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Ernährung und Gesundheit

Gen-Honig muss nicht gekennzeichnet werden

AgE/agrarheute
am
22.01.2014

Brüssel - Honig, der mit Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen verunreinigt ist, muss nicht gekennzeichnet werden, weil Pollen nach Ansicht des EU-Parlaments keine Zutat des Honigs seien.

Neu-Definition mit weitreichenden Folgen: Nach Ansicht des EU-Parlaments sind Blüten-Pollen keine Zutat, sondern ein natürlicher Bestandteil des Honigs. © Helmut Brunken/Pixelio
Das EU-Parlament folgte in seiner Entscheidung dem Vorschlag der Europäischen Kommission und lehnte eine anderslautende Vorlage seines Umweltausschusses ab. Dessen Mitglieder hatten mehrheitlich gefordert, Pollen ausdrücklich als Zutat in Honig zu betrachten. Dann hätte Honig bereits als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden müssen, wenn das Material gentechnisch veränderter Organismen (GVO) im Pollenanteil 0,9 Prozent überschreitet.
 
Das Hohe Haus folgte jetzt jedoch der Argumentation der Europäischen Kommission, die Pollen als natürlichen Bestandteil von Honig wertet. Damit entfällt die eventuelle Notwendigkeit einer Zutatenliste ebenso wie die Kennzeichnung als gentechnisch verändert, sollten Spuren von transgenem Pollen gefunden werden - solange der Gesamtanteil an Gentechnikmaterial unter 0,9 Prozent bleibt.

Kennzeichnung von Honig

Da der Pollenanteil im Honig in der Regel nicht mehr als 0,5 Prozent beträgt, scheint die Notwendigkeit einer Kennzeichnungspflicht für einen beliebigen Honig gemäß den jetzt gutgeheißenen Entwürfen äußerst unwahrscheinlich. Bislang ist die Rechtslage nicht eindeutig; der Europäische Gerichtshof (EuGH) sieht Pollen in einem Urteil von 2011 in Ermangelung anderer Regelungen als Zutat an. Der Vorschlag der Kommission ist dazu gedacht, die juristische Situation zu klären. Die britische Berichterstatterin Julie Girling erhielt vom Plenum das Mandat, mit der griechischen EU-Ratspräsidentschaft einen Kompromiss in Erster Lesung auszuhandeln.

Naturprodukt Honig

Die FDP-Agrarexpertin Britta Reimers zeigte sich zufrieden: "Wir haben nun endlich Klarheit über den rechtlichen Status von Pollen erzielt. Das ist entscheidend für die Arbeit der Imker und auch für den Verbraucher", so die liberale Europaabgeordnete.
 
Die CDU-Parlamentarierin Christa Klaß erklärte, Honig enthalte immer auch Pollen, der durch die Bienen hinzugefügt werde. Deshalb könne man den Pollen auch nicht als willentlich beigefügte Zutat klassifizieren. „Honig ist ein bedeutendes und gesundes Naturprodukt. Mit dieser Phantomdebatte über den Status des Pollen stellen wir die Naturgesetze in Frage und werden der Bedeutung des Produkts nicht gerecht," betonte Klaß. Von einer GVO-Verunreinigung des Honigs könne keine Rede sein, da naturgegebenermaßen der Anteil der Pollen und eventuell denkbare Verunreinigungen im Mikrobereich weit unter einer Kennzeichnungspflicht lägen. Die ständige Diskussion um Gentechnik und Honig schade letztendlich dem Image des Honigs und den Imkern.

Gegen die Interessen der Bevölkerung

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen, Martin Häusling, sprach hingegen von einem Armutszeugnis für das Parlament. Die Mehrheit habe gegen die Interessen der Menschen in Europa gestimmt. Künftig müsse Honig auch dann nicht als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden, wenn er beispielsweise von Feldern mit reiner GVO-Rapssaat herrühre. Häusling: "Mehr und mehr drängt GVO-kontaminierter Honig insbesondere aus Lateinamerika auf unseren Markt und dank des EU-Parlaments ohne Kennzeichnung." Auch die CSU zeigte sich unzufrieden. Der mittelfränkische Umweltpolitiker Martin Kastler nannte das Ergebnis einen Tiefschlag für die gentechnikfreien Regionen in Europa. "Nach der heutigen Entscheidung können Verbraucher künftig nicht mehr zwischen gutem, heimischem Honig und GVO-veränderten Billigprodukten entscheiden“, monierte der Europaabgeordnete. Gleichzeitig versicherte er: "Bayern bleibt gentechnikfrei - unabhängig vom heutigen Abstimmungsergebnis." 
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