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FrieslandCampina: Milchschwemme frisst Rekordausschüttung

Norbert Lehmann/agarmanager
am
03.03.2017

Eine deutlich höhere Milchanlieferung hat die Rekordausschüttung für 2016 verwässert. Umsatz und Ergebnis waren in einem turbulenten Jahr rückläufig.

Die Molkerei FrieslandCampina hat im vergangenen Jahr mit 371 Mio. Euro die höchste Gesamtausschüttung für ihre genossenschaftlichen Mitglieder seit der Fusion von Friesland und Campina Ende 2008 erwirtschaftet. Das Plus von 4,5 %, das über den Leistungszuschlag und Mitglieder-Obligationen an die rund 18.900 Mitglieder ging, wurde jedoch durch eine Ausweitung der Milchanlieferung um 7,1 % auf 10,77 Mrd. kg Milch verwässert. Das führte dazu, dass die ausgeschüttete Wertschöpfung je 100 kg Milch auf 3,44 Euro sank. Bei gleichbleibender Milchmenge hätte der Bonus laut FrieslandCampina 3,69 Euro je 100 kg Milch betragen.

Umsatz und Ergebnis sinken bei FrieslandCampina

Umsatz und Ergebnis der Molkerei sanken 2016 im Vergleich zum Vorjahr währungsbedingt. Der Umsatz ging um 1,9 % auf 11,0 Mrd. Euro zurück. Das Betriebsergebnis verschlechterte sich um 2,3 % auf 563 Mio. Euro. Vor Wechselkursauswirkungen wäre der Umsatz stabil geblieben und hätte das Betriebsergebnis zugelegt.

FrieslandCampina-Vorstandschef Roelof Joosten sprach bei der Jahrespressekonferenz in Amersfoort, Niederlande, heute von einem „turbulenten Jahr“. In Afrika und im Nahen Osten nahm die politische und wirtschaftliche Instabilität zu. Protektionismus kommt in Mode.

Das trifft FrieslandCampina, denn für die Gewinnentwicklung ist der steigende Absatz von wertschöpfungshaltigen Produkten in Asien entscheidend. Im Geschäft mit Verbraucherprodukten in Europa verbuchte das Unternehmen ohnehin erneut ein rückläufiges Betriebsergebnis. Basisprodukte konnten in der EU in der ersten Hälfte 2016 nur unter den Anschaffungs- und Herstellungskosten verkauft werden.

FrieslandCampina reguliert Milchanlieferung

Auf den starken Anstieg der Milchanlieferung der genossenschaftlichen Mitglieder reagierte FrieslandCampina voriges Jahr unter anderem mit einer Halbierung des Zukaufs von freier Milch auf weniger als 500 Mio. kg. In das neue Jahr startete das Unternehmen für seine niederländischen Mitglieder mit einem Bonus-Malus-System zur Steuerung der Milchmenge, das zum 1. März eingestellt wurde.

Die Unternehmensleitung rechnet nun für die Niederlande 2017 aufgrund der staatlichen Maßnahmen zur Reduktion des Phosphatüberschusses mit einem rückläufigen Milchaufkommen.

Für den weiteren Jahresverlauf prognostiziert FrieslandCampina, dass die Preis für Milchbasisprodukte voraussichtlich weiter um den Stand von Ende 2016 beziehungsweise Anfang 2017 schwanken werden. Der Umsatz soll steigen, obwohl das Unternehmen seine Fruchtsaft-Tochter Riedel mit einem Jahresumsatz von 125 Mio. Euro verkaufen möchte. Dazu dürfte in erster Linie die Übernahme des pakistanischen Milchverarbeiters Engro Foods mit einem Jahresumsatz von 450 Mio. Euro (2015) beitragen.

Eine Ergebnisprognose gab das Management nicht ab.

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