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Wirtschaft

Fleischbranche: Kein Tarif- aber einen Mindestlohn

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Anke Fritz, agrarheute
am
02.07.2013

Vechta - Die Fleischbranche hat sich auf einen bundesweiten Mindestlohn von 8,50 Euro geeinigt. Die Gewerkschaft fordert aber nach wie vor einen gesetzlichen Tarifvertrag.

Die Zustände in der deutschen Fleischindustrie sind derzeit Thema in den Medien. Ausbeutung, Hungerlöhne, Sozialdumping - das sind die Schlagworte. Am Montagmorgen kamen nun die Unternehmen der Fleischwirtschaft, die im Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland e.V. organisiert sind, auf Einladung des Vorstands in Vechta zusammen, um über die aktuelle Situation der Werkvertragsverhältnisse sowie der Wohnunterkünfte zu beraten.
 

Gewerkschaft äußert Unverständnis

Unter Vorsitz von Uwe Bartels Minister a.D. und Vorsitzender des Vereines einigten sich die Unternehmen auf einen flächendeckenden bundesweiten Mindestlohn von 8,50 Euro für alle Branchen. Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) hält diese Forderung für einen Schritt in die richtige Richtung. Problematisch sei aber, dass die Unternehmen der Fleischbranche eine gleichzeitige Abschaffung des Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AentG) fordern. Bei Matthias Brümmer, Geschäftsführer Gewerkschaft NGG ruft diese Forderung vor allem Unverständnis hervor. Auf telefonische Nachfrage von agrarheute.com erklärte er, wohin diese Forderung führe: "Würde man das Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AentG) abschaffen, würden Arbeiter in elf anderen Branchen, die bisher einen tarifliche vereinbarten Mindestlohn erhielten, auf 8,50 Euro fallen. Das wäre Lohnkürzung nach Gutsherrenart und Abbau von mühsam erkämpften Mindeststandards. Ich gehe davon aus, dass diese Forderung der Nervosität in der Fleischbranche geschuldet ist."

Fleischindustrie will keine Subunternehmer mehr

Bartels erklärte per Telefon, dass es lediglich um die Abschaffung einer Passage des Arbeitnehmer-Entsendegesetz gehe, nämlich um die Passage, die derzeit vorschreibt, dass rumänische und bulgarische Arbeiter nur über Subuntermehmen in den entsprechenden Ländern eingestellt werden dürfen. "Wir wollen die Subunternehmer rauskatapulieren, betonte Bartels gegenüber agrarheute.com. Die Einigung der Fleischbranche auf einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro sei für ihn ein "Riesenschritt". Ob es in Zukunft auch einen bundeseinheitlichen Tarifvertrag geben könnte, ließ Bartels offen - schloss es allerdings auch nicht kategorisch aus.  Die NGG fordert nach wie vor die Fleischindustrie auf, sich mit der NGG an einen Tisch zu setzen und einen bundeseinheitlichen Tarifvertrag zu vereinbaren, der dann in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AentG) aufgenommen wird.
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