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Ernährung und Gesundheit

Gen-Mais: Testbiotech und GeneWatch reichen Beschwerde ein

pd
am
01.08.2011

Mitte Juni hat die EU-Kommission einen neuen Genmais als Lebens- und Futtermittel zugelassen. Testbiotech und GeneWatch haben wegen Sicherheitsbedenken jedoch Beschwerde eingelegt.

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Die Organisationen Testbiotech und GeneWatch UK haben die Europäische Kommission aufgefordert, die Zulassung eines gentechnisch veränderten Mais der Firma Monsanto (MON89034 x MON88017) überprüfen zu lassen. Der Mais, der in den USA unter dem Markennamen "Genuity VT Triple PRO Corn" verkauft wird, war am 17. Juni von der Europäischen Kommission als Lebens- und Futtermittel zugelassen worden.

Der gentechnisch veränderte Mais produziert eine Mischung aus drei verschiedenen Insektengiften, von denen eines künstlich hergestellt worden ist. Zudem sind die Pflanzen unempfindlich gegenüber dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat (Roundup).

Standards zur Marktzulassung nicht eingehalten

Die Organisationen beantragen eine Überprüfung der Marktzulassung unter Berufung auf Artikel 10 der EU-Verordnung 1367/2006. Da weder die in der EU festgelegten Standards zum Schutz der Umwelt und Verbraucher noch die Vorschriften für die Überwachung möglicher gesundheitlicher Schäden beachtet worden seien, müsse die Marktzulassung widerrufen werden. "Dieser Mais produziert eine besondere Mischung von Insektengiften. Die Pflanzen enthalten ein synthetisches Gift, das wesentlich toxischer sein könnte als die natürlichen Varianten. Es kann zu Wechselwirkungen mit den anderen Insektengiften und Rückständen des Unkrautvernichtungsmittels kommen", sagt Helen Wallace von GeneWatch UK. "All diese Risiken betreffen Umwelt und Verbraucher. Trotzdem wurden sie vor der Zulassung der Pflanzen nicht gründlich untersucht."
 
Statt in Fütterungsversuchen die gesundheitlichen Risiken zu überprüfen, sei lediglich in einem Kurzzeitversuch die Futterverwertung an Geflügel getestet worden. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA habe außerdem versäumt, die Rückstände von Unkrautvernichtungsmitteln zu bewerten. Weiterhin seien Vorschriften für die Überwachung möglicher Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit nicht beachtet worden: "Es fehlt ein Überwachungsplan, mit dem mögliche gesundheitliche Auswirkungen identifiziert werden können, die sich auf die Verwendung dieser gentechnisch veränderten Pflanzen in Lebens- und Futtermittel zurückführen lassen. Es gibt nicht einmal verlässliche Methoden, um den Gehalt an Insektengift in den Pflanzen eindeutig bestimmen zu können", sagt Christoph Then von Testbiotech.

Gang vor EuGH denkbar

Nach Ansicht der beiden Organisationen ist dieser Fall von grundsätzlicher Bedeutung für die Prüfrichtlinien der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, über deren Festlegung in gesetzlichen Standards derzeit beraten wird. Er zeige, dass es noch erheblicher Verbesserungen bedarf, um das Schutzniveau für Umwelt und Verbraucher zu erreichen, das in den EU-Rahmenrichtlinien vorgeschrieben ist.
 
Da es sich hier um einen Präzedenzfall handelt, ist auch ein Gang vor den Europäischen Gerichtshof denkbar, sollte der Antrag auf Überprüfung von der Kommission abgelehnt werden, kündigen die Organisationen an.
 
Derzeit erreichen gentechnisch veränderte Pflanzen den europäischen Markt vor allem über Tierfutter aus gentechnisch veränderter Soja, das in Nord- und Südamerika produziert wird. Gentechnisch veränderter Mais, der ein Insektengift produziert, wird derzeit auch in Spanien angebaut. Verschiedene sogenannte "Stacked Events", das heißt gentechnisch veränderte Pflanzen, in denen mehrere Gene für Insektengifte und Resistenzen gegenüber Unkrautvernichtungsmitteln kombiniert wurden, stehen derzeit zur Zulassung in Europa an.
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