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Umwelt

Wie gehen Sie mit Wildschäden um?

von , am
17.12.2010

Mecklenburg-Vorpommern/Brandenburg/Thüringen - Wildschäden können schnell teuer werden. Deswegen ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Jägern und Landwirten wichtig. Wir fragen drei Landwirte nach ihren Erfahrungen.

Schwarzwild über den Winter bejagen
Hermann Oldemeyer, 23974 Blowatz Mecklenburg-Vorpommern

"Bei der Frage nach Wildschaden muss ich unterscheiden, ob ich als privater Landwirt oder als Vorsitzender der Jagdgenossenschaften antworte. In unserem Revier tragen wir die Wildschäden ja selber, sie werden damit tendenziell geringer eingeschätzt als in einer verpachteten Jagd. In unserem Jagdbezirk kommen Schwarzwildschäden hauptsächlich im Weizen vor, sobald er in die Milchreife kommt und im Raps. Der (Biogas)mais ist stark in die Diskussion gekommen, weil er dem Schwarzwild bis Ende Oktober gute Nahrung gibt. Der Jäger muss deshalb den Schwarzwildbestand über den Winter stark regulieren. Bis zum Februar muss die Hauptstrecke beim Schwarzwild gejagt sein, nachher kann man ja nur noch auf Frischlinge und Überläufer schießen. An die Landwirte appelliere ich, die Maisschläge nicht zu groß zu machen, sondern aufzuteilen und die Schneisen als kleine Zwischenschläge mit anderen Früchten einzusäen." mehr ...

Vorbildliche Zusammenarbeit der Eigentümer, Landwirte und Jäger
Reno Hölzke, 15299 Müllrose, Kaisermühl Brandenburg 

"Wildschäden treten in hohem Maße durch Schwarzwild in Form von Wühlschäden (Wiesen, bestellte Felder) und durch Fraßschäden im Mais und Getreide auf. Im Revier Müllrose herrscht ein sehr hoher Äsungsdruck durch Rotwild, da dieses die einzige Feldmark im Bereich von über 8.000 Hektar Waldfläche ist. Kulturen wie Mais werden nach dem Legen mit doppelt gespannter Stromlitze gegen Sauen und Rotwild eingezäunt. Roggen und insbesondere Hafer werden während der Milchreife zusätzlich mit Trassierband in 1,50 Meter Höhe eingezäunt. Zurzeit haben wir 15 Kilometer Zaun. Diese Flächen unterliegen der Schwerpunktbejagung während der Vegetationszeit bis zur Ernte.

Raps muss während des Winterhalbjahres mit Trassierband (von uns 'Flatterband' genannt) geschützt werden. Gleichzeitig wurden Äsungsflächen mit Dauergrünmischungen im Wald bestellt, die während des Sommerhalbjahres nicht bejagt werden. Parallel dazu wurde die Abschussquote bei Schwarz- und Rotwild innerhalb der Hegegemeinschaft (40.000 Hektar) um das doppelte erhöht. Unsere Landwirte helfen uns mit ihrer Technik, Schneisen im Wald zu begrünen und fahren Mutterboden an, mulchen oder eggen mit der Scheibenegge. Wald -Feld Übergänge werden dort wo es möglich ist, zu Schneisen gemulcht.

Probleme dabei gibt es für den Landwirt mit seiner Förderungsfläche, welche dann nicht mehr stimmt. Hier muss meiner Meinung nach durch verantwortliche Stellen/die Politik nachgebessert werden. Die örtliche Jagdgenossenschaft Müllrose unterstützt uns finanziell bei der Wildschadensverhütung. So wurden Technik, Saatgut, Vegrämungsmittel und anderes Material durch die Jagdgenossenschaft bezahlt. Dieses ist auch im Pachtvertrag niedergeschrieben. Die Jagdgenossenschaft Mixdorf hat bei der Verpachtung darauf Wert gelegt, dass ortsansässige Jäger die Jagd pachten sollten, junge Jäger gewonnen werden und die Jagdpacht bezahlbar bleibt. So ist der Kontakt zwischen Jagd, Landwirtschaft und Jagdgenossenschaft kürzer, zumal gerade junge Jäger schnell und viel kommunizieren. Gleichzeitig gibt es ein hohes Maß an Engagement und kein 'das haben wir schon immer so gemacht'. Vielleicht ein Ansatz zur Nachahmumg bei anderen Jagdgenossenschaften?" mehr ...

Mangelnde Zusammenarbeit der Jäger oft ein Problem
Helmut Gumpert, Agrofarm Knau eG, 07389 Knau Thüringen

"Auf unseren Flächen haben wir es mit 17 Revierinhabern zu tun, die natürlich alle verschiedene Persönlichkeiten sind. Das Hauptproblem beim Wildschaden für uns ist das Schwarzwild. Wildschaden haben wir vor allem im Raps und im Silomais, den wir für unsere 800 Kühe, 300 Mutterkühe und die jeweilige Nachzucht anbauen. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass engstirniges Revierdenken Gift für die Schwarzwildbejagung ist. Schwarzwildbejagung ist eine Ganzjahresaufgabe.

Das Problem mit dem Wildschaden ist oft hausgemacht: Wenn die Jäger mehr zusammenarbeiten würden, ließe sich einiges ändern. Wir brauchen keine Hormonpille für das Schwarzwild, wir müssen uns gerade in Wintern wie jetzt, in denen viel Schnee liegt, einfach nur an frühere traditionelle Jagdmethoden erinnern: Man umschlägt die Einstände, sieht, in der Dickung liegen acht Schweine, schickt die Hunde rein und kreist den Kessel ein und drückt die Schweine gemeinsam heraus. Dazu braucht es natürlich ortsnahe Jäger, die Zeit haben und beobachten, wo die Einstände sind. Wer 300 Kilometer weit weg wohnt und nicht da ist, wenn es gerade schneit, der kann dies nicht leisten. Alle vier Wochen von Berlin oder München aus mal ins Revier fahren, reicht nicht! Wir brauchen möglichst viele ansässige Landwirte, die selber jagen, sie sehen beide Interessenslagen. Die Grundbesitzer müssen erkennen, dass der maximale Jagdpachtzins nicht gleich einer nachhaltigen Jagd ist." mehr ...

Wie gehen Sie mit Wildschäden um?

Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Mecklenburg-Vorpommern - Wildschäden können schnell teuer werden. Deswegen ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Jägern und Landwirten wichtig. Wir fragen Hermann Oldemeyer nach seinen Erfahrungen.


400 Hektar Eigenjagd in Mecklenburg

"Mein Name ist Hermann Oldemeyer, ich bin Landwirt im Landkreis Nordwestmecklenburg und außerdem Vorsitzender des Arbeitskreises der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden im Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern. In unserer Eigenjagd mit 400 Hektar haben wir Rehwild und Schwarzwild als Wechselwild. Es sind mit mir und meinem Sohn insgesamt vier Grundeigentümer. Die beiden anderen haben an uns verpachtet, es ist also alles in unserer Bewirtschaftung. In der Fruchtfolge stehen Kartoffeln, Raps und Getreide, kein Mais. Unsere Mutterkühe stehen auf extensivem Grünland, da sind die Schäden nicht so relevant wie in der Milchviehhaltung, wenn Erde in die Silage oder ins Heu kommt.

Schwarzwild über den Winter bejagen

Bei der Frage nach Wildschaden muss ich unterscheiden, ob ich als privater Landwirt oder als Vorsitzender der Jagdgenossenschaften antworte. In unserem Revier tragen wir die Wildschäden ja selber, sie werden damit tendenziell geringer eingeschätzt als in einer verpachteten Jagd. In unserem Jagdbezirk kommen Schwarzwildschäden hauptsächlich im Weizen vor, sobald er in die Milchreife kommt und im Raps. Der (Biogas)mais ist stark in die Diskussion gekommen, weil er dem Schwarzwild bis Ende Oktober gute Nahrung gibt. Der Jäger muss deshalb den Schwarzwildbestand über den Winter stark regulieren. Bis zum Februar muss die Hauptstrecke beim Schwarzwild gejagt sein, nachher kann man ja nur noch auf Frischlinge und Überläufer schießen. An die Landwirte appelliere ich, die Maisschläge nicht zu groß zu machen, sondern aufzuteilen und die Schneisen als kleine Zwischenschläge mit anderen Früchten einzusäen.

Revierübergreifende Zusammenarbeit

Das Konfliktpotential kann entschärft werden, wenn Jagdpächter und Grundstückseigentümer aufeinander zugehen und Gemeinsamkeiten suchen. Bei 90 Prozent der Beteiligten gibt es keine Probleme, die restlichen zehn Prozent machen dafür die Probleme für alle. Dort sind weder die Jäger untereinander einig, noch kommen die Jäger mit den Grundeigentümern klar. Heimische Jäger sind natürlich schneller vor Ort, haben aber manchmal nicht das Geld für größere Jagden. Revierübergreifende Jagden bieten sich an. Mehr Organisation und Zusammenarbeit zwischen den Jägern sind gefragt, der Jagdneid muss dann halt auch mal zurückstehen, weil Schwarzwild öfter wechselt."

Hermann Oldemeyer
23974 Blowatz
Mecklenburg-Vorpommern

Wie gehen Sie mit Wildschäden um?

Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Brandenburg - Wildschäden können schnell teuer werden. Deswegen ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Jägern und Landwirten wichtig. Wir fragen Reno Hölzke nach seinen Erfahrungen.


Aktiv in zwei Jagden

"Mein Name ist Reno Hölzke, ich bin 40 Jahre, selbständig und habe drei Kinder. Unsere Familie wohnt seit mehreren Generationen in Müllrose, im Landkreis Oder-Spree im Bundesland Brandenburg. Ich jage in zwei Pächtergemeinschaften. Der Pachtgemeinschaft Mixdorf stehe ich als Obmann/Jagdleiter vor. In der anderen bin ich als Jagdpächter, Jagdgenosse, Grundstückseigentümer und Mitglied im Beirat Wildbewirtschaftung der Hegegemeinschaft aktiv. Das Wildvorkommen erstreckt sich über vier Schalenwildarten. Rot-, Muffel-, Schwarz- und Rehwild. An Niederwild kommen Hase, Fasan, Tauben, Enten und Gänse vor. Große Probleme beim Niederwild bereiten Neubürger wie Waschbären und Mink. In der Pachtgemeinschaft Mixdorf haben wir vier Pächter mit einem Altersdurchschnitt von 38 Jahren. Es sind 1.050 Hektar Jagdfläche, davon 493 Hektar landwirtschaftliche Fläche und 556 Hektar Wald. Im Ackerbau dominieren Mais und Roggen, die Wiesenflächen werden für Heu und Grassilage verwendet. Im Mittel fallen hier pro Jagdjahr 30 Rehe, 30 bis 40 Sauen, vier Muffel und ein bis zwei Stücke Rotwild. Dazu kommen 30 Füchse, Waschbären, Marderhunde. Seit Pachtbeginn haben wir keine Wildschadensausgleichsfälle mehr.

In der Pachtgemeinschaft Müllrose haben wir neun Pächter, 1.750 Hektar Jagdfläche, davon 700 Hektar Wald, 500 Hektar Landwirtschaft und 200 Hektar Wasserflächen. Die Kulturen sind Mais, Roggen, Hafer und Raps sowie Wiesen zur Heu und Grassilagegewinnung, dazu Milchviehwirtschaft (Schwarzbunte) und Mutterkuhhaltung (Uckermärker) im Weidebetrieb. Im Mittel kommen 100 Sauen, 30 Stücke Rotwild, 40 Rehe, ein Stück Muffelwild und 20 Enten zur Strecke. Die jährlichen Ausgleichszahlungen für Wildschäden liegen bei ca. 6.000 Euro.

Vorbildliche Zusammenarbeit der Eigentümer, Landwirte und Jäger

Wildschäden treten in hohem Maße durch Schwarzwild in Form von Wühlschäden (Wiesen, bestellte Felder) und durch Fraßschäden im Mais und Getreide auf. Im Revier Müllrose herrscht ein sehr hoher Äsungsdruck durch Rotwild, da dieses die einzige Feldmark im Bereich von über 8.000 Hektar Waldfläche ist. Kulturen wie Mais werden nach dem Legen mit doppelt gespannter Stromlitze gegen Sauen und Rotwild eingezäunt. Roggen und insbesondere Hafer werden während der Milchreife zusätzlich mit Trassierband in 1,50 Meter Höhe eingezäunt. Zurzeit haben wir 15 Kilometer Zaun. Diese Flächen unterliegen der Schwerpunktbejagung während der Vegetationszeit bis zur Ernte. Raps muss während des Winterhalbjahres mit Trassierband (von uns 'Flatterband' genannt) geschützt werden. Gleichzeitig wurden Äsungsflächen mit Dauergrünmischungen im Wald bestellt die während des Sommerhalbjahres nicht bejagt werden. Parallel dazu wurde die Abschussquote bei Schwarz- und Rotwild innerhalb der Hegegemeinschaft (40.000 Hektar) um das doppelte erhöht.

Unsere Landwirte helfen uns mit ihrer Technik, Schneisen im Wald zu begrünen und fahren Mutterboden an, mulchen oder eggen mit der Scheibenegge. Wald -Feld Übergänge werden dort wo es möglich ist, zu Schneisen gemulcht. Probleme dabei gibt es für den Landwirt mit seiner Förderungsfläche, welche dann nicht mehr stimmt. Hier muss meiner Meinung nach durch verantwortliche Stellen/die Politik nachgebessert werden. Die örtliche Jagdgenossenschaft Müllrose unterstützt uns finanziell bei der Wildschadensverhütung. So wurden Technik, Saatgut, Vegrämungsmittel und anderes Material durch die Jagdgenossenschaft bezahlt. Dieses ist auch im Pachtvertrag niedergeschrieben. Die Jagdgenossenschaft Mixdorf hat bei der Verpachtung darauf Wert gelegt, dass ortsansässige Jäger die Jagd pachten sollten, junge Jäger gewonnen werden und die Jagdpacht bezahlbar bleibt. So ist der Kontakt zwischen Jagd, Landwirtschaft und Jagdgenossenschaft kürzer, zumal gerade junge Jäger schnell und viel kommunizieren.

Gleichzeitig gibt es ein hohes Maß an Engagement und kein "das haben wir schon immer so gemacht". Vielleicht ein Ansatz zur Nachahmumg bei anderen Jagdgenossenschaften?

Größere Reviere vermindern Jagddruck

Landwirtschaft und Jagd haben viele Parallelen. Eine davon ist die Abhängigkeit von der Flächengröße des Reviers oder des landwirtschaftlichen Betriebes. Je größer ein Revier ist, umso effizienter lässt es sich bejagen. Das klingt erst einmal absurd, ist aber nicht so. Ein geteilter Jagdbogen mit vielen kleinen Revieren weckt Begehrlichkeiten bei den Pächtern der Revierteile. Es wird versucht viel Wild zu kirren, zu halten und zu erlegen. Dabei steigt jedoch der Jagddruck und die Strecke über die gesamte Fläche sinkt. Im Revier Mixdorf haben wir jetzt mit der Hälfte der Jäger, auf doppelter Fläche mehr Jagdstrecke bei weniger Jagddruck und null Wildschaden! Es ist ein Trugschluss immer mehr Jäger in immer kleinere Revier zu stecken um die Jagdstrecke zu erhöhen. In gleichem Maße wie die Agrarflächen größer bewirtschaftet werden, sollten auch die Revierflächengrößen beibehalten und nicht geteilt oder unterverpachtet werden. Meiner Meinung nach sollten auch Maisflächen zur Energie- und zur Silagegewinnung anders im Wildschadensfalle betrachtet werden als Körnermais, da hier die komplette Pflanze genutzt wird. Gleichzeitig sollte die Flächengröße beschränkt werden, da eine effiziente Bejagung von mehreren hundert Hektar großen Schlägen nicht möglich ist.

Effizient bedeutet für mich den Zuwachs abzuschöpfen. Das kann ich aber nicht beim Versteck spielen im Großfeld. Das nächste Problem ist das nicht komplett von Ernteresten befreite Feld. Maiskolbenbruch liegt oberirdisch auf und wird durch den unter Zeitdruck arbeitenden Landwirt untergepflügt/-gescheibt. Damit ist der nächste Folgeschaden am Wintergetreide vorprogrammiert und der Jäger mit der Bejagung wieder an ein Feld gebunden. Hier dürfte es nach meiner Meinung keinen Ersatzanspruch mehr geben."

Reno Hölzke
15299 Müllrose
Kaisermühl Brandenburg

Wie gehen Sie mit Wildschäden um?

Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Thüringen - Wildschäden können schnell teuer werden. Deswegen ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Jägern und Landwirten wichtig. Wir fragen Helmut Gumpert nach seinen Erfahrungen.


Abwechslungsreiches Gebiet mit viel Wild

"Ich bin Vorsitzender der Agrofarm Knau e. G. im Saale-Orla-Kreis in Ost-Thüringen, außerdem Vizepräsident des Thüringer Bauernverbandes und privater Jäger. Die 3.500 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche unserer Genossenschaft liegen in verschiedenen Gemarkungen auf einem Terrain von 7.000 Hektar Fläche. An jagdbarem Wild kommen Schalenwild wie Schwarzwild, Rotwild, Rehwild und Muffelwild sowie Füchse und Dachse vor. Das Gebiet ist sehr abwechslungsreich, von Wald durchzogen und 1.500 Hektar gehören zum Naturschutzgebiet Dreba-Plothen-Teiche. Die letzteren zwei sind ein Eldorado für Wildschweine. Da außerdem die Jagd im Naturschutzgebiet streng reglementiert ist, nehmen dort die Beutegreifer und Waschbären enorm zu. Von einem dogmatischen Unter-Schutzstellen einzelner Arten halte ich gar nichts.

Mangelnde Zusammenarbeit der Jäger oft ein Problem

Auf unseren Flächen haben wir es mit 17 Revierinhabern zu tun, die natürlich alle verschiedene Persönlichkeiten sind. Das Hauptproblem beim Wildschaden für uns ist das Schwarzwild. Wildschaden haben wir vor allem im Raps und im Silomais, den wir für unsere 800 Kühe, 300 Mutterkühe und die jeweilige Nachzucht anbauen. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass engstirniges Revierdenken Gift für die Schwarzwildbejagung ist. Schwarzwildbejagung ist eine Ganzjahresaufgabe. Das Problem mit dem Wildschaden ist oft hausgemacht: Wenn die Jäger mehr zusammenarbeiten würden, ließe sich einiges ändern. Wir brauchen keine Hormonpille für das Schwarzwild, wir müssen uns gerade in Wintern wie jetzt, in denen viel Schnee liegt, einfach nur an frühere traditionelle Jagdmethoden erinnern: Man umschlägt die Einstände, sieht, in der Dickung liegen acht Schweine, schickt die Hunde rein und kreist den Kessel ein und drückt die Schweine gemeinsam heraus. Dazu braucht es natürlich ortsnahe Jäger, die Zeit haben und beobachten, wo die Einstände sind. Wer 300 km weit weg wohnt und nicht da ist, wenn es gerade schneit, der kann dies nicht leisten. Alle vier Wochen von Berlin oder München aus mal ins Revier fahren, reicht nicht!

Wir brauchen möglichst viele ansässige Landwirte, die selber jagen, sie sehen beide Interessenslagen. Die Grundbesitzer müssen erkennen, dass der maximale Jagdpachtzins nicht gleich einer nachhaltigen Jagd ist.

Vorbeugende Absprachen besser als nachträglicher Gutachterstreit

Ein abgestimmtes, revierübergreifendes Vorgehen der Jägerschaft tut not. Wenn ich als Landwirt erkenne, dass sich die Jäger bemühen, dann drücke ich auch mal beim Wildschaden ein Auge zu, wenn ich hingegen bei jemand Jagdneid und Ignoranz gegenüber den landwirtschaftlichen Interessen sehe, den nehme ich gnadenlos in die Pflicht mit Wildschaden. Eine vernünftige Zusammenarbeit der Jäger und Landwirte bedingt vorausschauende Absprachen, damit der Wildschaden nicht ausufert. Der Jäger muss die Initiative übernehmen und auf den Landwirt zugehen und fragen, "Was willst du anbauen?" Zäune sind in unseren Größenordnungen zwar nicht machbar, der Jäger kann den Landwirt aber bitten, einen Streifen unbearbeitet lassen oder eine Schneise im Mais anzulegen. Das ist allemal besser, als sich später mit dem Schadensgutachter um den Preis streiten."

Helmut Gumpert
Agrofarm Knau eG
07389 Knau Thüringen

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