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Umwelt

Frustrierte Wolfsberater: Jetzt soll es Rechtssicherheit geben

© Dieter Schütz/pixelio.de
von , am
11.06.2015

Überlastung, Unklarheiten, wachsender finanzieller Aufwand: Wolfsberater kritisieren zunehmend ihre Arbeitsumstände. Das Umweltministerium Schleswig-Holstein diskutiert nun Verbesserungsmöglichkeiten.

Immer mehr Wolfsberater in Nordrhein-Westfalen und Niedersachen werfen das Handtuch, wie die Interessengemeinschaft "Sichere Weidewirtschaft" berichtet. Zwei sind namentlich bekannt, aber man geht von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus. Die Frustration ist groß, wie ein Wolfsberater dem NDR berichtet.
In Schleswig-Holstein beraten nun Beteiligte von Nutztierhaltern bis hin zum Naturschutz über Verbesserungen des Wolfsmanagements.

Die Frustration ist groß

Der Landwirt Christian Lohmeyer aus Niedersachsen gibt nach acht Monaten sein Amt als Wolfsberater auf. Er sei aus vielerlei Gründen frustriert, wie er dem NDR mitteilt. Die Situation habe sich grundlegend geändert. Mit der Anzahl der beobachteten Tiere wachse auch der finanzielle sowie zeitliche Aufwand. Der Jäger beklagt gegenüber dem NDR, dass er für sein Amt keine Kostenerstattung erhalte und nicht einmal versichert sei. Dafür erfolgen massive Angriffe auf seine Person im Internet.

Keine klaren Anweisungen: Versteckt sich das Ministerium hinter den Beratern?

Auch für den Umgang mit den Tieren gibt es keine klaren Vorgaben, so Lohmeyer. Was ist offiziell zu tun, wenn ein verletzter Wolf aufgefunden wird? Darf er das leidende Tier töten? Immer wieder werde er auch gefragt, was bei einer Begegnung mit dem Wolf zu tun sei. Den Rat des Ministeriums könne er nicht verantworten.
 
"Ich habe das Gefühl, das Ministerium versteckt sich hinter uns Wolfsberatern. Es muss klare Anweisungen geben - und jemanden, der für die Durchsetzung auch geradesteht", so Lohmeyer gegenüber dem NDR.

Runder Tisch zur Verbesserung des Wolfsmanagements

Doch aus Schleswig Holstein kommen Nachrichten, die Hoffnung machen. Ein Runder Tisch unter Leitung des Umweltministeriums soll das Wolfsmanagement in Schleswig-Holstein inhaltlich ergänzen und so an die neuen Umstände anpassen. Der wachsenden Anzahl an Wölfen muss Rechnung getragen werden, so Umweltminister Robert Habeck. Es soll ein möglichst breiter Grundkonsens gefunden werden.

Schwerpunkte

Den ersten Schwerpunkt der Gesprächsrunde stellen die Fragen der Finanzierung und der Entschädigung, der praktische und rechtliche Umgang mit Ausnahmen vom im Bundesnaturschutzgesetz verankerten Tötungsverbot von Wölfen sowie die Problematik des Gnadenschusses dar. Man arbeite "an rechtssicheren Lösungen, die flächendeckend einen pragmatischen Umgang mit der Situation innerhalb des bestehenden Rechtsrahmens ermöglichen", so Habeck.

Erste Veränderungen beschlossen

Erste organisatorische Veränderungen wurden bereits vorgestellt. Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) soll mit seinen Außenstellen als Anlaufstelle für Betroffene und Interessierte dienen. Darüber hinaus wird es die sogenannten Notfallpakete für Nutztierhalter bereitstellen. Die Wolfsbetreuer in Schleswig-Holstein werden künftig von einem hauptamtlichen Koordinator sowie einem Fachwissenschaftler unterstützt.

Wolfsichtungen: Der Wolf tappt in die Fotofalle

Wolf
Am 7. Januar 2015 begegnete einem Förster in der Nähe von Munster (Niedersachsen) ein achtköpfiges Wolfsrudel. Glücklicherweise hatte er seine Kamera dabei. © R. de Mol
Wolf
Im Juli 2014 konnte mit einer Fotofalle diese Aufnahme eines Wolfspaares im Landkreis Cuxhaven (Niedersachsen) gemacht werden. © Landesjägerschaft Niedersachsen / Olaf Kuball
Wolf
Bei diesem Fallen-Schnappschuss handelt es sich um einen Wolf aus dem Nieskyer Rudel. Es bewohnt das Gebiet im Landkreis Niesky in der Oberlausitz (Sachsen). 2014 sollen mindestens 4 Welpen geboren worden sein. © LUPUS/Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
Wolf
Im Juli 2014 wurden zwei Jährlinge des Nochtener Rudels abgelichtet. Das Rudel lebt vorwiegend im Tagebaugebiet Reichwalde in der Oberlausitz. Bei sogenannten Jährlingen handelt es sich um einjährige Jungtiere. © LUPUS/Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
Wolf
Einsamer Wolf? Eher nicht - dieser Grauhund stammt vom dem Nochtener Rudel aus der Oberlausitz. Er tappt Ende November 2014 in die Fotofalle. © LUPUS/Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
Wolf
7. März 2016: Im nördlichen Landkreis Starnberg ist letzte Woche am Montag ein Wolf fotografiert worden. Die Aufnahme stammt von einer routinemäßigen Kontrolle der automatischen Kamera. Das Tier weist dem Bayerischen Landesamt für Umwelt zufolge wolfstypische Merkmale hinsichtlich Färbung und Proportionen auf, die es eindeutig von einem Hund unterscheiden. Das Landesamt für Umwelt soll aktuell die Aufnahme auswerten. © BLU
Wolf
Anfang Mai 2016 fotografierte ein Autofahrer diesen Wolf. Es ist der erste Bildnachweis aus Baden-Württemberg. Der Grauhund wanderte auf der Baarhochmulde zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alp. © privat/FVA
Wolf
April 2016: Bei der Kontrolle einer Wildtier-Kamera im Nationalpark Bayerischer Wald (Landkreis Regen) wurde dieses Foto entdeckt. Die Aufnahme vom 17. April zeigt eindeutig einen Wolf: das Tier weist wolfstypische Merkmale hinsichtlich Färbung und Proportionen auf. © NPVBW
Wolf
Juli 2016: Im Raum Göhrde, Landkreis Lüchow-Dannenberg, konnte das neunte Wolfsrudel in Niedersachsen nachgewiesen werden. Seit dem Jahr 2015 war dort ein territoriales Paar bestätigt, nun gelang mittels Fotos der Nachweis von mindestens sechs Wolfswelpen. © Gerhard Stark/LJN
Wolfswelpen
September 2016: In der Ueckermünder Heide tappten diese drei Wolfswelpen in die Fotofalle. © Bundesforstbetrieb BImA/Jüttner
4 Wolfswelpen
August 2016: Auf der Naturerbe-Bundesfläche Lübtheener Heide nahm eine Fotofalle diesen Schnappschuss mit 4 Welpen auf. © BFB/Trave/BImA/N. Stier
Wolf mit Waschbär
Dezember 2016: Ein Spaziergänger fotografierte diesen Wolf mit Waschbär-Beute im Maul am Waldrand von Afferde bei Hameln. © Thomas Fietzek
Wölfe
Januar 2017: In der Kalißer Heide tappten diese fünf Wölfe in eine Fotofalle. Die Aufnahme bestätigt nun offiziell die Existenz eines weiteren Wolfsrudels in Mecklenburg-Vorpommern. © Forstamt Kaliß
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