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Ernährung und Gesundheit

Fleischboom in China und Indien

ez/pd
am
09.01.2014

Deutsche und Amerikaner essen weniger Schwein und Rind, während der Fleischkonsum in China und Indien mit zunehmendem Wohlstand wächst. Das zeigt der Fleischatlas 2014, der heute vorgelegt wurde.

Die Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique und der BUND haben heute den Fleischatlas 2014 vorgelegt. In dem Dokument geht es um den weltweiten Fleischkonsum und dessen Entwicklung. Der Bericht basiert in weiten Teilen auf Daten des Statistischen Bundesamt, der FAO und des USDA. 
 
Die Autoren des Fleischatlas rechnen damit, dass bis Mitte des Jahrhunderts jährlich etwa 470 Millionen Tonnen Fleisch (Plus 150 Millionen Tonnen im Vergleich zu heute) produziert werden.
 
Schwellenländer: Fleischkonsum steigt mit dem Wohlstand
 
Während der Fleischkonsum in den Industrieländern jedoch stagniere oder sogar zurückgehe, steige der Fleischverbrauch in Schwellenländern mit zunehmendem Wohlstand. Bis 2022 sollen rund 80 Prozent des Wachstums im Fleischsektor auf zumeist asiatische Länder entfallen - der größte Teil davon auf die neuen Mittelschichten in China und Indien. So sei der Fleischverbrauch in den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) von 2003 bis 2012 um 6,3 Prozent pro Jahr gestiegen, von 2013 bis 2022 wird mit weiteren 2,5 Prozent gerechnet.

Geflügelproduktion wächst am schnellsten

Nach Zahlen des Fleischatlas wächst - global gesehen - die Geflügelproduktion am schnellsten. Bis 2020 sollen weltweit 124 Millionen Tonnen Geflügelfleisch produziert werden, was einem Anstieg von 25 Prozent in zehn Jahren entspricht.
 
Am größten falle der Produktionszuwachs mit 37 Prozent im Vergleich zu 2010 in China aus, gefolgt von Brasilien (28 Prozent). Für die USA und die EU wird ein Wachstum von 16, beziehungsweise vier Prozent prognostiziert.

Indien drängt auf den Rindfleischmarkt

Die Rindfleischproduktion wachse hingegen kaum. Der größte Produzent bleiben laut Fleischatlas die USA, in anderen traditionellen Erzeugerregionen wie Brasilien, Kanada, Europa stagniere die Produktion oder gehe zurück. Marktanteil gewinnen könne hingegen Indien - dank Büffelfleisch. 25 Prozent des weltweit gehandelten Rindfleisches stamme mittlerweile vom Subkontinent.
Bei den Schweineschlachtungen steht Deutschland dem Fleischatlas zufolge mit jährlich 58 Millionen geschlachteten Tieren auf Platz eins der europäischen Spitzenproduzenten, bei Rindfleisch auf Platz zwei - hinter Frankreich. Bei Hühnern zähle Deutschland zu den Top 5.

Zahlen, hinterlegt mit viel Kritik

Zu lesen ist im Fleischatlas neben den Zahlen auch viel Kritik. Unter anderem geht es um negative Auswirkungen der Fleischproduktion auf die Umwelt, schlechte Arbeitsverhältnisse in Schlachthöfen und das angestrebte Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA.
 
Der BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung warnen vor einer möglichen Einfuhr hormonbehandelten Fleisches aus den USA. "Wir müssen verhindern, dass im Zuge des Freihandelsabkommens die hohen Standards, die wir bei Lebensmitteln in der EU haben, aufgeweicht werden", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.  
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