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Dorf und Familie

Gescheitertes Tierwohl und skandalöses Antibiotikamonitoring

Matthias Ludwig
am
08.05.2015

Die Topthemen der Woche in unserer Community: Ist die Initative Tierwohl schon gescheitert? Und auch das Antibiotikamonitoring steht in der Kritik. Außerdem: ist das Quotenende eher Chance oder Risiko?

Aufreger Tierwohl Initiative: Bauern bleiben auf Kosten sitzen
 
 Die agrar_heute_redaktion weißt auf ein Thema auf agrarheute.com hin und fragt: "Aufreger Initiative Tierwohl: Etwa 2.500 Landwirte bleiben vorerst auf ihren Kosten sitzen. Das sorgt für Unmut. Ist die Initiative schon gescheitert?"
 
nurich meint: "War sie das nicht schon von Anfang an?" Und The_Fox: "Zumindest kann hinterher Keiner sagen die Landwirte hätten sich nicht dafür interessiert...."  Genau wie Mett: "Hat irgend jemand etwas Anderes erwartet? Langsam sollte auch der dümmste Bauer begreifen daß solche Aktionen nur PR des LEH sind."
 
Und Josef8 schreibt: "Dass das schon immer so war müsste ja endlich der letzte begriffen haben. Egal welches Programm eingeführt wurde lockte man bisher mit ein bischen Aufschlag, Armutstropfen könnt man auch sagen, dann wars auf einmal Standard und wer nicht mitmacht bekommt Abzug. Siehe QS ... der Preis ist XX und ohne OS gibts 20 oder mehr Cent je kg Bullenfleisch weniger. Hey kapiert ihr das denn nie. Als Bauer kannst bei uns machen was du willst, du wirst für blöd verkauft" 
 
Schaumburger ist der Meinung: "Das war doch nun vorher schon klar. Man bewirbt sich, baut dafür um und kann nicht sicher sein, dabei zu sein. Neu ist das nun wirklich nicht. Da kann man sich nun aufregen wie man möchte, das ändert nichts. Deswegen hab ich die ITW von vorn herein für schlecht gehalten und auch die Finanzierung bemängelt. Wer das Risiko eingegangen ist, der hat zwar etwas für den Ruf der Landwirtschaft getan, muss jetzt aber nicht nörgeln. Vorher wäre sinnvoller gewesen!" 

Risikoverlagerung durch das Quotenende

schlepperbande hat sich Gedanken zu den neuen  Bedingungen am Milchmarkt gemacht: "Die neue Freiheit der Milchbauern wird das Risiko zwischen Molkereien und Bauern neu verteilen. Ich tu mich schwer einzuschätzen, was jetzt mehr oder weniger Risiko bedeutet. Ist beispielsweise ein Quartalsmilchpreis jetzt mehr oder weniger Risiko für den Bauern, wenn die Preissprünge zwischen den Quartalen höher werden? Normalerweise ist der Hersteller austauschbarer Massenware jener, der am stärksten dem Wettbewerb ausgesetzt ist. Und das würde heißen, die Molkereien, müssten ihre Macht ausbauen können."
 
Bauer1 meint: "Bisher waren wir ja auch den Molkereien ausgeliefert. Du hast doch mit den Molkereien einen Milchliefervertrag ausgehandelt/unterschrieben, und danach hast Du das ausgezahlt bekommen, was bei den Molkereien übrig blieb. Das wird in Zukunft auch nicht anders werden. Nur eben, dass die Liefermenge anders verhandelt wird."
 
Und rocknrolldirk schreibt: "Ein Preissprung an sich ist doch kein Problem?! Deshalb ist es völlig irrelevant, ob es den monatlich oder vierteljährlich gibt. Entscheidend für den Milcherzeuger ist der langfristige Durchschnittspreis. Für die Molkereien ist ein Vierteljahrespreis meiner Meinung nach auch keine besonders clevere Sache. Die gesamte Milchbranche ist eh schon aus anderen Gründen träge genug, bei der Reaktion beispielsweise auf plötzliche Nachfrage (erkennbar durch anziehende Preise) Wenn eine solche Nachfrage plötzlich da ist, dann ist es auch im Interesse der Molkereien, mit höheren Preisen die Produktion zu stimulieren um diese Nachfrage möglichst zeitnah zu bedienen. Was nutzen hohe Preise, wenn man selbst keinen Rohstoff hat? Nichts! Genauso unsinnig ist es für eine Molkerei, die Produktion noch ein Vierteljahr mit guten Preisen zu stimulieren, wenn der Absatz schon absehbar schwierig ist. Sie kauft dann zu teuer ein und muss die Milch möglicherweise suboptimal verwerten, was für das Geschäftsergebnis nicht zuträglich ist. Wenn man seiner Molkerei nicht glaubt, dass sie im Sinne der Mitglieder oder Lieferanten handelt, dann ist Kündigung das Mittel der Wahl. Ausgeliefert sind wir Milchbauern dem Marktgeschehen, so oder so." 

Skandal beim Antibiotika-Monitoring?

Spagyra kommtentiert einen Artikel auf agrarheute.com: "Datenbank ohne Nutzen - wieder einmal wurden Daten erhoben ohne den Prozess bis ans Ende zu denken. Wie kann es sein, dass Betriebe einfach keine Angaben machen ohne irgendeine Sanktion? Ist doch kaum zu glauben, welches Vertrauen sollen wir Verbraucher denn noch in die Nahrungsmittel und den Verbraucherschutz haben?
 
HL1937 antwortet: "Es wird Zeit daß es mal ein Amt gibt, wo die Landwirte vor den Verbrauchern und sonst irgendwelchen landwirtschaftlich mies eingestellten Zeitgenossen geschützt werden." Auf seine Aussage: "@Spagyra: vor 30 Jahren wurde auch Antibiotika gespritzt, da gab es auch keine Datenbank. Und keiner ist daran gestorben." entgegnet DWEWT: "Solch qualitativ hochwertige Aussagen sind wohl die Grundlage für das Misstrauen, das uns entgegengebracht wird.  Vielen Dank!"
 
Und altilla schreibt: "Es ist eher normal und üblich als ungewöhnlich, dass bei solchen Aktionen hinterher offenbar wird, dass etwas nicht richtig gedacht und gemacht wurde. Die Fehler müssen einfach abgestellt werden. Ein Skandal wäre es nur, wenn man die Fehler kennt, toleriert oder gar fördert. Es erschließt sich mir allerdings nicht, warum der Verbraucher nun weniger Vertrauen haben sollte als vor der Einführung der Datenbank?! Wäre nur dann konsistent, wenn man nach dem Motto handelt: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß...!"

Entwässerung Fahrsilo

tixto fragt: "Ich möchte demnächst ein Fahrsilo in Ortbeton bauen und habe folgende Frage zur Entwässerung. Ich habe mal beide Varianten auf dem angehängten Bild gezeichnet. Was würdet ihr machen? Was gibt's für Vor-und Nachteile? Die verwenden Gullis sollen 2 Stopfen zum Trennen haben. Länge beträgt 55m und 9m breite. Wenn kein Sickersaft mehr anfällt und das Silo Besenrein ist, kann man das anfallende Regenwasser in eine Versitzgrube leiten? Oder muss das auch aufgefangen werden?"
 
Viehdokter schreibt: "Ich kenne bisher nur die "Gulli"-Variante. Die Querrinne verschmutzt zu schnell... Hatte eine solche in der Hofeinfahrt..." 
 
Und Matthias antwortet: "Wir haben Variante 2, Querrinne mit Gulli in der Mitte. Wir haben eine doppelte Kanalisation. Wenn das Silo gefüllt wurde, wird ein Stopfen im Gulli gezogen und der Sickersaft läuft ins Auffangbecken. Ist das Silo leer wird der Stopfen wieder eingesetzt und das Regenwasser läuft in die Regenwasserkanalisation. Das darf man eigentlich nur, wenn das Silo leer ist. Nach dem Silieren geht man meist davon aus dass für 80 Tage Sickersaft austritt. Dieser darf nur innerhalb der Ausbringzeiten die auch für die Gülle gelten ausgebracht werden. Ist das Silo gefüllt oder wird entnommen, spricht man von kontaminierten Wasser, das muss auch gesammelt werden, darf aber auch wärend der Sperrzeiten ausgebracht werden."
 
Und rocknrolldirk gibt zum besten: "Wir sind auch mit der Planung einer Fahrsiloanlage beschäftigt. Ich habe vor ein paar Tagen 2 Anlagen besichtigt, die mit Längstgefälle zur Fahrsilomitte und dort mit Trennschächten arbeiten. Sah gut aus, zum Glück hats geregnet. Nur bei der Auswahl der Trennschächte waren beide nicht 100% glücklich. Zu sehen gab es welche mit Schraubdeckeln, das war billig aber total besch. zu bedienen. Dann gabs welche mit Wechselstöpsel und welche mit Drehschieber - beide ziemlich teuer.
Die Kollegen hatten Schachtabstände um 8 m gewählt, was ich aufgrund der Kosten pro Schacht wohl eher in Richtung 10-12 m ausdehnen würde (bei 2 Kammern a 72 m ein erstaunlicher Kostenpunkt!)  Unsere Wasserbehörden machen das mit den Trennschächten zur Zeit noch mit, ich hoffe der große Gülleunfall (im gleichen Zuständigkeitsbereich) führt nicht zu irgendeinem blödsinnigen Aktionismus."

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