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Wirtschaft

Freihandel zwischen EU und Kanada kommt

Hermann Krauß, agrarheute
am
19.10.2013

Brüssel - Die EU und Kanada haben sich am Freitag in Brüssel im Kern über ein Freihandelsabkommen geeinigt. Im Agrarbereich könnte der Deal zusätzlichen Druck auf den EU-Fleischmarkt erzeugen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der kanadische Premierminister Stephen Harper haben am Freitag eine Einigung über die Hauptpunkte eines Wirtschafts- und Handlesabkommens erzielt. Es ist das erste Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und einem G8-Staat. Es sei ein äußerst ehrgeiziges und weitreichendes Handelsabkommen von großer Bedeutung für Europas Wirtschaft, sagte Präsident Barroso. "Dieses Abkommen wird für Unternehmen in der EU und in Kanada neue Chancen eröffnen, indem es den Marktzugang für Waren und Dienstleistungen verbessert und neue Möglichkeiten für europäische Investoren schafft. Es wird die Basis sein, um stärker auf dem nordamerikanischen Markt Fuß zu fassen und so Wachstum in Europa anzukurbeln und neue Jobs zu schaffen."
 
Dieser politische Durchbruch sei die Grundlage, um die Verhandlungen fortzusetzen und die verbliebenen technischen Fragen zu lösen. Anschließend müssen der Ministerrat und das Europäische Parlament dem Abkommen noch zustimmen. Die EU-Kommission erwartet, dass durch das Abkommen die Wirtschaftsleistung der EU jährlich um rund 12 Milliarden Euro steigen wird. Insgesamt soll das Handelsvolumen zwischen der EU und Kanada um 23 Prozent oder geschätzte 26 Milliarden Euro anwachsen. In 2012 lag es bei 61,8 Milliarden Euro.

Sorge um den Fleischsektor

Das von der EU und Kanada angestrebte Freihandelsabkommen könnte zu zusätzlichen kanadischen Agrarexporten in die EU im Wert von umgerechnet rund 927 Millionen (Mio.) Euro führen, wenn es in Kraft tritt. Davon würden allein 428 Mio. Euro auf das Konto von Rindfleischexporten gehen, wie laut Agrarischen Informationszentrum (aiz) aus Verhandlungskreisen zu erfahren war. Eine andere Quelle bezifferte den Wert der möglichen Rind- und Schweinefleischlieferungen aus Kanada auf rund 713 Mio. Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte das Land dem Canadian Meat Council zufolge Rind-, Kalb- und Büffelfleisch für 5,7 Mio. Euro in die EU ausgeführt. Bislang sollen die kanadischen Agrarexporte in die EU bei rund 1,7 Mrd. Euro liegen.

Käse gegen Fleisch?

Copa-Präsident Albert Jan Maat begrüßt zwar das Entgegekommen der Kanadier bezüglich der EU-Qualitätsstandards, drückt aber seine ernsthaften Bedenken aufgrund der Fleischimporte aus. "Wir haben bei den Verhandlungen Fortschritte in manchen Bereichen gesehen, wie beispielsweise bei den EU-Produkten mit "Geschützter Geografischer Herkunft". Das ist ein wichtiger Schritt nach vorn. Es ist unser erster großer Handelspartner, der dieses System, wenngleich mit einigen Abstrichen, anerkennt. Auch der Verzicht auf den Einsatz von Wachstumshormonen ist gut. Ich bitte die EU-Parlamentarier und die Minister dringend, diesen Punkt in den finalen Beschluss aufzunehmen, so dass EU-Standards eingehalten werden. Dies ist für die EU-Schweinefleischindustrie von Bedeutung, die in letzter Zeit mit hohen Futtermittelpreisen und den neuen Tierschutzstandards zu kämpfen hatte," erklärt Maat. Des Weiteren begüßt Maat zwar den erleichterten Zugang von europäischen Käseprodukten nach Kanada, der Zugang kanadischen Schweine- und Rindfleischs auf den EU-Markt geht ihm allerdings zu weit. "Wir müssen sichergehen, dass es zu keinen Verwerfungen auf dem Fleischmarkt kommt," sagt Maat.

Streitpunkt Agrarexporte

Die Agrarexporte sind ein großer Hemmschuh in den Verhandlungen zwischen Brüssel und Ottawa gewesen, die im Mai 2009 begonnen hatten. Kanadas Wunsch nach höheren Rind- und Schweinefleischexporten in die EU wurde von den führenden europäischen Fleischproduzenten bekämpft. Auf der anderen Seite stellte sich das Land gegen das Begehren der Europäer, mehr Käse nach Übersee zu liefern. Kanada schützt seine heimische Molkereibranche bislang mit hohen Zöllen im Rahmen eines Lieferketten-Managementsystems.
 
Doch diese Hindernisse seien allesamt weitgehend überwunden, hieß es in den Verhandlungskreisen. Ottawa akzeptiere höhere Quoten für Käse aus der EU und die Staatengemeinschaft im gleichen Maße größere Fleischlieferungen aus Kanada. Dort müssten aber die Provinzen einer entsprechenden Vereinbarung noch zustimmen, meldet Dow Jones News.
 
In 2012 war Kanada der zwölftgrößte Handelspartner der EU. 1,8 Prozent der EU-Exporte gingen in das nordamerikanische Land. Basierend auf den Zahlen von 2011 war die EU andererseits, nach den USA, der zweitgrößte Handelspartner für Kanada. 10,4 Prozent der Exporte gingen über den Atlantik. Das Handelsvolumen zwischen der EU und Kanada lag 2012 bei  61,8 Milliarden Euro. Den Hauptpart machten Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte aus. 
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