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Wirtschaft

G20-Treffen: Das ist für Landwirte relevant

Externer Autor
am
07.11.2011

Cannes - Im kommenden Jahr sollen die WTO-Verhandlungen fortgesetzt werden. Darauf verständigten sich die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) auf ihrem Gipfeltreffen.

Die Arbeit in der Doha-Runde soll auf dem bisher Erreichten fußen. Zudem empfiehlt die G20, die Entwicklungskomponente auszubauen. Fragen der Lebensmittelsicherheit und der Energie in Entwicklungsländern sollen verstärkt von der Welthandelsorganisation (WTO) angegangen werden.
 
Vor allem EU-Kommissionpräsident Jose Manuel Barroso warnte in Cannes vor einem endgültigen Scheitern der Runde. Trotz der Präsidentschaftswahlen in den USA im kommenden Jahr dürften die WTO-Verhandlungen nicht brach liegen, forderte die EU und wurde dabei von den anderen Teilnehmern unterstützt. So auch von Chinas Präsidenten Hu Jintao, der in seiner Rede am G20-Gipfel für den freien Handel plädierte, protektionierten Warenflüssen und Investitionen eine Absage erklärte und ein Vorankommen in den Doha-Verhandlungen einforderte. Auch das Land der Mitte will seinen Beitrag dazu leisten, indem es jenen am wenigsten entwickelten Ländern, die mit China in diplomatischen Beziehungen stehen, 97 Prozent der Tarife für Exporte nach China erlässt. "Wir hoffen sehr, dass dieser Schritt zu einem früheren Verhandlungsabschluss der Doha-Runde beiträgt", so der chinesische Präsident.
 
Dennoch sieht die Tageszeitung "The Australian " wegen der Weigerung der USA und anderer wichtiger Akteure den Abschluss der Doha-Runde zu unterstützen, die Welthandelsorganisation in einer Notlage. Der G20-Gipfel solle versuchen, diese Sackgasse zu lösen um ein positives Signal für die Weltwirtschaft zu geben, heißt es weiter in dem Medienbericht. Das Datum für einen Abschluss der Doha-Runde fehlt allerdings in den Schlussfolgerungen der G20.

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G20-Gipfel: Positive Stimmen für neue Marktberichterstattung


Cannes - Die Information über Lagerbestände von wichtigen Agrarrohstoffen in der Welt soll besser werden, um Spekulationen mit Nahrungsmitteln zu vermeiden.


Die G20 lobte in ihrer Schlusserklärung ausdrücklich das kürzlich eingerichtete Agrarmarktinformationssystem AMIS bei der FAO in Rom. Weitere Schritte gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln bleiben auf dem Gipfeltreffen in Cannes dagegen umstritten.
 
Die EU-Kommission schlägt eine Transaktionssteuer für Warentermingeschäfte von 0,1 Prozent vor. Die besonders von Frankreich und Deutschland gewünschte Steuer wird von den USA und von Großbritannien abgelehnt. In den USA werden dagegen die Anlagen an Warenterminbörsen stärker als in der EU kontrolliert und in der Menge begrenzt, was aber bei anderen Teilnehmern des G20-Gipfeltreffens ebenfalls auf Ablehnung stieß.
 
Um die Transparenz auf den Agrarmärkten zu verbessern, hat die WTO den ersten AMIS-Bericht unter http://www.wto.org/english/tratop_e/agric_e/amis_report_01_e.pdf veröffentlicht. Die EU-Kommission stellt zukünftig regelmäßige Marktberichten unter http://ec.europa.eu/agriculture/cereals/index_en.htm ins Internet.
 
Agrardatenbank AMIS
 
Dieses neue System soll angebots- und nachfragerelevante Informationen über Mais, Weizen, Reis und Sojabohnen bündeln und so Preisschwankungen, Versorgungsengpässen und Hungerkrisen entgegenwirken. Die Arbeit an dem Projekt steht noch sehr am Anfang, ein Gründungstreffen fand erst im September statt. Viele Details müssen noch geregelt werden.
 
Unklar ist Dow Jones News zufolge in welchem Rhythmus AMIS künftig Daten veröffentlichen wird. Zudem wird noch diskutiert, ob die Zahlen dann herausgegeben werden sollen, wenn die globalen Produktionszyklen neue Einblicke in Produktion, Lagerbestände, Nachfrage, Ex- und Importe sinnvoll erscheinen lassen oder schlicht "nach Verfügbarkeit der Daten". Die Auswahl des Zahlenmaterials soll nach Auskunft von FAO-Getreideexperten und AMIS-Sekretär Abdolreza Abbassian den Verantwortlichen in den einzelnen Mitgliedstaaten obliegen. Sie sollen also darüber entscheiden können, ob sie offizielle Daten, Zahlen privatwirtschaftlicher Unternehmen oder eine Kombination aus beidem übermitteln. Das AMIS-Sekretariat werde diese Daten "unabhängig prüfen" und entscheiden, welche es nutzt und veröffentlicht - oder auch nicht.
 
Dem AMIS-Sekretariat gehören Fachleute aus neun Organisationen an, darunter die Weltbank, die FAO und die UN-Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung OECD.
 
Zusätzliche Mittel sollen nicht in das Projekt fließen: Alle beteiligten Staaten haben Wert darauf gelegt, dass kein zusätzliches Geld in die Hand genommen wird, berichtet Dow Jones News.
 
Zahlenübermittlung ist sensibler Bereich
 
Seit der Gründung des Projekts im September haben nach Aussagen Abbassians alle beteiligten Länder einen Ansprechpartner für das Projekt bestimmt, die zu den zweimal jährlich geplanten Treffen mit den Beteiligten aus den anderen Staaten reisen. Auch Staaten wie China und Russland, die als kritisch dem Projekt gegenüber gelten, hätten "Ansprechpartner bestimmt" und ihre Teilnahme zugesagt, sagt Abbassian. Dennoch bleibe es "eine Herausforderung", dass manche G20-Mitglieder der Übermittlung von strategisch sensiblem Zahlenmaterial zu Angebot und Nachfrage von Agrarrohstoffen kritisch gegenüber stehen, räumt er ein. Unklar ist zudem, ob die G20 es schaffen werden, weitere Länder ins Boot zu holen, die der Gemeinschaft zwar nicht angehören, aber für Angebot und Nachfrage an den internationalen Agrarmärkten so wichtig sind, dass sie dort für Bewegung sorgen können. Derzeit sollen sieben Länder auf der Wunschkandidatenliste stehen, darunter die Ukraine und Thailand. An diese Länder seien Anfragen verschickt worden, zwischen Vertretern der G20 und Offiziellen der Staaten sollen Gespräche stattgefunden haben. Zugesagt, heißt es weiter, habe "nach aktuellem Kenntnisstand" bislang allerdings noch keiner.
 
Klar ist dagegen inzwischen, dass AMIS eine eigene Webseite als Informationsportal online stellen wird, die voraussichtlich ab Dezember aktiv sein soll. Mit dem US-Agrarministerium USDA, dem Urheber der viel beachteten monatlichen "World Agricultural Supply and Demand Estimates", werde man eng zusammen arbeiten", so Abbassian. Und selbst das USDA habe kürzlich eingeräumt, dass bei seinen Statistiken Verbesserungsbedarf bestehe.
 
Aus Analystenkreisen wird das Projekt als Ergänzung zum Angebot des USDA begrüßt. Es werde schon länger kritisch betrachtet, dass der Blick auf die weltweiten Agrarmärkte stark vom USDA gelenkt werde, sagte ein Frankfurter Analyst im Gespräch mit Dow Jones News.
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