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Interview zur Gleichstellung

Frauen in Männerberufen: Mehr Selbstvertrauen wagen!

Corteva-Geschäftsführerin Carin-Martina Tröltzsch
am Mittwoch, 11.12.2019 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Corteva Agriscience-Geschäftsführerin Dr. Carin-Martina Tröltzsch im Gespräch über Frauenkarrieren, Männerdomänen und den Mut, sich selbst mehr zuzutrauen.

Frau Dr. Tröltzsch, welche Rolle spielen Frauen in ihrem Unternehmen?

Wir beschäftigen zahlreiche Frauen. Darunter finden sich sowohl die eher „typischen Frauenberufe“ – beispielsweise im Marketing und in der Kommunikation – als auch technische Aufgaben und Führungspositionen, die man gern immer noch eher bei Männern verortet. In unserem Futtermittelanalyselabor in Buxtehude haben wir beispielsweise ein reines, international aufgestelltes Frauenteam.

Arbeiten Frauen anders als Männer?

Frauen haben oft ein umfänglicheres Denken, schauen mehr nach links und rechts. Männer arbeiten meist zielgerichteter. Trotzdem sollten wir nicht den Fehler machen, in zu engen Rollen zu denken. Auf vielen landwirtschaftlichen Familienbetrieben ist es bis heute selbstverständlich, dass sich die Söhne später um die Landtechnik kümmern und die Mädchen um die Buchführung. Das alles ist aber nicht festgeschrieben. In modernen Betrieben läuft es meist am besten, wenn alle gemeinsam entscheiden – auch über technische Investitionen. So kann jeder seine Stärken im Team ausspielen: unternehmerischen Mut oder umsichtiges Hinterfragen. Beides ist wichtig.

Sind Frauen zu zögerlich, beispielsweise, wenn es um unternehmerisches Denken geht?

Zahlreiche Beispiele zeigen, dass das keinesfalls generell so ist. Trotzdem kämpfen wir schon manchmal ganz schön gegen die anerzogenen Rollenbilder. Frauen stellen sich viel öfter selbst in Frage. Geht etwas schief, suchen sie den Fehler lange bei sich selbst, bevor sie einen neuen Versuch starten. Selbstreflexion ist gut und wichtig, darf aber nicht zum Hemmschuh werden.

Wie kann man das verändern?

Einen Entschluss zügig zu fassen und konsequent umzusetzen, kann man lernen. Durch Übung, aber auch durch eine spezielle Weiterbildung. Bildung und Fortbildung sind ohnehin ungeheuer wichtige Faktoren, wenn es um gleiche Chancen für Frauen im Berufsleben geht. Das haben wir aus einer internationalen Studie zur Rolle der Frauen in der Landwirtschaft erfahren, die Corteva 2018 erstellt hat.

Wer wurde für diese Studie denn befragt?

Es wurden Frauen in der Landwirtschaft interviewt. Die insgesamt 4.157 Teilnehmerinnen kamen aus 17 Ländern in Europa, Asien, Afrika, Nord- und Lateinamerika und aus allen Bereichen der Agrarproduktion. Auch aus Deutschland waren 135 Landwirtinnen dabei. In dieser Art und mit diesem Datenumfang war das eine Premiere.

Waren die Ergebnisse überraschend?

Vieles hat uns in seiner Eindeutigkeit überrascht, im Positiven wie im Negativen. Beispielsweise sind die Frauen überall auf der Welt stolz, in der Landwirtschaft zu arbeiten. Um die 90 Prozent haben so geantwortet, egal, auf welchem Kontinent. Andererseits haben nur sehr wenige das Gefühl, Männern gegenüber gleichgestellt zu sein. Natürlich gibt es da regionale Unterschiede. In Indien fühlen sich 78 Prozent der Frauen diskriminiert, in Deutschland sind es 56 Prozent und in den USA – dem Land mit dem niedrigsten Wert – immerhin noch 52 Prozent. Dabei geht es um Fragen wie Entscheidungsfreiheit, Bezahlung und Bildungsangebote. 

Und was wünschen sich die Frauen?

Vor allem bessere Bildungsmöglichkeiten, auch im akademischen Bereich. Und mehr Unterstützung, wenn sie sich gegen Diskriminierung und Übergriffe zur Wehr setzen. 

Erfolgreiche Männer sind oft besonders gute „Netzwerker“. Müssen Frauen sich besser organisieren?

Frauen sind oft kommunikativer, können dadurch gut zusammenarbeiten. Aber es fehlt gelegentlich an den notwendigen Strukturen. „Männernetzwerke“ gibt es meist schon über Generationen. Deswegen unterstützen wir das agrarfrauen-Projekt von agrarheute.

Sind Frauen zu leise, wenn es um ihre Leistungen geht?

Da ist schon was dran. Männer können oft einfach besser „trommeln“. Das sollten Frauen lernen. Aber auch in Führungspositionen kommt es heute mehr auf emotionale Fähigkeiten als auf puren autoritären Stil an. Das können Frauen durchaus nutzen.

Sie selbst sind Geschäftsführerin eines großen Unternehmens in einer typischen „Männerbranche“. War es schwer, dorthin zu gelangen?

Ich komme aus einer Familie, die mir extrem starken Rückhalt geboten hat. Das Geschlecht spielte dabei nie eine Rolle. Meine Eltern haben vor allem Wert auf eine gute Ausbildung gelegt und mich in jeder Hinsicht unterstützt. Natürlich habe ich mich mitunter auch durchbeißen müssen. Aber in der Summe war es für mich weder ein Vor- noch ein Nachteil, als Frau in einer Männerdomäne Karriere zu machen.

Das Interview führte agrarheute-Redakteurin Sabine Leopold.

 

Über Corteva Agriscience

Corteva Agriscience entstand im Juni 2019 durch eine Ausgründung aus dem Chemieunternehmen DowDuPont Inc. mit Sitz in den Vereinigten Staaten. Corteva beschäftigt sich ausschließlich mit Produkten für den landwirtschaftlichen Bereich. Eine der wichtigsten Marken ist die Saatgutsparte Pioneer.

Corteva Agriscience unterstützt als Hauptsponsor das agrarfrauen-Netzwerk von agrarheute.

Dr. Carin-Martina Tröltzsch leitet Corteva seit der Gründung als Geschäftsführerin. Vorher hat sie – national und international – umfangreiche Berufs- und Führungserfahrungen bei DowDuPont gesammelt.

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