Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Interview

Frauenbild in der Landwirtschaft: Das sagen Agrarfrauen dazu

Agrarfrauen
am Freitag, 28.02.2020 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

4 Generationen, 4 Sichtweisen, 4 Landwirtinnen im Interview über die Rolle von Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben.

Landwirtschaft ist nach wie vor eine Domäne der Männer. Kinder, Küche, Kälber – so klein war lange Zeit die Welt der Frauen, zumindest auf westdeutschen Familienbetrieben. Wie ist es heute um die Gleichstellung der Frau auf den Höfen bestellt?

Wir haben vier Landwirtinnen zu einem Runden Tisch nach Oberfranken eingeladen. Die vier Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein.

Astrid Hatzel hat schon zu DDR-Zeiten eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) in Thüringen geleitet und ist bis heute Leiterin einer Agrargenossenschaft. Irina Prem trägt Punkfrisur, fuhr mit dem Traktor zur Bauerndemo und ist Betriebsleiterin auf einem Milchviehhof in Niederbayern. Renate Benne hat 1983 einen schwäbischen Bauern geheiratet und steht kurz vor der Rente. Die Jüngste im Bunde ist Mona Ditterich. Sie wird bald den Hof der Eltern übernehmen.

Von 341.000 Frauen, die in der deutschen Landwirtschaft arbeiten, sind nur 10 Prozent in leitender Funktion tätig. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Hatzel: Meiner Meinung nach ist es so, dass ein Großteil der Frauen sagt: „Nein, die Verantwortung möchte ich nicht.“ Das gleiche Problem hatten wir damals schon in der DDR. Warum sind so wenig Frauen in Führungspositionen? Und es lag nicht immer daran, dass die Männer sie nicht gelassen haben. Ich bin ein erfüllter Parteibeschluss. Ich bin per Parteibeschluss an diese Stelle gesetzt worden. Ich wollte das eigentlich nicht. Eine Diskussion um eine Quote, das hat es damals schon bei uns gegeben.

Benne: Ich glaube, auch von den Ausbildungszahlen sind die Mädchen auf dem Vormarsch. Ich weiß das von unseren Auszubildenden. Die Hälfte der Klasse sind Mädchen. Heute ist auch nicht gesagt, wenn du drei Buben hast, dass einer den Hof übernimmt. Heute sind die Chancen 50:50.

Früher haben Frauen in den Betrieb eingeheiratet und dann oft ohne Lohn und finanzieller Absicherung auf dem Hof des Mannes mitgearbeitet. Wie ist das heute?

Prem: Also mein Mann bekommt auch nicht mehr als ich. Auch bei den betrieblichen Entscheidungen sind wir gleichwertig, aber ich habe das auch eingefordert. Ich habe gesagt, ich muss angestellt sein für die Rente und die Sozialversicherung. Wir haben notarielle Verträge, falls meinem Lebensgefährten etwas passiert. Ich habe eine Generalvollmacht sowohl bei der Bank als auch für den Betrieb. Ich kann den Betrieb weiterleiten bis unser gemeinsamer Sohn alt genug ist. Aber viele Frauen machen das nicht. Ich musste das schon einfordern. Von sich aus hätte mein Lebensgefährte das nicht gemacht.

Benne: Bei uns war es so, dass meinem Mann der Betrieb gehörte; mir gehörte nichts. Ich war auch nicht angestellt, ich war einfach da und habe angepackt, wo es nötig war. Wenn ich heute nur von der landwirtschaftlichen Rente leben müsste, dann wäre es schwierig.

Junge Frauen haben es oft schwer einen Ausbildungsbetrieb zu finden. Versteht ihr Landwirte, denen Jungen lieber als Mädchen sind? Die sagen, schwere körperliche Arbeiten können Jungen besser bewältigen.

Hatzel: Ich bin selber so ein Landwirt. Ich sag‘s ganz ehrlich: Habe ich ein Mädchen oder einen Jungen vor mir sitzen, nehme ich wahrscheinlich lieber den Jungen. Nicht weil ich denke, dass Mädchen schwanger werden, sondern weil Jungen einfach körperlich stärker sind. Aber wenn es um Tiere geht, haben Frauen zu 80 Prozent ein besseres Händchen.

Benne: Bei uns haben sich insgesamt nur zwei mal Mädchen beworben und die haben die Lehrstelle auch gekriegt. Aber mir ging es auch so: Man geht davon aus, dass manche Sachen zu schwer für sie sind. Oder beim Traktorfahren, da fragst du dich, ob die Mädchen das können mit den großen Maschinen? Aber dann können sie es doch. Ja, man hat da schon Vorbehalte.

Ditterich: Ich hatte keine Probleme, eine Lehrstelle zu finden. Mein Chef hat mich mit Kusshand genommen. Er hat aber bei manchen Arbeiten gesagt: „Das ist zu schwer.“ Ich hab ihm dann gesagt: „Ich schaff das schon.“ Irgendwann hat er mich dann einfach machen lassen. Aber bei einer Schulkollegin, da hat der Landwirt klipp und klar zu ihr gesagt: „Ich nehme lieber den Bub.“

Benne: Aber es gibt auch Kerle, die einen Hof daheim haben und von den Eltern gedrängt werden, Landwirtschaft zu lernen und dann kommen sie zu dir in die Lehre und haben null Bock.

Das ausführliche Interview lesen Sie in der agrarheute Märzausgabe (03/20).

Das agrarheute Magazin
Aktuelles Heft Juli 2020
Schnupper-Angebot Alle Aboangebote

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...