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Ernährung und Gesundheit

'Gesunder' Fisch: EU erlaubt mehr Gift im Zuchtlachs

Externer Autor ,
am
26.07.2013

Fisch ist gesund? Ob diese Aussage noch lange Gültigkeit besitzt, ist fraglich. Die EU-Kommission hat den Grenzwert für das Pestizid Endosulfan auf das Zehnfache erhöht.

Zuchtlachs darf nun mehr Pestizid enthalten. © Eva Eckinger/agrarheute
Bisher war der Verkauf von Zuchtlachs mit einem Gehalt von mehr als 0,005 Milligramm pro Kilogramm in der EU verboten. Nach Anhebung der Werte darf ein Fisch nun bis zu 0,05 Milligramm Endosulfan enthalten. Das Pestizid gelangt über pflanzliches Futter, welches in der Zucht zunehmend eingesetzt wird, in die Tiere. Die EU beugt sich somit vor allem dem Drängen des größten Lachslieferanten Norwegen.

Verbotenes Pestizid

Endosulfan gilt als eines der giftigsten Pestizide, die heute überhaupt noch auf dem Markt sind. Es wird in erster Linie zur Bekämpfung von Schädlingen in der Landwirtschaft eingesetzt. Obwohl der Einsatz dieses Giftes in 80 Ländern der Welt verboten ist und das Gift seit 2011 auf der Liste der Stockholmer Konvention steht, wurde der Grenzwert in der EU nun deutlich angehoben.

Norwegen profitiert

Vor allem Norwegen als größte Lachszuchtnation versuchte seit mehr als drei Jahren, eine Erhöhung der Grenzwerte zu erreichen, wie Ingunn Ormstad von der norwegischen Lebensmittelbehörde "Mattilsynet" der Zeitung "Aftenposten" bestätigt. Dies sei von großer gegenwärtiger und zukünftiger wirtschaftlicher Bedeutung für die Lachszuchtindustrie. Doch auch in Norwegen selbst stößt dieser Beschluss in der Bevölkerung und bei Verbraucherschützern seit Bekanntmachung auf starken Gegenwind.

Laut EU keine Gesundheitsgefährdung

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) und EU besteht keine Gefahr für die Gesundheit, da die unbedenkliche Tagesdosis bei 0,006 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht läge. Ist ein Fisch also wirklich mit 0,05 Milligramm Endosulfan pro Kilogramm belastet, so kann ein 60 Kilo schwerer Erwachsener pro Tag wiederum 7,2 Kilogramm dieses Fisches zu sich nehmen.

Kritiker warnen

Experten jedoch sind stark beunruhigt und warnen vor den möglichen Folgen des Giftes aus das Hormonsystem. Im schlimmsten Fall beeinfluße es direkt die Fortpflanzungsfähigkeit des Menschen und die Entwicklung von Föten, so Experten. Zudem ist das Krebsrisiko bisher nicht ausreichend erforscht. "Man weiß in Wahrheit zu wenig, um überhaupt einen Grenzwert festzulegen", so Waltraud Novak von der Umweltorganisation Global 2000. Schwangere und Kinder sollten somit Lebensmittel mit Endosulfan-Gehalt so gut wie möglich meiden, so der Biologe Jérôme Ruzzin von der norwegischen Universität Bergen.

Licht und Schatten

Das große Problem der Fischzuchtindustrie ist die Futterfrage. Nutzt man pflanzliches Futter, welches vor allem aus Südamerika und den USA kommt, so gelangen Pestizide in den Fisch und so auf unsere Teller. Jedoch ist diese Art der Zucht günstiger und wesentlich nachhaltiger. Verfütterte man früher Massen von Wildfisch, so können heute Meeresbestände dank der pflanzlichen Futtermittel geschützt werden.
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