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Wirtschaft

Getreidemärkte: Schwarzmeerländer kurbeln Exporte gehörig an

© Mühlhausen/landpixel
Agrarisches Informationszentrum (pos/mö/pom)
am
01.08.2011

London/Paris/New York - Vom Weltmarkt kommen nach wie vor kaum Orientierung oder Impulse für die Getreide-Kassamärkte.

© Burkhardt Trautsch/aboutpixel.de
Die Schwarzmeer-Exporteure, allen voran Russland und mit Abstand die Ukraine, kämpfen mit Diskontpreisen bis zu 50,- US-Dollar (35,63 Euro) pro Tonne (t) unter denen der Mitbewerber EU und USA. So sollen die 2010/11 durch ihre Ausfuhrrestriktionen verlorene Märkte wieder zurückerobert werden. Auch das EU-Exportgeschäft beginnt anzuspringen.
 
Der Internationale Getreiderat IGC in London revidierte am Donnerstag in seinem Juli-Getreidemarktreport gegenüber dem Juni die weltweite Ernteprognose 2011/12 für Getreide um 9 Millionen (Mio.) t auf den Rekordwert von 1.817 Mio. t nach oben, davon die für Weizen um 8 Mio. t auf 674 Mio. t und die für Mais um 1 Mio. t auf 859 Mio. t. Laut IGC bleiben alle Versorgungsbilanzen negativ, so dass es 2011/12 zu einem weiteren Abbau der globalen Getreidereserven kommen werde.

Paris: Weizenfutures tendiert seitwärts - Maispreis steigt

Ein schwächerer Euro sowie die zunehmende Sorge um die Weizenqualität bei den europäischen Top-Produzenten Frankreich und Deutschland ließ auch an der Pariser Euronext den Weizenfutures zum Liefertermin November am Donnerstag dieser Woche wieder einmal an der 200-Euro-Marke schließen. So lange man aber auch in Europa noch nicht mehr darüber weiß, ob und was der Regen auf den reifen Beständen anrichtet, rechnen Analysten mit einer Fortsetzung der Seitwärtsbewegung der europäischen Weizennotierung innerhalb des Bandes von 190,- bis 200,- Euro pro t. Damit notiert der November-Weizenfutures in Paris auch weiterhin unterhalb des Maisfutures, ebenfalls zur Lieferung im November, der am Donnerstag bei 204,25 Euro pro t schloss.

IGC: Höherer Verbrauch überwiegt größere Produktion

Laut dem jüngsten IGC-Bericht frisst die Zunahme beim globalen Getreideverbrauch die in der laufenden Saison höher geschätzte Ernteerwartung auf. So sollen die Bilanzen auch in diesem Jahr rot bleiben. Die Produktion sieht der Getreiderat gegenüber dem Juni insbesondere in der EU, in Indien, Russland und den USA größer als vor einem Monat, während sie in Kanada und der Ukraine geringer erwartet wird.
 
Vor allem beim Mais werden die zuletzt optimistischen Prognosen für die USA wegen der überraschend groß angesetzten Anbaufläche nunmehr von einer Hitzewelle im Mittelwesten gefährdet. Die Tiermast in China, der EU und in den USA zeichnet für mehr als die Hälfte des heuer prognostizierten Verbrauchszuwachses verantwortlich, wobei vor allem deutlich mehr Weizen im Futtertrog landen soll. Das großzügige Angebot an einfachen Weizenqualitäten, das wachsende Angebot aus der Schwarzmeerregion sowie der gegenüber anderem Getreide wettbewerbsfähige Weizenpreis würden den Mehrabsatz in der Verfütterung begünstigen.
 
Dies geht vor allem auf Kosten eines langsameren Verbrauchszuwachses von zurzeit über Weizen ausgepreistem Mais, der nur von Chinas Tierhaltern verstärkt nachgefragt wird. Ebenso erwartet der IGC eine Verlangsamung des Wachstums im industriellen Maiseinsatz.

Russlands Getreideexporte boomen wieder

Nach der einjährigen Pause exportiert Russland wieder viel Getreide. Seit der zweiten Juli-Dekade verzeichnen Marktexperten eine rege Nachfrage nach russischem Weizen und später auch nach Gerste auf den internationalen Märkten, so der Pressedienst des staatlichen Agrartransportunternehmens RusAgroTrans. Das Exportpotenzial Russlands 2011/12 wird auf rund 21 Mio. t Getreide geschätzt. Im August könnten 2,5 Mio. t ausgeführt werden gegenüber voraussichtlich 1,9 Mio. t im Juli. Die Marktanteile werden mit Diskontpreisen rückerobert.
 
Am Dienstag hat sich die staatliche ägyptische Getreideagentur GASC für den Erwerb von weiteren 120.000 t russischen Weizens entschieden; bei zwei vorhergehenden Ausschreibungen kaufte GASC schon insgesamt 360.000 t. RusAgroTrans hob ferner die Wiederaufnahme von Ausfuhren in die transkaukasischen Länder nach einem zweijährigen Stillstand hervor. Laut dem Consulting- und Forschungszentrum für Agrarökonomie (Sovecon) habe der russische Getreideexport im Juli mit 2 Mio. t, davon 1,8 Mio. t Weizen, einen Rekordwert erreicht.
 
Die EU-Kommission nannte am Donnerstag im Verwaltungsausschuss für die Weizenkäufe Ägyptens in Russland für die Tranche von 180.000 t Preise von 246,- bis 247,- US-Dollar (172,51 bis 173,21 Euro) pro t fob und für die 120.000 t 249,- bis 250,- US-Dollar (174,61 bis 175,32 Euro) pro t fob. Die Lieferung soll Ende August erfolgen. Für die Frachtkosten zwischen Russland und Ägypten veranschlagte die Kommission 16,- bis 17,- US-Dollar (11,22 bis 11,92 Euro) pro t. Thailand, Syrien und Jordanien gehören ebenfalls zu den Abnehmern von russischem Mahlweizen.

Weizenexport der EU nimmt Fahrt auf

Der Weizenexport der EU nimmt aber auch Fahrt auf und französische Händler müssen trotz ihrer höheren Preise ebenfalls auf dem Weltmarkt im Geschäft sein. Zwischen dem 20. und 27. Juli wurden Ausfuhrlizenzen für 382.000 t Weizen nachgefragt, fast ausschließlich in Frankreich. Die Weizenausfuhren der EU-27 liegen damit seit dem Saisonbeginn bei 977.000 t und damit leicht über dem Vorjahr (927.000 t). Die gesamten Getreideausfuhren nahmen im Wochenabstand um 482.000 t auf 1,4 Mio. t (2010/11: 1,5 Mio. t) zu. Allerdings bleibt die EU 2011/12 Nettoimporteur, denn es gelangten seit 01. Juli 2011 mit 2,8 Mio. t gleichzeitig dramatisch mehr Getreideeinfuhren in die Union als im selben Zeitraum 2010/11 mit 365.000 t. Allein 2,2 Mio. t der Einfuhren waren Weizen (2010/11: 107.000 t).
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