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Ernährung und Gesundheit

Giftstoffe in Borretsch entdeckt

pd
am
17.10.2013

Braunschweig - Forscher haben hohe Konzentrationen von Giftstoffen aus der Gruppe der Pyrrolizidinalkaloide in der Küchenpflanzen Borretsch gefunden und warnen vor deren Verzehr.

Borretsch ist ein wichtiger Bestandteil der so genannten Grünen Soße, die in Hessen sehr beliebt ist. Wie der Lebensmittelchemiker Dr. Till Beuerle erforscht hat, ist der Anteil von Borretsch in der Grünen Soße durchaus problematisch, berichtet die Seite pflanzenforschung.de.
 
Borago officinalis oder Gurkenkraut, wie der Borretsch auch genannt wird, enthält eine hohe Konzentration an Pyrrolizidinalkaloide (PA) und die können bereits in geringen Mengen sehr giftig sein.

Gefundene Giftmenge ist 15 Mal größer als angenommen

Bei den PA handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe, die zum Schutz vor Fraßfeinden gebildet werden. Es gibt mehr als 500 verschiedene PA, die in über 6..000 Pflanzenarten vorkommen. Diese gehören vornehmlich den Familien der Korbblütler, der Rauhblattgewächse und der Hülsenfrüchtler an. Bisher ging man davon aus, dass ein Kilogramm der getrockneten Borretsch-Pflanze knapp 10 Mikrogramm (µg) verschiedener Pyrrolizidinalkaloide wie Amabilin, Intermedin, Lycopsamin und Supinin enthält. Die Wissenschaftler des Instituts für pharmazeutische Biologie der TU Braunschweig haben jetzt im Borretsch aber teilweise bis zu 150 µg/Kg der Giftstoffe gefunden. Das ist das 15fache der ursprünglich angenommenen Menge und damit durchaus bedenklich, wenn man sich an den Vorgaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) orientiert.
 

Forscher raten zum Verzicht auf Borretsch

Laut Beuerle sollten Verbraucher und Hersteller auf die Verwendung von Borretsch verzichten: "Ich würde raten, dass man versucht, es zu vermeiden, wo man es vermeiden kann." Schon seit langem fordere das BfR eine Nulltoleranz für PA und hat hierzu einen Fragen-und-Antworten-Katalog veröffentlicht, der auf die Gefahren aufmerksam mache. Das BfR empfehle beispielsweise, dass eine Tageszufuhr von ungesättigten Pyrrolizidinalkaloide 0,007 µg je Kilogramm Körpergewicht nicht überschreiten sollte. Die PA seien nicht zu unterschätzen: Sie wirkten toxisch auf zentrale Organe des Menschen wie Leber, Lunge, Herz und Niere, und besitzen ein erhebliches mutagenes, karzinogenes und teratogenes Potenzial.

Gefahr kommt von den Wiesen

Problematisch ist aber nicht nur Borretsch in der Grünen Soße, auch andere Lebensmittel verfügen teilweise über hohe Anteile an PA. So fand das BfR dieses Jahr in bestimmten Teesorten überdurchschnittlich hohe Konzentrationen von PA. In den rund 220 untersuchten Kräutertee- und Teeproben wurden bis zu 3,4 µg PA pro Kilogramm Trockenprodukt gefunden. Aber auch verunreinigte Salate und Honig kommen immer wieder in die Schlagzeilen. So wurden 2009 in abgepacktem Rucola-Salat einer Supermarktkette Blätter des Greiskrauts gefunden. Dieses sieht zwar den Rucola-Blättern zum Verwechseln ähnlich, zeichnet sich aber durch einen sehr hohen PA-Anteil aus. In den damals untersuchten Proben fanden sich 2.608 µg pro 148 g Salat. Das ist eine durchaus gefährliche Menge.

Auch Honig ist manchmal belastet

Das mit dieser Pflanzen nicht zu spaßen ist, zeigt auch der Tod eines Fötus in Baden-Württemberg, dessen Mutter belasteten Kräutertee konsumiert hatte, und vor allem die zahlreichen Pferde, die durch den Verzehr des auf deutschen Weiden weit verbreiteten Greiskrauts gestorben sind. Für den Menschen problematischer ist, dass Bienen die giftigen Stoffe aus den Blüten in den Honig transportieren. Hierzu veröffentlichte das BfR eine Studie, in der es auf die Belastung durch PA sowohl heimischer aber vor allem auch Importhonige hinwies. Vor allem Honigsorten aus Südamerika sind betroffen, so waren zum Beispiel alle 376 getesteten Proben aus Uruguay mit PA belastet. Selbst von den untersuchten 70 deutschen Honigsorten waren 21 Prozent mit bis zu 130 µg PA/Kg belastet.
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