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Politik international

Fischer Boel: Ländliche Entwicklung ausbauen, Sicherheitsnetze erhalten

von , am
27.11.2009

Stockholm - Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU müsse auch nach 2013 dafür sorgen, dass die Landwirtschaft allen Anforderungen gerecht werden könne, wenn dies durch den Markt allein nicht mehr gewährleistet sei.

EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel © EU-Kommission

Dies sagte Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel in einer Rede gestern in Stockholm und nannte dafür drei Schlüsselinteressen.

Eines davon sei die Sicherung der Nahrungsproduktion. Angesichts der zunehmenden Weltbevölkerung werde in den kommenden 40 Jahren eine Steigerung der Erzeugung um 70 Prozent erforderlich sein. Dabei sei es wichtig, dass die Politik die landwirtschaftliche Produktionsbasis gegen Krisen und physische Schäden absichere, betonte Fischer Boel.

"Wenn wir zulassen, dass die weltweite Nahrungserzeugung zu stark auf einige wenige Schlüsselregionen konzentriert wird, ist unsere Versorgung sehr anfällig für schlechtes Wetter, Krankheiten und instabile politische Umfelder", sagte die Kommissarin.

Nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen

Zum anderen sei es Aufgabe der GAP, auf die Verwendung der natürlichen Ressourcen zu achten. Da rund 80 Prozent der EU-Flächen land- und forstwirtschaftlich genutzt würden, habe der Umgang mit den Böden eine deutliche Auswirkung auf Umwelt und Artenvielfalt. "Daher müssen wir darauf schauen, was mit unseren Bauern passiert", sagte Fischer Boel. Außerdem hätten im Zuge des Klimawandels auch die Landwirte ihre Treibhausgasemissionen einzudämmen.

Ländliche Entwicklung ausbauen

Als drittes Schlüsselinteresse nannte die Kommissarin eine bessere Entwicklung der ländlichen Regionen. Diese gehe über die reine Landwirtschaft hinaus, sagte Fischer Boel und führte als Beispiel die Bioenergie-Branche an. "Hier gibt es gemeinschaftliche Bedürfnisse, die wir auch nicht an den nationalen Grenzen aufteilen können", sagte sie. "Daher benötigen wir eine starke gemeinschaftliche Agrarpolitik. "

Direktzahlungen für flächendeckende Landwirtschaft nötig

So sollen ihrer Ansicht nach die Direktzahlungen nach 2013 weitergeführt werden, weil damit eine flächendeckende Erzeugung in der EU gewährleistet werden könne und nicht der Anbau auf einige wenige Regionen konzentriert werde. Entkoppelte Beihilfen unterstützen ihrer Ansicht nach die Landwirte bei der Nahrungssicherung, ohne sie von den Marktsignalen zu isolieren oder den Handel zu stören.

Intervention und Exporterstattungen als Sicherheitsnetze

Auch für Marktinstrumente wie Intervention und Exporterstattungen sieht Fischer Boel nach 2013 noch eine Zukunft. Allerdings sollten diese Maßnahmen lediglich als Sicherheitsnetz in Krisenzeiten dienen und nicht als ständige Einkommensstütze, meinte sie. Die Exporterstattungen sollen dann nach und nach auslaufen, während die Intervention eingeschränkt werden soll, um die Märkte weniger zu beeinflussen. Insgesamt solle nach 2013 ein größerer Teil der Zahlungen in die zweite GAP-Säule fließen, forderte sie. Die Gemeinsame Agrarpolitik habe eine wichtige Aufgabe und benötige eine entsprechende Mittelausstattung. "Wir haben Budgets, um Politik zu machen - und nicht anders herum ", sagte Fischer Boel laut Dow Jones News. (aiz)

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