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Erntekrone Übergabe an Gauck

Gemeinsame Erklärung zum Erntedank

pd
am
04.10.2012

Berlin - In einer gemeinsamen Erklärung gehen kirchliche und landwirtschaftliche Vertretungen auf das Verhältnis der Gesellschaft zur modernen Tierhaltung ein.

DBV-Präsident Ruckwied bei seiner Ansprache zum Enntedankfest in Berlin.
Das Zusammenwirken von Mensch und Tier soll in besonderer Weise von der Ehrfurcht vor dem Leben geprägt sein. Respekt soll beim gesellschaftlichen Diskurs über die Zukunft der Tierhaltung und bei der Weiterentwicklung des Tierschutzes herrschen. Zu dieser Aussage kommen die ländlichen Organisationen der christlichen Kirchen, Evangelischer Ausschuss für den Dienst auf dem Lande in der Evangelischen Kirche Deutschlands (EDL) und die Katholische Landvolkbewegung Deutschlands (KLB) gemeinsam mit dem Deutschen LandFrauenverband (dlv) und dem Deutschen Bauernverband (DBV). Auch der Bund der Deutschen Landjugend (BdL) hat sich der Erklärung angeschlossen.

Nutztierhaltung nicht mit Maßstäben der Haustierhaltung beurteilen

In der Erklärung gehen die Unterzeichner auf das Verhältnis der Gesellschaft zur modernen Tierhaltung ein. In den Jahrzehnten des zunehmenden Wohlstandes in Deutschland habe sich ein besonderes Verhältnis der Menschen zu den Tieren entwickelt, heißt es in der Erklärung. Mit etwa 22 Millionen Tieren, die in Haushalten gehalten werden, gebe es in Deutschland inzwischen "mehr Haustiere als Kinder", stellen die Verfasser in der Erklärung fest.
 
Demgegenüber sei der Kontakt zu den landwirtschaftlichen Nutztieren bei einem Großteil der Bevölkerung verloren gegangen. Dies habe dazu geführt, dass die Diskussionen über Fortschritte in der Nutztierhaltung sehr emotional geführt werden. Es komme sogar zu persönlichen Diffamierungen und Drohungen gegenüber tierhaltenden Landwirten, stellen die Unterzeichner fest. Es werde der Weiterentwicklung des Tierschutzes jedoch nicht gerecht, wenn die Nutztierhaltung mit den Maßstäben der Haustierhaltung beurteilt und jeder technische Fortschritt als "Industrialisierung" oder "Massentierhaltung" abqualifiziert werde.

Den Dialog mit den Verbrauchern suchen

Tierhaltende Bauern sind vor diesem Hintergrund aufgerufen, den Dialog mit dem Verbraucher zu führen, um wieder mehr Akzeptanz für die Nutztierhaltung zu erlangen, stellen die Verfasser fest. Zukünftig, erklären die Unterzeichner, müsse die Agrarbranche zudem Forschung und Entwicklung forcieren, um den veränderten gesellschaftlichen Anforderungen nachzukommen. Mit Blick auf die international offenen Märkte für Agrarprodukte erklären die Verfasser aber auch, dass die landwirtschaftliche Tierhaltung für den einzelnen Tierhalter wirtschaftlich tragfähig sein muss. Heimische wie importierte Produkte müssten daher unter vergleichbaren Bedingungen erzeugt werden. "Die Verantwortung für eine tiergerechte Haltung und für das Mitgeschöpf Tier liegt beim Landwirt, muss aber auch von allen Teilen der Gesellschaft gemeinsam getragen werden", heißt es abschließend in der Erklärung.
 
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