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Politik international

Freier Markt führte in Afrika zu mehr Hunger

von , am
19.02.2010

St. Paul/Oregon - Die Liberalisierung des Handels hat trotz bester Absichten in einigen afrikanischen Staaten mehr Schaden als Nutzen gebracht.

© Gail-Johnson/Fotolia

Laut einer neuen Studie führte der freie Markt zu einem Rückgang der Nahrungsmittelproduktion sowie zu mehr Armut und Hunger. Untersucht wurden etwa Gambia und die Elfenbeinküste, wo die Abhängigkeit vom Weltmarkt sehr hoch ist. Ein wenig besser - insbesondere in Krisenzeiten - ist die Situation in Mali, wo die Bevölkerung ihre traditionellen Essgewohnheiten beibehalten hat und nach wie vor große Teile ihrer Lebensmittelnachfrage aus der eigenen Erzeugung deckt. Diese Studie unterstützt somit auch die Forderung der heimischen und europäischen Agrarvertreter, die Ernährungssouveränität für jeden Staat fordern. Die Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel sind zu Beginn dieses Jahrzehnts rasant gestiegen. 2008 gipfelte das in einer Welternährungskrise.

Geringere Eigenversorgung und größere Abhängigkeit

In Regionen, in denen Menschen den größten Teil ihres Einkommens für Essen ausgeben müssen, kam es daraufhin zu Unruhen, besonders betroffen waren unter anderem einige Staaten Westafrikas. Viele davon waren in den letzten drei Jahrzehnten zunehmend abhängig von Importen geworden. Billiger Reis aus Südostasien, wo die Produktion in den 70er-Jahren stark industrialisiert wurde, sowie subventionierte Produkte aus Amerika und Europa hatten den Weltmarkt überschwemmt. Der Preis war daher bis zur Jahrtausendwende relativ niedrig und stabil. Erst als im Jahr 2008 die Preise explodierten - der Reispreis war innerhalb eines Jahres um ganze 100 Prozent gestiegen - wurde sichtbar, welch fatale Abhängigkeiten hier entstanden waren. Viele auf Import angewiesene Staaten sahen sich plötzlich mit Lebensmittelknappheit, Hunger und in der Folge politischen Krisen konfrontiert.

Marktreformen für ein besseres Leben

Wie es soweit kommen konnte, dass einzelne Staaten derartig bedürftig und abhängig geworden sind, haben die US-Forscher rund um William G. Moseley vom Macalester College in ihrer Studie, die in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen ist, nun näher untersucht. Exemplarisch haben sie dafür die wirtschaftliche und politische Entwicklung der letzten Jahrzehnte in Gambia, der Elfenbeinküste und von Mali analysiert. In allen Ländern gab es Mitte der 1980er Jahre größere Marktreformen. Der Handel sollte liberaler und offener werden, die Staaten sollten ein modernes marktorientiertes Wirtschaftsmodell nach westlichem Vorbild erhalten. (aiz)

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