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Umwelt

Gefahr durch Nutzungsaufgabe größer als durch Intensivierung

von , am
14.04.2010

Wien - "Der Artenreichtum unserer Landschaften und die hohe Biodiversität der Ökosysteme, sowohl in Österreich als auch in Europa, sind ein Produkt der aktiven nachhaltigen Landbewirtschaftung", sagte Gerhard Wlodkowski.

Ferner sagte der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich (LK): "Unsere Bauern sichern und garantieren die natürliche Vielfalt in allen Regionen des Landes. Gefahr für die Biodiversität entsteht jedoch dort, wo die Landnutzung aufgegeben wird. Denn die größten Verluste an Vielfalt in der Kulturlandschaft stehen heute im Zusammenhang mit Extensivierung und Nutzungsaufgabe beziehungsweise zunehmender Versiegelung durch Gebäude, Anlagen und Straßen. So beträgt der Verlust an landwirtschaftlicher Fläche in Österreich pro Tag zwölf Hektar", erklärte Wlodkowski zum Auftakt der "Woche der Landwirtschaft", die in ganz Österreich vom 25. April bis 02. Mai im Zeichen der Biodiversität stattfinden wird. "Aus den zuvor genannten Gründen liegt es nicht nur in der Verantwortung der Agrarpolitik, sondern ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, europaweit eine flächendeckende Landwirtschaft auch künftig abzusichern. Wir appellieren daher an die Politik, für die Zeit nach 2013 die Weichen in diesem Sinne richtig zu stellen", so Wlodkowski.

Artenvielfalt braucht Rahmenbedingungen

"Die Land- und Forstwirtschaft ist seit jeher daran interessiert und in ihrer Tätigkeit auch darauf ausgerichtet, die Artenvielfalt zu erhalten. Dies muss jedoch auch einen Niederschlag in den politischen Rahmenbedingungen haben. Wir verlangen daher, dass die Landwirtschaft weiterhin vorrangiges Ziel der EU-Politik bleibt, was bedeutet, dass das EU-Agrarbudget keineswegs gekürzt werden darf. Dies wollen auch, so zeigen jüngste Untersuchungen des Eurobarometer, 83 % der EU-Bevölkerung. Aus diesem Grund sind zudem die vielfältigen Möglichkeiten der Land- und Forstwirtschaft zur Sicherung von Wirtschaftswachstum und Schaffung von Arbeitsplätzen im Rahmen der Lissabon-Strategie ebenso anzuerkennen, wie ihre Bedeutung und ihre Leistungen für Natur und Umwelt. Denn in den Mitte März vom EU-Umweltministerrat beschlossenen Ratsschlussfolgerungen zur biologischen Vielfalt ist die Land- und Forstwirtschaft mit keinem Wort erwähnt. Hier gibt es dringenden Nachholbedarf", stellte Wlodkowski weiter fest.

Ziele realistisch fixieren

Die Europäische Kommission plant, noch in diesem Jahr eine EU-Strategie zur Biodiversität für die Zeit nach 2010 vorzulegen. Basis der bevorstehenden Diskussionen darüber ist ein Optionspapier (EK-Mitteilung für ein Biodiversitätskonzept und -ziel der EU für die Zeit nach 2010). "Eine Strategie für die Zeit nach 2010 muss jedenfalls den positiven Beitrag der Land- und Forstwirtschaft durch die Bereitstellung von Lebensmitteln unter Aufrechterhaltung von lebensfähigen ländlichen Räumen und dem gleichzeitigen Schutz der Biodiversität anerkennen", so Wlodkowski. "Für die LK Österreich ist es entscheidend, bei der Auswahl der vorgeschlagenen Optionen einen realistischen Ansatz zu wählen und Zielvorgaben festzulegen, die auch tatsächlich erreicht werden können. Es sollte der Fehler aus dem Jahr 2001, als sich die EU zum Ziel gesetzt hat, den Verlust der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 aufzuhalten, man jedoch erkennen musste, dass die Ziele unrealistisch hoch gesteckt wurden und die EU weit von einer Zielerreichung entfernt ist, für die nächste Periode nicht ein weiteres Mal begangen werden. Die internationale Akzeptanz von ambitionierten, aber dennoch erreichbaren EU-Zielen ist dann gegeben, wenn ein realistischer Ansatz gewählt und zugleich die Gefahr eines Imageschadens vermieden wird", so Wlodkowski deutlich.

Aufgabe der Landwirtschaft bedroht Biodiversität stärker als die Intensivierung

Wolfgang Holzner, Institutsleiter des Zentrums für Umwelt- und Naturschutz an der Universität für Bodenkultur, Wien, erläuterte den Zusammenhang zwischen der Erhaltung der Biodiversität und einer aktiven Landwirtschaft aus wissenschaftlicher Sicht: "Unsere größte Sorge heute ist nicht die Intensivierung, sondern eine zu starke Extensivierung, also Aufgabe der Landwirtschaft", betonte Holzner. Studien, die eine Intensivierung in unseren Breiten als grobes Problem darstellten, seien veraltet und aus den 80er-Jahren. Mittlerweile seien nicht mehr allzu hohe Spritzmittel- und Düngereinsätze ein Thema, sondern vielmehr der Rückzug aus der Agrarwirtschaft, was die Landschaften oftmals verbuschen lasse. Dies sei für Arten, die auf offene Bereiche angewiesen seien, eine erhebliche Gefahr. So nehme die Biodiversität auf Flächen, wie etwa Magerwiesen, nach der Nutzungsaufgabe oftmals nachweislich ab. (aiz)

 

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