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Umwelt

Forschung: Tiefpflügen fördert Anreicherung von Hummus

von , am
21.01.2014

Forscher entdecken die alte Bodenbearbeitungsart neu. Sie vermuten, dass sich Tiefpflügen positiv auf die Hummusspeicherung und Kohlenstoffbindung im Boden auswirkt.

Mit fast drei Meter hohen Riesenpflügen wurde im letzten Jahrhundert auf vielen Ackerböden Nordwestdeutschlands buchstäblich das Unterste zu Oberst gewendet. Damit sollten die Ressourcen der tieferen Bodenschichten für Pflanzen besser verfügbar gemacht werden. Seit den 70er Jahren ist diese Bodenbearbeitung aus der Mode gekommen. Doch nun hat das Thünen-Institut für Agrarklimaschutz das Tiefpflügen aus ganz anderen Gründen neu entdeckt.
 
Durch Tiefpflügen könne mehr organisches Material und damit Kohlenstoff über lange Zeit in den Böden gespeichert werden - Kohlenstoff, der sich sonst in Form von Treibhausgasen in der Atmosphäre negativ auf das Klima auswirken würde, heißt es von Seiten des Forschungsinstituts.
 

Gespeicherte Hummusmenge höher

Die Forscher prüfen verschiedene Optionen, wie man als Klimaschutzmaßnahme mehr Humus in landwirtschaftlich genutzten Böden speichern kann. Das Tiefpflügen könnte eine Option sein, denn Humus sei in tieferen Bodenschichten stabiler und werde langsamer abgebaut. Damit Humus gespeichert werden kann, muss er vor dem Abbau durch Mikroorganismen geschützt werden. Die Forscher vermuten, dass die Mikroorganismen in tieferen Bodenschichten schlechtere Lebensbedingungen haben und dadurch der Humus dort sicherer ist als an der Bodenoberfläche. Erste Ergebnisse von einem tiefgepflügten Standort in Salzgitter scheinen dies zu belegen. Die gespeicherte Humusmenge war fast 50 Jahre nach dem Tiefpflügen knapp 30 Prozent höher als auf der nicht tiefgepflügten Referenzfläche.
 

Proben von alten Standorten

Die Wissenschaftler haben zwei Dutzend Versuchsflächen zu Tiefpflügen ausfindig gemacht, die 40 bis 50 Jahre alt sind und die jetzt als normale Äcker bewirtschaftet werden. Oft konnten sich nur die Väter oder Großväter der jetzigen Landwirte daran erinnern, wie damals der Riesenpflug kam. Zwei Raupen mussten davor gespannt werden, um die Pflugschar 90 cm tief oder noch tiefer durch den Boden zu ziehen. Beim Aufgraben dieser Böden kann man auch Jahrzehnte später noch genau erkennen, wie tief der Pflug reichte und die ehemalige Ackerkrume als schräge Streifen in die Tiefe versenkte. Rund 2.800 Proben wollen die Wissenschaftler in den nächsten Monaten an 20 Standorten in ganz Deutschland nehmen und analysieren.
 

Effekte auf Boden und Ernte?

Die Forscher am Thünen-Institut erhoffen sich dadurch mehr Klarheit, ob die gezielte Anreicherung von Humus in Unterböden ein lohnender Beitrag der Landwirtschaft zum Klimaschutz sein kann. Dann müsste geklärt werden, welche Effekte das tiefe Pflügen auf andere Bodenfunktionen und den Ernteertrag hat. Auch stellt sich die Frage nach negativen Auswirkungen der schweren Bearbeitungsgeräte auf das Bodengefüge. Immerhin, die Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft hat den Weinbergsboden zum Boden des Jahres 2014 erklärt. Charakteristisch für diesen seltenen Bodentyp: Er wird mit Pflug oder Spatenfräse sehr tief bearbeitet.
 
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