterm Strich gab es reichlich Medienberichte, die Verbraucherinnen und Verbraucher unnötig verunsicherten. Kampagnen-Organisationen und manchen Politikern gelang es wieder, mit ihrer Panikmache andere anzustecken.

Trotzdem: Redaktionen recherchierten intensiver als bei früheren Ereignissen zu den tatsächlichen Risiken der mit Fipronil belasteten Eier. Auch die Zuverlässigkeit ihrer Quellen betrachten sie offenbar genauer. „Warum die Aufregung um Fipronil-Eier übertrieben ist“ (Frankfurter Allgemeine) oder „Die Angst vor Fipronil ist schädlicher als das Zeug selbst“ (Die Welt) - solche Einschätzungen helfen den Erzeugern und der Branche auf den Märkten.

Verbotener Stoff gehört nicht in Lebensmittel

Klar ist aber auch, dass ein verbotener Stoff nicht in ein Lebensmittel gehört. Alle Landwirte, Tierhalter wie Ackerbauern, müssen sich auf ihre Dienstleister und Lieferanten verlassen können - und darauf, dass Behörden dort die Gesetze durchsetzen.

Was nun Stück für Stück zutage tritt, lässt daran wieder einmal Zweifel aufkommen. Zweifel, ob Informationen zwischen den Behörden benachbarter EU-Mitgliedsstaaten stets schnell genug fließen. Und Zweifel, ob es hierzulande Bund und Ländern jemals gelingen wird, Krisen ebenso wirksam wie reibungslos zu bewältigen.

Meyer gegen Schmidt, Schmidt gegen Meyer

Geradezu bizarr wirkt der Streit zwischen Niedersachsens Agrarminister und dem Bundeslandwirtschaftminister. Meyer warf Schmidt gleich am Anfang der Fipronilkrise vor, zu wenig für die Verbrauchersicherheit zu tun.

Schmidt konterte, Niedersachsen habe zu spät über positiv getestete Eier vom Mai informiert. Meyer erwidert, das Ei sei zwar vom Mai, nicht aber der Test.

Das mag den beiden wie guter Wahlkampf vorkommen. Ist es aber nicht. Schließlich ist dadurch vor allem eines klar geworden: In Niedersachsen waren schon vor Monaten belastete Eier im Umlauf, ohne dass es jemand merkte.

Christian Meyer fordert EU-Lebensmittelpolizei

Welche Konsequenzen wird das haben? Etwa die Gründung einer EU-Lebensmittelpolizei, die unangemeldet Betriebe kontrollieren darf? Das fordert Minister Meyer. Es würde jedoch kaum helfen. Denn es war gar keine Polizei nötig, um an belastete Eier zu kommen. Die lagen beim Laves schon seit Mai im Kühlschrank. Was erst Wochen später kam, war der Untersuchungsauftrag.

Gerade dieser Fall zeigt: Bevor neue Behörden geschaffen und Gesetze erlassen werden, wäre es angebracht, vorhandene Strukturen zu optimieren. Wahlkampfgeklingel stört nur, wenn es gilt, möglichst schnell zu den tatsächlichen Knackpunkten vorzudringen.

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