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Umwelt

FNL-Forum: Wie die Produktivität nachhaltig steigern?

von , am
20.09.2013

Berlin - Wie kann die Produktivität nachhaltig gesteigert werden? Welche Faktoren sind dabei zu berücksichtigen? Über diese Fragen wurden beim "Berliner NachhaltigkeitsForum" der FNL diskutiert.

In der EU werden weniger als 1 Prozent der Agrarsubventionen investiert, um die negativen Auswirkungen auf die Umwelt abzumildern © Mühlhausen/landpixel
Wie kann eine nachhaltige Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft gelingen? Diese Frage wurde beim gleichnamigen Forum der Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) diskutiert. Knapp einhundert Vertreter der Landwirtschaft und Experten nutzten die Veranstaltung zum Dialog  über anstehende Herausforderungen zur Sicherung der Welternährung und den verantwortlichen Umgang mit den für die Landwirtschaft global zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Insgesamt war man sich einig, dass das Thema stärker in die Öffentlichkeit rücken müsse. Nötig, so die Meinung der Teilnehmer, sei die Produktivitätssteigerung sowohl im konventionellen, als auch im ökologischen Bereich. Angeregt diskutiert wurde jedoch über die Frage, inwieweit eine einseitige Fokussierung auf ökologische Faktoren dem Anspruch einer tatsächlich nachhaltigen Entwicklung gerecht werden könne.

Knappheiten nur durch Produktivitätssteigerung auszugleichen

FNL-Geschäftsführer Dr. Anton Kraus betont: "Die Zukunft unserer Landwirtschaft und der Nahrungsmittelproduktion baut natürlich darauf auf, dass sie mit den Ressourcen schonend umgeht, sozial verantwortlich handelt und die ökonomischen Grundlagen für Betriebe und Unternehmen dauerhaft sicherstellt."
 
Thomas Kirchberg, Mitglied des Vorstands der Südzucker AG, knüpfte in seinem Impulsvortrag an die Worte von  Kraus an und konkretisierte, dass die bestehenden Knappheiten beim Wasser oder fruchtbarem Land nur mit einer nachhaltigen Produktionssteigerung auszugleichen seien. Bezogen auf die Pflanzenproduktion würde dies bedeuten, je Hektar Ackerland, je Kilogramm Pflanzennährstoffe, je Liter Wasser oder je Megajoule eingesetzter Energie einen höheren Ertrag zu erwirtschaften als bisher. Abschließend formulierte er einen klaren Kommunikationsauftrag an die ganze Branche mit dem Ziel, den Nutzen der modernen Produktionsprozesse und des technischen Fortschritts für Verbraucher und Umwelt besser zu kommunizieren und zu erklären.

Projekte intensiver kommunizieren

Janina Bethscheider, Projektmanagerin am Institut für Nachhaltiges Management, griff den von ihrem Vorredner artikulierten Auftrag zu einer verbesserten Kommunikation direkt auf und betonte, dass der öffentliche, proaktive Dialog über eine nachhaltige Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft unabdingbar sei.
 
Dieser müsse hierbei sowohl inhaltlich als auch konzeptionell transparent und glaubwürdig erfolgen. Die Branche stehe in der Verantwortung, noch mehr als bisher ihre Initiativen und Projekte zur Nachhaltigkeit öffentlich intensiver zu kommunizieren.

Ökologische Landwirtschaft als Vorbild für alle?

Florian Schöne vom Naturschutzbund Deutschland e.V. pflichtete den Vorrednern hinsichtlich des Nutzens einer effizienten Landwirtschaft zum Schutz von Ressourcen, Umwelt und Klima bei. Allerdings differenzierte er bei der Produktivitätssteigerung der Landwirtschaft deutlich zwischen der aus seiner Sicht kritischen Intensivierung im konventionellen Anbau im Gegensatz zu einer positiven Intensivierung in der ökologischen Landwirtschaft. Diese könne eine herausgehobene Vorbildfunktion bei der Beantwortung vieler Fragen der globalen Ernährungssicherheit einnehmen.
 
Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, wollte diese Sichtweise nicht teilen und machte gleich zu Beginn seines Impulses deutlich, dass Nachhaltigkeit eben nicht nur mit dem Begriff "ökologisch" gleichzusetzen sei. Er nannte die Leistungen der deutschen Landwirtschaft der vergangenen Jahre als positives Beispiel für eine Steigerung der Leistung und Produktivität bei einer gleichzeitigen Reduzierung des Ressourcenbedarfs. Zukünftige Perspektiven würden die Nutzung neuer technischer Möglichkeiten etwa in der Informationstechnologie und in der Pflanzenzüchtung mit sich bringen.

Wirtschaftliche Umsetzbarkeit im Blick behalten

In der anschließenden Podiumsdiskussion vertieften die Impulsgeber unter Leitung der Moderatorin Ulrike Eberle ihre in den Vorträgen gelieferten Ideen und Anregungen. Die Runde ergänzte Clemens Neumann, Abteilungsleiter im Landwirtschaftsministerium, der noch einmal klar betonte, dass umweltbezogene und soziale Nachhaltigkeitskriterien in der Landwirtschaft nur dann langfristig flächendeckend einzuhalten seien, wenn die wirtschaftliche Umsetzbarkeit gegeben wäre.
 
Zum Abschluss der Veranstaltung fasste FNL-Geschäftsführer Anton Kraus die vorgebrachten Ideen und Anregungen noch einmal zusammen. Er betonte dabei, auch wenn es in der Schwerpunktsetzung zwischen den Diskutanten mitunter zu einer unterschiedlichen Priorisierung gekommen sei, dass man sich einig sei, dem Themenkomplex der nachhaltigen Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft einen breiteren Raum in der gesellschaftlichen Diskussion zukommen zu lassen. 

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