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Umwelt

Gefährdete Schafrassen in Deutschland

von , am
18.03.2015

Einige Schafrassen sind trotz ihrer spezifischen Eigenschaften in Deutschland selten geworden. Hier stellen wir Ihnen einige der gefährdeten Rassen und ihre Merkmale vor:

Das Bentheimer Landschaf ist das älteste deutsche Moor- und Heideschaf. Durch seine harten, moderhinkefeste Klauen hat es eine gute Marschfähigkeit und eigenet sich daher bestens in diesen Gebieten. Muttertiere wiegen bei einer Wiederristhöhe von 65 bis 70 Zentimeter etwa 60 Kilo, Böcke sind fünf Zentimeter größer und wiegen 80 bis 90 Kilo.
 
Das Haarkleid der Bentheimer Landschafe ist reinweiß. Auffallend sind die dunkleren Partien um die Augen, Ohren und an den Beinen. Die Nase ist leicht geramst, der Schwanz lang und bewollt. Die Tiere zeichnen sich durch beste Muttereigenschaften und Säugeleistung aus. Die Brunst ist saisonal und das Ablammergebnis liegt bei 130 bis 150%. Die Fleischqualität ist hervorragend und die Jahreswollmenge beträgt bei Böcken vier bis fünf Kilo.
 
Das Bentheimer Landschaf wurde in der Grafschaft Bentheim und Lingen im Emsland gezüchtet und ist heute überwiegend in Niedersachsen und im Rheinland verbreitet. In der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) steht es in der sogenannten "Beobachtungspopulation" und gilt als gefährdet. 2013 waren 2.649 weibliche und 126 männliche Tiere im Herdbuch registriert. Der Anteil am deutschen Gesamtbestand beträgt weniger als 0,3%.

Karakulschaf

Das Deutsche Karakul ist ein Steppenschaf von mittlerer Größe, und wurde von der GEH zur gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2015 gewählt. Es kommt in den  Farbschlägen schwarz, grau und braun vor. Die Tiere haben einen länglichen, schmalen und etwas ramsnasigen Kopf und meistens Hängeohren. Böcke sind vorwiegend gehörnt und wiegen 60 bis 80 Kilo. Die Mutterschafe sind hornlos und wiegen 40 bis 60 Kilo. Die Brunst ist saisonal Das besondere der Schafrasse ist ihr Fettschwanz. Dieser ist ein begehrtes Nahrungsmittel bei Arabern und Juden.
 
Deutsche Karakul sind Pelzschafe. Die Lammfelle werden als soganannte "Persianer" vermarktet. Das Fell der Lämmer erzielte in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts höchste Preise in der Pelzindustrie. Sie sind anspruchslos, widerstandsfähig und langlebig. Sie sind gut angepasst an Steppen- und Halbwüstengebiete.
 
Das Karakulschaf hat eine über 4.500 Jahre alte Geschichte und stammt ursprünglich aus Westturkestan.  Über Usbekistan kam die Rasse nach Deutschland. Die Hochburg der Züchtung war das Tierzuchtinstitut der Universität Halle/Saale. Heute gibt es in Deutschland nur noch wenige Tiere. 2011 waren es deutschlandweit 273 Mutterschafe und 22 Böcke. Somit gilt das Deutsche Karakul in der Roten Liste der GEH als extrem gefährdet. 

Coburger Fuchsschaf

Das Coburger Fuchsschaf ist ein mittelgroßes, edles Schaf mit hornlosem, schmalem Kopf, der bis hinter die Ohren unbewollt ist. Mutterschafe wiegen 60 bis 85 Kilo, Böcke 85 bis 105 Kilo. Die Brunst ist saisonal.
 
Das Besondere an der Rasse ist seine Wolle. Die Lämmer haben bei der Geburt ein rotbraunes Vlies, welches im Alter von 6 bis 12 Monaten heller wird. In dem "Goldenen Vlies" befinden sich mehr oder weniger dunkle Fasern, was der Wolle bei der Verarbeitung ein interessantes Farbenspiel gibt. Das Fleisch der Coburger Fuchsschafe ist bei Feinschmeckern sehr geschätzt und lässt sich gut vermarkten.

Das Coburger Fuchsschaf ist eine alte Landrasse, die ursprünglich in vielen Mittelmeerregionen beheimatet war. Heute wird die Haltung der Rasse augrund seiner geringen Bestandsgrößen in Bayern und Niedersachsen finanziell unterstützt. 2013 gab es 3.731 weibliche und 202 männliche Tiere, die im Herdbuch eingetragen waren. Damit steht das Coburger Fuchsschaf auf der Vorwarnstufe der gefährdeten Schafrassen in der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen. 

Leineschaf

Das Leineschaf ist ein frohwüchsiges, marsch- und widerstandsfähiges Landschaf mit sehr guten Muttereigenschaften. Der Kopf ist unbewollt, lang und schmal. Die Ohren neigen zum Herabhängen.
Muttertiere wiegen zwischen 55 und 70 Kilo, Böcke 100 bis 115 Kilo. Das Leineschaf ist robust und sehr anpassungsfähig. Es verfügt über eine gute Aufzuchtleistung und kann als Koppel-und Hüteschaf gehalten werden. Die Brunst ist saisonal.
 
Das Leineschaf ist auf das schlichtwollige Rheinische Landschaf zurückzuführen. Es war ursrünglich im niedersächsischen Leinebergland zwischen Göttingen und Hannover sowie im Eichsfeld verbreitet. Von dem Verbreitungsgebiet entlang des Leineflusses wurde der Name abgeleitet.
 
In den 50er Jehren des letzten Jahrhunderts wurden etwa 1.500 Leineschafte nach Polen gebracht und blieben dort nahezu unverkreuzt. Dieser ursprüngliche Typ des Leineschafes ist heute überwiegend in Ostdeutschland verbreitet und gilt in der Roten Liste der GEH als extrem gefährdet. 2013 waren im Herdbuch 1.392 weibliche und 67 männliche Tiere eingetragen.

Brillenschaf

Das Brillenschaf ist ein mittelgroßes, kräftiges Schaf. Es hat einen stark geramsten Nasenrücken und lange, fleischige Hängeohren. Die Umgebung der Augen und ein Teil der Ohren sind schwarz.
Die Rasse ist robust und anspruchslos und hat eine gute Fruchtbarkeit. Die Milchleistung ist hoch und die Lämmer wachsen schnell. Die Brunst ist asaisonal. Mutterschafe wiegen 60 bis 70 Kilo bei einer Größe von 60 bis 70 Zentimetern. Böcke haben eine Größe von 70 bis 80 Zentimeter und wiegen 90 bis 100 Kilo.
 
Das Brillenschaf wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in Kärnten/Österreich gezüchtet. Es war vorübergehend außerordentlich geschätzt und kam Ende des 19. Jahrhunderts bis nach Oberbayern. Durch eine "Rassebereinigung" wurde es Ende der 30er Jahre nahezu ausgerottet. Heute ist es überwiegend in Süddeutschland verbreitet.
 
2013 gab es 683 weibliche und 44 männliche Tiere, die im Herdenbuch geführt wurden. In der Roten Liste der GEH gilt das Brillenschaf als extrem gefährdet.
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