Login
Politik international

Frankreich: Nahrungsmittel- an Rohstoffpreise koppeln?

von , am
01.03.2011

Paris - Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire hat den Vorschlag des Bauernverbandes FNSEA begrüßt, die Preise für Ernährungsgüter an die Notierungen für Agrarrohstoffe zu koppeln.

Das gute Konsumklima verbesserte sich im Januar 2014 weiter. © Mühlhausen/landpixel
Der für den Groß- und Einzelhandel zuständige Dachverband (FCD) äußerte hingegen erhebliche Bedenken. Dessen Generalsekretär Jacques Creyssel erklärte im Anschluss an ein Gespräch mit Le Maire, die Vorstellung einer allgemeinen Indexierung halte er für eine antiökonomische Regelung. Deshalb habe er erhebliche Bedenken dagegen.
Der Handel und seine Lieferanten diskutieren Creyssel zufolge derzeit bereits in einer angespannten Situation über die neuen Jahresverträge, die am 1. März in Kraft treten sollen.
Während die Landwirte und Produzenten ihre Forderungen nach höheren Preisen mit den hohen Rohstoffpreisen begründen, versucht der Handel nach eigenen Angaben vorrangig, die Kaufkraft der Verbraucher zu schützen.

Le Maire: Außerordentlich interessanter Vorschlag

Le Maire nannte den Vorschlag des FNSEA, die Erzeugerpreise an die Entwicklung der Rohstoffnotierungen zu koppeln, außerordentlich interessant.Bei seinem Besuch der Internationalen Landwirtschaftsausstellung (SIA) in Paris stellte der Minister klar, es sei eine Frage von Gerechtigkeit, Ausgewogenheit und wirtschaftlicher Effizienz, die Produktionskosten der Landwirte unverzüglich an den Handel weiterzureichen, argumentierte Le Maire. Nach seinen Worten ist es nicht länger möglich, an einem System festzuhalten, bei dem die Produktionskosten steigen, die Preise an der Ladentheke des Großflächenhandels oder der Metzgereien sich jedoch nicht bewegen, während die Viehhalter "buchstäblich zugrunde gehen".
 

Handelsgruppe Carrefour gegen französischen Alleingang

FNSEA-Präsident Xavier Beulin hatte seinerseits angesichts der Probleme in der Landwirtschaft die Möglichkeit einer Kopplung der volatilen Rohstoffpreise an die Endprodukte angeregt, und zwar sowohl bei einer Entwicklung nach oben als auch nach unten. Beulin verwies in dem Zusammenhang auf die Fluggesellschaften, die Preisschwankungen bei Kerosin auf die Ticketpreise durchreichten.
Keine Einwände gegen eine Indexierung hatte Jean-René Buisson, Präsident des Dachverbandes der Ernährungsindustrie (ANIA). Weniger begeistert über den Vorschlag zeigte sich indes Pierre-Alexandre Teulié, Generalsekretär der Handelsgruppe Carrefour. Nach seinen Worten reagiert der Verbraucher unmittelbar auf jede Preiserhöhung, und in einem globalisierten Markt könne Frankreich nicht allein einen derartigen Weg einschlagen.
FNSEA-Präsident Beulin gab hingegen zu bedenken, es sei an der Zeit, dass dem Verbraucher bewusst werde, was er auf seinem Teller habe. Zugleich müsse er den Wert der Produktionsbedingungen anerkennen. Noch vor zehn Jahren habe der Durchschnittshaushalt in Frankreich 16 Prozent seines Einkommens für Ernährung ausgegeben; heute seien es nur noch elf Prozent, wobei der Wert der Agrarrohstoffe weniger als drei Prozent ausmache, argumentierte Beulin.
Auch interessant