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Katastrophenschutz und Rolle der Landwirtschaft

Gefahrenabwehr: Wer hilft bei Hochwasser, Blackout, Kriegsfall?

THW-Mitarbeiter trägt Sandsäcke zwischen Zelten
am Dienstag, 22.03.2022 - 10:00 (Jetzt kommentieren)

Der Ukraine-Krieg und die Corona-Pandemie verunsichern viele Menschen. Manche legen Notvorräte an oder bereiten sich auf den Ernstfall vor. Aber auch wer nicht mit dem Schlimmsten rechnet, fragt sich dieser Tage: Zivilschutz, Selbstschutz und Katastrophenschutz – wer hilft eigentlich, wenn bei uns flächendeckend die Lichter ausgehen? Wer kümmert sich, wenn durch eine Naturkatastrophe die Lebensmittelversorgung stockt? Wer ist als Erster vor Ort, wenn eine Flut ganze Landstriche verwüstet? Was, wenn sogar der Kriegsfall eintritt? Eines vorab: Bei vielen Notfalleinsätzen sind die Landwirte ganz vorn mit dabei.

Wenn eine Flut die Region verwüstet, Stürme die Stromversorgung kappen oder Lawinen die Supermärkte vom Nachschub abschneiden, greift in Deutschland ein ausgeklügeltes Hilfesystem. Das kam auch bei der Flutkatastrophe im Ahrtal vergangenen Sommer zum Einsatz und es würde auch im Kriegsfall aktiviert. Zivilschutz, Katastrophenschutz und Selbstschutz sind dabei drei wichtige Begriffe.

Was machen der Zivil- und der Katastrophenschutz?

Der Zivilschutz ist die Sammelbezeichnung für öffentliche und private Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung in einem Verteidigungsfall. Der Zivilschutz ist Teil der zivilen Verteidigung: Ihm kommt die Aufgabe zu, durch nichtmilitärische Maßnahmen vor allem die Bevölkerung vor Kriegseinwirkungen zu schützen und deren Folgen zu beseitigen und zu mildern. Er wird weltweit als humanitäre Aufgabe gesehen und genießt völkerrechtlich besonderen Schutz.

Der Katastrophenschutz hingegen greift bei Krisen nicht-militärischer Art, also bei allem anderen Fällen außer dem Kriegs- oder Verteidigungsfall. Hier sind die Bundesländer in Friedenszeiten für den Schutz vor und bei großen Unglücken und Katastrophen zuständig.

Zivil- und Katastrophenschutz arbeiten aber Hand in Hand. Beide ergänzen sich im Krisenfall und unterstützen einander – die vom Bund im Rahmen des Zivilschutzes bereitgestellten Ressourcen unterstützen die Bundesländer im Katastrophenschutz und die Bundesländer stellen dem Bund im Verteidigungsfall ebenso alle ihre Organisationen und Kräfte zur Verfügung.

Was sind Selbsthilfe und Selbstschutz?

Hochwasser auf der Autobahn bei Erftstadt, Einsatz von THW, Feuerwehr und Bundeswehr

Wie die Bewohner der von der Flutkatastrophe 2021 betroffenen Gebiete erleben mussten, können die Einsatzkräfte nicht überall gleichzeitig sein. Auch sind einige Gebiete vielleicht schlecht zu erreichen, sodass die Hilfe von Bund und Ländern erst verspätet eintrifft. In diesem Fall ist Selbsthilfe gefragt – oder Nachbarschaftshilfe, wie es 2021 im Ahrtal geschehen ist. Ganz vorne in der Reihe der Ersthelfer standen zahllose Bauern. Da die Landwirte viel schneller Zugriff auf schweres Gerät haben als die Katastrophenhilfen, konnten sie mit ihren Maschinen schnell, effizient und unbürokratisch überall dort helfen, wo es Not tat.

Grundsätzlich sollen Bürger die Zeit bis zum Eintreffen professioneller Hilfe überbrücken können – die sogenannte Selbsthilfe. Ziel ist es laut Bundesinnenministerium, über das richtige Verhalten in Gefahrenlagen sowie über Erste Hilfe Bescheid zu wissen und mindestens zehn Tage ohne Einkaufen und fließend Wasser zu überstehen.

Eine Liste mit praktischen Tipps und eine Checkliste für den richtigen Lebensmittelvorrat finden Sie weiter unten im Text.

Der Selbstschutz dagegen ist Aufgabe der Gemeinden. Sie sollen die Bevölkerung, Betriebe und Behörden vor Gefahren, die in einem Verteidigungsfall oder bei einem Schadensereignis drohen, schützen.

Wer schützt die Bevölkerung konkret, wer packt vor Ort an?

Das Rückgrat der Gefahrenabwehr sind die kommunalen Feuerwehren, die in Brandschutz, technischer Hilfeleistung und teils auch der Abwehr atomarer, biologischer oder chemischer Gefahren geschult sind. Auch das Technische Hilfswerk (THW) steht parat. Beides sind Einrichtungen, die hauptsächlich mit ehrenamtlichen Helfern arbeiten und in denen traditionell in den ländlichen Regionen viele Landwirte vertreten sind. Hinzu kommen Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz oder die Johanniter, die sich gegenüber den Landesregierungen zur Mitwirkung im Katastrophenfall verpflichtet haben. Auch Bundespolizei und Bundeswehr können angefordert werden.

Checkliste für 10 Tage ohne Strom, Wasser und Infrastruktur

Sollte es tatsächlich zum Katastrophenfall kommen, empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), einen Vorrat mit Wasser und Lebensmitteln anzulegen. Die meisten Landwirtsfamilien haben ja ohnehin eine gute Vorratshaltung, schon allein deshalb, um nicht alle paar Tage mehrere Kilometer in den nächsten Supermarkt fahren zu müssen. Die wichtigsten Empfehlungen des BBK:

  1. Essen und Trinken für 10 Tage. Versuchen Sie, diesen Zeitraum mit Ihrem Vorrat abzudecken. Das sollte in der Regel ausreichen, um auch in schwierigeren Lagen die Zeit zu überbrücken, bis staatliche Hilfe eintrifft oder die Notsituation ausgestanden ist. Natürlich können Sie auch für einen längeren oder kürzeren Zeitraum bevorraten, das ist Ihre Entscheidung. Grundsätzlich gilt: Auch nur ein bisschen Vorrat, zum Beispiel für drei Tage, ist besser als kein Vorrat.
  2. 2 Liter Flüssigkeit pro Person und Tag. Ein Mensch kann unter Umständen drei Wochen ohne Nahrung auskommen, aber nur vier Tage ohne Flüssigkeit. Ein Getränkevorrat ist daher wichtig, auch wenn es selten ist, dass das Leitungswasser ausfällt. Für einen 10-Tages-Vorrat sollten Sie 20 Liter pro Person kalkulieren. Darin ist auch bereits ein Flüssigkeitsanteil zum Kochen vorgesehen (0,5 Liter pro Tag). Ein gewisser Anteil des Vorrats sollte daher auch aus (Mineral-)Wasser bestehen. Aber auch Fruchtsäfte oder länger lagerfähige Getränke können dazugerechnet werden.
  3. 2.200 kcal pro Person und Tag. Damit ist im Regelfall der Gesamtenergiebedarf eines Erwachsenen abgedeckt. Klingt abstrakt? In unserer Checkliste finden Sie Lebensmittelgruppen mit Mengenangaben, die Ihnen helfen sollen, Ihren Lebensmittelvorrat ausgewogen zu gestalten. Größere Mengen eines einzelnen Produktes als Vorrat anzulegen, ist nicht empfehlenswert. Konkrete Beispieltabellen, auch für einen vegetarischen Vorrat, finden Sie auf dem Ernährungsvorsorge-Portal der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Dort finden Sie auch einen Vorratskalkulator, mit dem Sie den Bedarf für sich und Ihre Familie bequem berechnen können.
  4. Nur was Sie mögen und vertragen. Nicht nur die Haltbarkeit ist entscheidend. Berücksichtigen Sie Allergien, Lebensmittelunverträglichkeiten oder besondere Bedarfe wie Babynahrung, aber auch persönliche Vorlieben beim Zusammenstellen Ihres Vorrats. Ohnehin sollten Sie Ihren Vorrat nicht nach dem Motto „den brauche ich hoffentlich nie“ anlegen, sondern nach dem Prinzip "lebender Vorrat".
  5. Prinzip „lebender Vorrat“. Versuchen Sie, Ihren Vorrat in Ihren alltäglichen Lebensmittelverbrauch zu integrieren. So wird er immer wieder verbraucht und erneuert, ohne dass Lebensmittel verderben. Neu gekaufte Vorräte gehören nach „hinten“ ins  Regal. Brauchen Sie die älteren Lebensmittel zuerst auf.
  6. Stück für Stück aufbauen. Es ist nicht erforderlich, den Vorrat „auf einen Schlag“ anzulegen. Sie können ihn nach und nach aufbauen, indem Sie sich angewöhnen, bei Ihren Einkäufen von länger haltbaren Produkten - wie beispielsweise Nudeln - eine Packung mehr zu kaufen. Achten Sie darauf, den Vorrat aufzufüllen, bevor Sie die letzte Packung anbrechen.
  7. Hinweise zur Lagerung beachten. Sie sollten Lebensmittel kühl, trocken und dunkel aufbewahren. Achten Sie auf luftdichte Verpackung.
  8. Haustiere nicht vergessen. Wenn Sie Haustiere haben, denken Sie auch an deren Bedürfnisse. Achten Sie darauf, ausreichend Nahrung, Einstreu, Medikamente und weitere Produkte, die Ihr Tier benötigt, bevorratet zu haben.

Eine Liste mit allen notwenigen Lebensmittel und Kalorienangaben vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung können Sie hier herunterladen:

Eine App warnt im Notfall

Die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, kurz Warn-App NINA, informiert bei Warnmeldungen des Bevölkerungsschutzes für unterschiedliche Gefahrenlagen wie zum Beispiel Gefahrstoffausbreitung oder einen Großbrand. Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserinformationen der zuständigen Stellen der Bundesländer sind ebenfalls in die Warn-App integriert.Man kann in der App feste Orte und Dienste abonnieren oder jeweils den eigenen Standort ermitteln lassen. NINA ist deshalb so wichtig, weil es in Deutschalnd mittlerweile kein flächendeckendes System an Notfallsirenen gibt. Anternativ können Sie sich im Katastrophenfall per Radio, Fernsehen oder Internet, wenn verfügbar, auf dem Laufenden halten.

Hier geht es zum Download der Warn-App NINA.

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