Login
Dorf und Familie

Im Gespräch: die neue Landesbäuerin Anneliese Göller

Thumbnail
Katharina Krenn, agrarheute
am
26.04.2012

Seit letzter Woche bekleidet Anneliese Göller das Amt der Landesbäuerin im Bayerischen Bauernverband. Im Interview mit agrarheute gab die frisch gebackene Amtsträgerin Einblicke in ihr Denken und Schaffen.

Die Landwirtin aus Wingersdorf bei Bamberg ist ein wahres Energiebündel. Zusammen mit ihrem Mann und ihrer jüngsten Tochter bewirtschaftet sie einen Milchviehbetrieb mit 53 Kühen und 150 Hektar Acker- und Grünland im Vollerwerb. Die gelernte Außenhandelskauffrau und geprüfte Hauswirtschafterin hat insgesamt vier Töchter. Und seit über 20 Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich im BBV - seit 1997 als Kreisbäuerin im Bamberger Land und seit fünf Jahren als Bezirksbäuerin in Oberfranken.
 
Das gehe nur, sagt sie, weil die Familie hinter ihr steht und sie unterstützt. Das Amt der Landesbäuerin könne sie nur deshalb ausüben, weil ihre jüngste Tochter nun als Mitgesellschafterin in den Betrieb eingestiegen ist. Grundsätzlich habe sich das Bild der Bäuerin positiv gewandelt, zur aktiven Mitunternehmerin, betont sie.
Anneliese Göller und ihre Tochter sind das beste Beispiel dafür.

'Hauptaufgabe ist die Bildungsarbeit'

Am liebsten arbeitet die frischgebackene Landesbäuerin im Stall mit den Tieren. Eine weitere Leidenschaft von Landwirtin Göller ist die Bildung des Nachwuchses. Ob es darum geht Lehrlinge auszubilden, Frauen Fortbildungsmöglichkeiten zu eröffnen oder Schulkindern die Kuhhaltung zu vermitteln, ihr "ist es sehr wichtig, junge Leute an die Landwirtschaft ranzuführen".
 
Mehr als 20 landwirtschaftliche Lehrlinge haben die Göllers bereits in ihrem Betrieb ausgebildet. Außerdem beteiligt sich Anneliese Göller aktiv am Projekt "Landfrauen machen Schule". Mit Vorträgen in Grundschulen und anschaulichen Führungen auf dem Hof vermittelt sie Schülern Wissen über die Nahrungsmittelerzeugung.
 
In ihrer Funktion als Landesbäuerin möchte sie sich weiter für das Bildungsangebot für Frauen im ländlichen Raum engagieren. Denn Hauptaufgabe der Landfrauen sei die Bildungsarbeit, so sagt sie. Beispielsweise ist ihr die Fortbildung von Frauen, die in landwirtschaftliche Betriebe einheiraten, ein Anliegen. Auch die hauswirtschaftliche Berufsausbildung als duales System möchte sie zukunftsfähig gestalten.

Mit dem Verbraucher in Dialog treten

Wie bereits in der Vergangenheit möchte sie sich auch in Zukunft für den Erzeuger- und Verbraucherdialog stark machen. Der Dialog beginnt schon mit den ganz Kleinen: mit dem Projekt "Landfrauen machen Schule" lernen Grundschüler, wo das Essen herkommt und was eine "Pflanze braucht, um zu wachsen". Es geht ihr um die Wertschätzung von Lebensmitteln. Auch einige Erwachsene wissen zu wenig über Herstellung, Verderblichkeit und Lagerung von Lebensmitteln.
 
Mit Projekten wie der 'Tag des offenen Hofs' und Aufklärungsinitiativen über die Haltbarkeit und Lagerung von Nahrung will sie der Lebensmittelverschwendung entgegen wirken. Laut einer vor kurzem veröffentlichten Studie, wirft im Schnitt jeder Bürger 52 Kilogramm Lebensmittel weg. Sie kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Abschaffung des Hauswirtschaftsunterrichts, denn vielen Menschen fehle es heute an  Alltagskompetenzen.
 
Auch interessant