Login
Kommentar

Garzweiler: Demonstranten zerstören Äcker

Demonstarnten im Getreidefeld
am
24.06.2019
(5 Kommentare)

Sie wollen unser Klima retten und kämpfen für Nachhaltigkeit. Das eigene Verhalten der Demonstranten am Wochenende in Garzweiler passte allerdings so gar nicht zu ihren Forderungen. Ein Kommentar.

Am Wochenende wurde in Garzweiler demonstriert. Mehrere Hundert Menschen protestierten gegen den Braunkohleabbau. Dafür besetzten sie Bahngleise und drangen in den Tagebau ein, um die dortigen Abläufe zu blockieren.

Der Tagebaubetreiber RWE ließ die Demonstranten daraufhin zwecks Personalienermittlung von der Polizei abriegeln. Einkesseln nennt man das im Demo-Jargon.

In breiter Spur über die Äcker

Vor der Tagebaubesetzung waren die Aktionisten zu Hunderten über die Felder der umliegenden Landwirtschaftsbetriebe gelaufen. Ein Möhrenacker sah danach aus, als sei jemand mit einer mehrere Meter breiten Asphaltwalze darübergefahren. Auch Getreide- und Maisschläge wurden erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Vom hinterlassenen Müll ganz zu schweigen.

Polizei und Landwirte verbreiteten die Bilder der „Demoautobahnen“ im Netz. Und beklagten die Rücksichtslosigkeit der Protestierer.

Kein Verständnis für Ressourcenschutz

Die Reaktionen der Demonstrationsteilnehmer in den sozialen Netzwerken lesen sich wie ein Schlag ins Gesicht der betroffenen Landwirte. „Sorry, Deine Möhren sind nicht wichtiger als unser Klima“, twittert der Berliner Grünen-Abgeordnete Georg Kössler.

Andere fragen, ob den Bauern so ein bisschen Feld tatsächlich wichtiger sei, als das Überleben der Menschheit. Das Gejammer der Betroffenen sei mit Blick aufs große Ziel lächerlich.

Und "Ende Gelände Berlin" feiert sich selbst mit Fotos, die Hunderte Demonstranten beim Marsch durch Getreide-, Mais- und Kartoffelbestände zeigen. Man sollte meinen, dass Umweltschützer sich solcher Bilder schämen, aber von Unrechtsbewusstsein keine Spur.

Ablasshandel für fehlende Nachhaltigkeit?

Das Ende-Gelände-Bündnis rühmt sich stattdessen damit, die Schäden an landwirtschaftlichen Flächen zügig zu entschädigen. Tatsächlich hat die Aktion bei früheren Flurschäden gezahlt, aber nur nach eigenem Ermessen. Die wirklichen Verluste werden so nicht gedeckt.

Doch selbst, wenn das anders wäre: Ist das nicht genau das, was die Aktionisten beim CO2-Ausstoß beklagen? Nämlich, dass einfach Geld über den Tisch gereicht wird, um Umweltschäden zu kaschieren? Das ist Ablasshandel, der mit Nachhaltigkeit und Verständnis für Natur, Umwelt und Stoffkreisläufe nichts zu tun hat. Und diese Menschen, so behaupten sie, kämpfen für unser aller Zukunft?

Der eigene Hunger ist aber nicht egal

Dass ihnen Essen – zumindest das eigene – dann doch nicht so ganz egal ist, bewiesen die Garzweiler-Besetzer übrigens mit ihren Tweets aus der Polizeiabriegelung: Sie beklagten sich bitter, dass es nach einigen Stunden Eingeschlossensein noch keine angemessene Verpflegung gegeben habe. Gut, Getränke hatte die Polizei zweimal herangeschafft, aber inzwischen nagte der Hunger an den Protestierern.

Schere zwischen Fordern und Handeln

Tatsächlich steht Menschen in einem Polizeikessel rechtlich eine Versorgung zu. Und zwar unabhängig davon, ob sie zuvor widerrechtlich ein Gelände oder Gebäude betreten und sich selbst in diese Situation gebracht haben. Das ist in Ordnung, denn Nahrung ist ein Menschenrecht.

Aber dass Personen im selben Atemzug die Zerstörung von Lebensmitteln als belanglos und die betroffenen Erzeuger als Jammerlappen bezeichnen und dann wütend nach einer adäquaten Essensversorgung rufen, ist beschämend. Und es zeigt, wie wenig die Demonstranten ihr eigenes Handeln an ihren Forderungen messen.

 

Das agrarheute Magazin
Aktuelles Heft August 2019
Schnupper-Angebot Alle Aboangebote

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...
Auch interessant