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Umwelt

Forschung: Freier Agrarhandel belastet das Klima

von , am
24.11.2011

Potsdam - Wie eine Computer-Simulation ergab, verbilligt eine vollständige Liberalisierung des Agrarhandels zwar die Nahrungsmittelproduktion, gefährdet aber Umwelt und Klima.

Das haben Computer-Simulationen für die Jahre 2005 bis 2045 durch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ergeben. Die Wissenschaftler unter Leitung von Hermann Lotze-Campen haben drei Szenarien durchgerechnet. Würde der Agrarhandel bis 2045 von allen Handelsschranken befreit, würden die Kosten der landwirtschaftlichen Produktion um rund ein Zehntel sinken. Zugleich stiege der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen aus der Landwirtschaft um 15 Prozent (%) gegenüber dem Szenario ohne Ausweitung des Handels.
 
Hauptursache wäre die Verlagerung der Produktion in die tropischen Regionen, wo Urwälder in Ackerflächen umgewandelt würden. In einem mittleren Szenario der Marktöffnung fiele die Verbilligung der Nahrungsmittelproduktion nur etwa halb so hoch aus wie bei einer völligen Befreiung. Dennoch würden die klimaschädlichen Emissionen um fast 10 % zunehmen. Größter Gewinner des Freihandelsszenarios wäre Lateinamerika durch den wachsenden Export von Getreide und Ölsaaten. Die Agrarausfuhren Nordamerikas und Europas wären rückläufig. China würde zum führenden Fleischexporteur aufsteigen.
 
Mehr Geld für Entwicklung besserer Anbaumethoden
 
Angesichts der Studienergebnisse fordern die Wissenschaftler, die Liberalisierung des Agrarhandels und den Klimaschutz in internationalen Verhandlungen nicht länger getrennt zu betrachten. Darüber könnte zum Beispiel auf dem nächsten UN-Weltklimagipfel gesprochen werden, der vom 28. November bis 9. Dezember 2011 im südafrikanischen Durban stattfindet. Nach Berechnungen der Forscher sind die Einsparungen in der Landwirtschaft durch die Handelsliberalisierung so groß, dass aus diesen Summen sehr gut Maßnahmen für den Klimaschutz bezahlt werden könnten. Wichtig sei auch, rasch deutlich mehr Geld in die Entwicklung besserer Anbaumethoden zu investieren.
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